Kein Staatsbegräbnis für Augusto Pinochet: Unruhen nach Tod von Chiles Ex-Diktator

Tränengas, Festnahmen gegen junge Demonstranten Polizei erwartet weitere Zusammenstöße in Santiago

Kein Staatsbegräbnis für Augusto Pinochet: Unruhen nach Tod von Chiles Ex-Diktator

Pinochet ist in einer Kapelle der Offiziersschule in Santiago de Chile aufgebahrt worden. Pinochet war in dem halb offenen Sarg in seine Generalsuniform gekleidet. Zu einer vom chilenischen Fernsehen übertragenen Messe waren seine Frau Lucia Hiriart, weitere Familienangehörige und einige Offiziere gekommen.

Die sozialistische Präsidentin Michelle Bachelet hatte angeordnet, dass Pinochet kein Staatsbegräbnis wie andere Ex-Präsidenten bekommt, sondern nur mit militärischen Ehren als ehemaliger Chef der Streitkräfte beigesetzt wird. Bachelets Vater war ein Opfer des Pinochet-Regimes.

Von Pinochets einstigen Verbündeten äußerte nur die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher Trauer über den Tod des 91-jährigen Generals, in dessen 17-jähriger Herrschaft 1973-1990 tausende Andersdenkende getötet wurden oder spurlos verschwanden. Die USA, die Pinochets Militärherrschaft viele Jahre stillschweigend duldeten, bezeichneten Pinochets Herrschaft "als eine der schwierigsten Perioden der Geschichte dieser Nation", wie der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, mitteilte. "Unsere Gedanken sind mit den Opfern seiner Herrschaft und deren Familien", sagte er.

Isabel Allende, die Tochter des von Pinochet 1973 durch einen Militärputsch gestürzten früheren chilenischen Präsidenten Salvador Allende, zeigte ebenfalls Bedauern, dass dem Ex-Diktator nicht der Prozess gemacht worden war. Für das chilenische Volk und für alle seine Opfer wäre es sehr wichtig gewesen, dass Pinochet der Prozess gemacht worden wäre, sagte die chilenische Politikerin, die nicht mit der weltbekannten Schriftstellerin identisch ist, einem französischen Sender. "Leider hat man es nicht geschafft. Leider ist er tot."

Auch Menschenrechtsorganisationen wie amnesty international bis Human Rights Watch bedauerten, dass sich Pinochet für seine brutale Herrschaft nie habe vor Gericht verantworten müssen. Allerdings stellte der Lateinamerika-Direktor von Human Rights Watch, Jose Miguel Vivanco, fest: "Pinochet hat seine letzten Jahre damit verbracht, ein immer dichter zusammenziehenden Netz von Anklagen abzuwehren. Er ist als völlig diskreditierte Persönlichkeit in dem Land gestorben, das er einst beherrschte."

Pinochet starb im Alter von 91 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Vor dem Militärkrankenhaus, in dem Pinochet zuletzt behandelt wurde, versammelten sich tausende seiner Anhänger. Sie riefen: "Lang lebe Pinochet!" Doch anderswo in der Hauptstadt wurde die Nachricht von seinem Tod gefeiert, auf dem zentralen Platz versammelten sich hunderte, die mit Sekt anstießen, chilenische Fahnen schwenkten und Konfetti regnen ließen.

Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es, als einige Demonstranten in Richtung Präsidentenpalast zogen und vorbeifahrende Autos mit Steinen bewarfen. Zudem errichteten sie brennenden Barrikaden auf einer Hauptstraße.

(apa/red)