Kein Rambo, aber ein wirklich harter Michl:
Kröll gibt in Kitzbühel trotz Handbruch Gas

Spezialschienen und Schmerzmittel sollen helfen Erster Sieg für ÖSV-Ass nur noch Frage der Zeit

Kein Rambo, aber ein wirklich harter Michl:
Kröll gibt in Kitzbühel trotz Handbruch Gas © Bild: APA/EPA/Della Bella

Auf seinen Spitznamen Rambo hält Klaus Kröll nicht viel, denn der passe nicht zu ihm. Ein harter Michl, wie man hierzulande sagt, ist der 28-jährige aber dennoch. Mit zwei gebrochenen und einem zertrümmerten Handwurzelknochen will er die Abfahrt in Kitzbühel bestreiten, dafür ließ er sich am nach der Trainingsabsage freien Dienstag eine Spezialschiene in Bad Häring anpassen. "Ich habe in Wengen gesehen, dass ich den Stock halten und normal Skifahren kann, das ist die Voraussetzung, sonst bräuchte ich in Kitzbühel nicht starten", sagte der Steirer.

Vergangenen Donnerstag war Kröll im Training von Wengen gestürzt, bei der Röntgenuntersuchung wurde eine Handgelenksprellung festgestellt, jedoch bereits erwähnt, dass es möglicherweise Splitter gäbe. Ein CT im UKH Salzburg am Montag brachte die endgültige und weitaus schlimmere Diagnose. "Es hat gleich gebrannt, als es mich aufgestellt hat, dass ist meistens kein gutes Zeichen, wenn man das schon im Schock so spürt", erzählte Kröll, dessen Vorahnung sich bestätigte. Er wollte Gewissheit, denn er will seine rechte Hand beim Fahren optimal geschützt haben, falls ihm eine Torstange drauf schlägt.

Kröll geht optimistisch ins Rennen
Aufgrund der Steilheit nach dem Start wird Kröll in Kitzbühel weniger Stockeinsatz benötigen als in Wengen, wo er wegen es unrhythmischen Anschiebens in den Schnee fiel und zwei Pirouetten drehte. "Ich weiß, dass ich sehr sicher am Ski stehe, das Selbstvertrauen ist groß genug, dass ich mir das hier zutraue. Ich gehe optimistisch in das Rennen und freue mich nach wie vor drauf", will Kröll sein Handicap ("Sicher, die Hand ist gebrochen, aber ich find's nicht ganz so schlimm") nicht überbewerten.

Kollege Michael Walchhofer sieht sogar einen Vorteil: "Das nimmt den Druck, und wenn man im Vorhinein ein bisserl eine Ausrede hat, dann schadet das nie. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, ich bin oft super Rennen gefahren, wenn es irgendwo gezwickt hat."

Schmerzmittel statt mehrwöchiger Pause
"Zwicken" wird es Kröll noch länger, normalerweise bekommt man bei einer derartigen Verletzung einen Gips verpasst und zur Ruhestellung eine fünf- bis sechswöchige Pause verordnet, dem Steirer bleiben die Schiene und Schmerzmittel. "Ich werde auch so keine Folgeerscheinungen haben, der Heilungsprozess wird vielleicht nicht so schnell gehen. Aber das gehe ich bewusst ein!"

Bis zur WM zu pausieren, würde auch keine Besserung bringen, ist Kröll überzeugt. "Denn dann besteht die Gefahr, dass ich das Schnelle verliere." Für Kröll ("Bin kein Sturzpilot") war es übrigens der erste Sturz in einer Abfahrt seit 15. März 2006, als er sich beim Weltcup-Finale in Aare eine Schienbeinkopffraktur im linken Bein, einen Bruch des Querfortsatzes des Lendenwirbels und einen Bruch des Handgelenks zugezogen hat.

Startverzicht in Kitzbühel war nie ein Thema
Einen Startverzicht in Kitz hat Kröll aber nie in Erwägung gezogen - und das hat nichts mit der aktuellen Verletzungsserie und Abfahrtskrise im österreichischen Nationalteam zu tun: "Hauptsächlich starte ich für mich selbst. Ich will hier fahren. Für die Situation, die wir haben, kann ich nichts, das ist nachrangig." Er schaue, was für ihn das Beste sei und versuche, sein Rennen so gut wie möglich zu fahren."

Der zweifache Junioren-Weltmeister ist 2002 erstmals in Kitzbühel am Start gewesen, er hat es als bisher schönste Streif-Abfahrtsrennen in Erinnerung. Mit Platz acht hat er auch das beste Hahnenkamm-Ergebnis in dieser Disziplin erzielt (im Super-G 2006 war er Fünfter). Drei zweite und einen dritten Platz hat er bisher im Weltcup erreicht.

Erster Sieg nur noch Frage der Zeit
Auf einen Sieg wartet der Vater einen Sohnes, der jetzt ins beste Abfahreralter kommt, noch: "Ich muss mich nicht wirklich stressen und mache mir keinen Druck. Wenn ich so weiterarbeite wie in den vergangenen zwei Jahren, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit." Er wisse, dass er er sich in jedem Bereich noch steigern könne.

Nicht zuletzt am Beispiel des Skispringers Wolfgang Loitzl, der nach vielen sieglosen Jahren im Weltcup heuer regelrecht explodierte, sehe man, was alles möglich sei. "Das war sehr interessant für mich, ich habe es verfolgt, es hat mir voll getaugt und motiviert mich. Man kann es auch in einem gewissen Alter schaffen, wenn am die Geduld mit sich bringt", weiß Kröll.

(apa/red)