Kein anderer ist so anders wie Maradona:
Diegos Welt - über Marotten und Souffleure

Argentiniens "El Diez" wäre gerne selber noch Spieler "Über Deutschland? Schreibt doch, was ihr wollt"

Kein anderer ist so anders wie Maradona:
Diegos Welt - über Marotten und Souffleure © Bild: Reuters/Marcarian

Schon von weitem hört man die rauchige Stimme. Die lauten Rufe und das markante Lachen von Diego Maradona dröhnen über das Universitätsgelände von Pretoria. Hier haben die Argentinier ihr WM-Zuhause. Und nicht nur bei den Trainingsspielen tanzen alle nach der Pfeife des einst weltbesten Fußballers. Den prominentesten aller WM-Teilnehmer umgibt die Aura des Besonderen. Keiner fällt in Südafrika so auf wie Argentiniens Teamchef.

Nicht ohne spürbare Genugtuung schickte er nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Mexiko einen unmissverständlichen Gruß an seine Kritiker. "Man hat vorher gesagt, als Coach hätte ich keine Ahnung und keine Ideen. Plötzlich gewinne ich vier Spiele", sagte Maradona. Dabei habe er sich doch gar nicht geändert.

In Südafrika bekommt "El Diez" fast einen Roten Teppich ausgerollt. Er nimmt seine Spieler immer öffentlich in Schutz, noch kein kritisches Wort über seine Schützlinge ist ihm über die Lippen gekommen. Denn im Herzen ist Maradona immer noch mehr Spieler als Trainer. "Ich würde am liebsten dabei sein, ich will mir ein Leibchen anziehen und spielen." Stattdessen wird er für die 90 oder mehr Minuten gegen Deutschland im Viertelfinale am Samstag (16.00) in Kapstadt wieder den Trainingsanzug gegen den edlen Anzug und die Lackschuhe tauschen.

Maradona ist anders als seine Trainerkollegen. Zum akribisch-sachlichen Arbeiter Joachim Löw kommt er wie ein Gegenentwurf daher. Und das war er erst recht als Spieler. Hier der geniale und aufbrausende Superstar Maradona, Weltmeister mit Argentinien 1986. Da Löw, bei dem vier U-21-Länderspiele und 252 Zweitliga-Einsätze zu Buche stehen. Er ist aber in der Trainerfachwelt bereits hoch angesehen. Maradona, der in der Coaching-Zone stets den Leidenden gibt, muss seine Meriten erst holen.

Große Zweifel an Trainertalent
Lange zweifelten nicht nur argentinische Medien, ob dieser Maradona, der als Fußballer die Fans verzauberte, als Trainer ein echtes System auf die Beine stellen könnte. Zwar entscheidet der Ausnahme-Techniker von einst alleine, er lässt aber mit sich reden. Am Spielfeldrand hat Maradona zwei Souffleure. Der eine heißt Hector Henrique und spielte Maradona vor 24 Jahren den Ball zu dessen weltberühmtem Sololauf im WM-Viertelfinale in Mexiko gegen England zu. Der zweite ist Kumpel Alejandro Mancuso. Und dann ist da noch Carlos Bilardo.

Der 71-Jährige, promovierte Mediziner ist der Team-Manager, den der allmächtige Verbandspräsident Julio Grondona Maradona zur Seite stellte. Maradona und Bilardo kennen sich seit langem. Der Ordnungsfanatiker Bilardo führte Argentinien 1986 zum Titeltriumph durch einen 3:2-Sieg im Finale gegen Deutschland. Vier Jahre später bei der WM in Italien reichte es immerhin zum WM-Finale, das diesmal Deutschland gewann (1:0). Das Verhältnis zwischen Bilardo und seinem ehemaligen Primgeiger ist aber ein gespaltenes. Nach diversen Auseinandersetzungen im vergangenen Jahr herrscht nun zumindest ein verbaler Waffenstillstand.

Eigen ist Maradona auch im Umgang mit der Öffentlichkeit. Nach dem Erfolg gegen Mexiko ließ er die Medienvertreter 45 Minuten warten. Dann tauchte er plötzlich doch noch auf. Noch ehe ihn die Kameras erfassten, übergab "Dieguito" seine glühende Zigarre einem Betreuer. Kurz zuvor hatte er noch ein letztes Mal kräftig inhaliert. Dass Argentinien im Viertelfinale auf Deutschland trifft, kümmerte Maradona an diesem Abend noch nicht. Den nachfragenden deutschen Journalisten ließ er auflaufen: "Lassen Sie mich jetzt doch zuerst das Spiel gegen Mexiko genießen. Was ich von den Deutschen halte? Ihr habt einen Blankoscheck - schreibt, was auch immer ihr meint, was ich über Deutschland denke."

(APA/red)