Leiche von Irans Präsident Raisi geborgen

von Leiche von Irans Präsident Raisi geborgen © Bild: APA/APA/Iranian Red Crescent/HANDOUT

Absturzstelle des Hubschraubers von Irans Präsident Raisi

Nach dem Absturz des Präsidenten-Hubschraubers im Iran sind nach Regierungsangaben alle neun Todesopfer identifiziert worden. Trotz starker Verbrennungen sei die Identität der Insassen am Montag festgestellt worden, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Ihre Leichen seien inzwischen nach Täbris, Hauptstadt der Provinz Ost-Aserbaidschan, überführt worden. Der Sucheinsatz sei nun beendet.

Staatsmedien hatten zuvor den Tod aller neun Insassen des Helikopters bestätigt, unter ihnen auch Präsident Ebrahim Raisi und Außenminister Hossein Amirabdollahian. Sie waren auf der Rückreise von einem Treffen mit dem Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Aliyev, bei dichtem Nebel in den Bergen verunglückt. Tasnim zufolge war einer der Passagiere, der Freitagsprediger aus Täbris, nach dem Absturz noch etwa eine Stunde am Leben und nahm Kontakt mit dem Präsidialamt auf, ehe er seinen Verletzungen erlag. Der Hubschrauber sei bei dem Absturz vollständig ausgebrannt.

Armeechef Mohammad Bagheri ordnete eine Untersuchung der Absturzursache an. Wie die Nachrichtenagentur Tasnim am Montagabend berichtete, wurde dafür ein technisch hoch versiertes Team zusammengestellt. Weil zwei weitere Hubschrauber der iranischen Delegation sicher ihr Ziel erreicht hatten, dürfte das schlechte Wetter keine große Rolle gespielt haben. Ein technischer Defekt an dem über 40 Jahre alten Helikopter galt als wahrscheinlicher, doch wurde in Teheran auch über einen Sabotageakt von Erzfeind Israel spekuliert.

Raisi und Amirabdollahian hatten im Nachbarland einen Staudamm eingeweiht. Mit insgesamt drei Hubschraubern machte sich der Tross danach auf den Rückweg gen Iran, doch die Präsidentenmaschine kam nicht an ihrem Bestimmungsort an. Wie iranische Medien berichteten, liegt der Unglücksort in der Nähe von Jolfa - mehr als 600 Kilometer von der Hauptstadt Teheran entfernt, nahe der Grenze zu Aserbaidschan.

Der iranische Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei ordnete fünf Tage Staatstrauer an. Zudem übertrug er die Amtsgeschäfte an Raisis ersten Vize Mohammad Mokhber. Innerhalb von 50 Tagen müssen Neuwahlen stattfinden. Wie die Nachrichtenagentur Isna am Montagabend meldete, wurde der 28. Juni als Termin vorgeschlagen. Demnach könnten sich ab 28. Mai Kandidaten registrieren. Die Entscheidung über die Zulassung trifft der Wächterrat, ein Kontrollgremium konservativer Geislicher. Raisi hatte seine Wahl vor drei Jahren auch der Nicht-Zulassung mehrerer aussichtsreicher Kandidaten wie etwa die Ex-Präsidenten Hassan Rouhani oder Mahmoud Ahmadinejad zu verdanken.

Raisi war seit 2021 Präsident gewesen. Er galt als Hardliner und als der zweitmächtigste Politiker im Iran hinter Khamenei. Er ordnete die blutige Niederschlagung von landesweiten Protesten nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam vor eineinhalb Jahren an. Zudem stand er für eine harte Haltung bei den internationalen Verhandlungen über das umstrittene Atomprogramm der Islamischen Republik.

Gemäß Verfassung war Raisi zwar Regierungschef, er galt jedoch als eher schwacher Präsident - zumal Khamenei als Staatsoberhaupt ohnehin die mächtigere Stellung und in allen strategischen Belangen das letzte Wort hat. Raisi war im August 2021 als Präsident vereidigt worden. Der erzkonservative Kleriker wurde damit offiziell Nachfolger von Hassan Rouhani, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten durfte. Als Spitzenkandidat der politischen Hardliner sowie Wunschkandidat und Protegé des Religionsführers Khamenei hatte Raisi die Präsidentenwahl mit knapp 62 Prozent der Stimmen gewonnen.

Aus aller Welt trafen Beileidsbekundungen ein. UNO-Generalsekretär António Guterres sprach den Familien, sowie der Regierung und den Menschen im Iran sein Beileid aus. Die Nachricht habe ihn traurig gemacht, sagte Guterres am Montag laut seinem Sprecher in New York. Auch die USA bekundeten in einer offiziellen Mitteilung ihr "offizielles Beileid" zum Ableben Raisis. "Während der Iran einen neuen Präsidenten wählt, bekräftigen wir unsere Unterstützung für das iranische Volk und seinen Kampf für Menschenrechte und Grundfreiheiten", hieß es weiter in der Mitteilung aus Washington, das keine diplomatischen Beziehungen zu Teheran unterhält. US-Außenamtssprecher Matthew Miller gab zugleich bekannt, dass Teheran nach dem Absturz auch die USA um Hilfe gebeten habe. Man habe die gewünschte Hilfe aber aus logistischen Gründen nicht leisten können.

Kremlchef Wladimir Putin würdigte Raisi als einen herausragenden Politiker und wahren Freund Russlands. "Er wurde von seinen Landsleuten zu Recht hoch geachtet und genoss im Ausland großes Ansehen", hieß es in einem am Montag vom Kreml veröffentlichten Beileidsschreiben. Chinas Präsident Xi Jinping sprach in einer Botschaft von "tiefer Trauer" über Raisis Tod.

Auch EU-Ratschef Charles Michel hat im Namen der EU sein Beileid bekundet. "Die EU drückt ihr aufrichtiges Beileid zum Tod von Präsident Raisi und Außenminister Abdollahian sowie anderer Mitglieder ihrer Delegation und der Besatzung bei einem Hubschrauberunfall aus", schrieb Michel am Montag auf seinem offiziellen Account auf X. "Unsere Gedanken sind bei den Familien."

Raisi wurde 1960 in Maschhad geboren und war über drei Jahrzehnte in der Justizbehörde tätig. 2019 wurde er zum Justizchef ernannt. In seiner früheren Funktion als Staatsanwalt soll er im Jahr 1988 für zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen politischer Dissidenten verantwortlich gewesen sein, weshalb seine Gegner ihm den Beinamen "Schlächter von Teheran" verpassten.

Experten hatten Raisi zwischenzeitlich auch als möglichen Nachfolger für Khamenei gehandelt, der im April 85 Jahre alt wurde. Auch wenn sich die Kritik der jungen Generation inzwischen immer mehr gegen das gesamte System der Islamischen Republik richtet, stand Raisi innenpolitisch besonders unter Druck. Zuletzt trieb die Regierung ihren umstrittenen Kurs bei der Verfolgung des Kopftuchzwangs voran und brachte damit Teile der Bevölkerung noch mehr gegen sich auf.