Kein Ende des Polit-Konflikt in Simbabwe: Oppositions-Führer erneut festgenommen

Verhaftungen bei Razzia in Tsvangirais Hauptquartier

Simbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ist zum zweiten Mal innerhalb von gut zwei Wochen festgenommen worden. Die Festnahme habe im Zuge einer Razzia im Hauptquartier von Tsvangirais Partei Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) stattgefunden, sagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti. Auch alle Verwaltungsangestellten des Büros in Harare seien dabei festgenommen worden. Die Polizei in Simbabwe hat hingegen bestritten, Tsvangirai erneut festgenommen zu haben. Zwar seien zehn Oppositionelle festgenommen worden, jedoch befinde sich Tsvangirai nicht unter ihnen, sagte Polizeisprecher Wayne Bvudzijena vor Journalisten in der Hauptstadt Harare. Staatschef Robert Mugabe wurde zu einem Gipfel der Entwicklungsgemeinschaft für das südliche Afrika (SADC) erwartet, auf dem über die Lage in Simbabwe beraten werden sollte.

"Mindestens 20 Menschen befanden sich zum Zeitpunkt der Razzia im Büro", sagte Biti. Dutzende Polizisten mit schwerer Ausrüstung umstellten das MDC-Hauptquartier, wie ein AFP-Journalist berichtete. Die Händler anliegender Geschäfte schlossen ihre Läden, da sie offenbar Ausschreitungen befürchteten. Tsvangirai sollte am Mittwoch eigentlich eine Pressekonferenz zur mutmaßlichen Entführung eines Oppositionellen geben, der am Dienstag nach einem Gottesdienst verschwunden war. Die Behörden bestätigten die Festnahmen offiziell zunächst nicht, aus Polizeikreisen verlautete aber, die Büros seien nach Molotowcocktails durchsucht worden.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich "mit großer Besorgnis" über die Festnahme Tsvangirais. "Ihre Sorge rührt nicht zuletzt aus der Tatsache, dass er anlässlich seiner letzten Verhaftung brutal misshandelt worden ist", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner. "Große Erwartungen" setze Deutschland in den SADC-Gipfel, fügte er hinzu. Die katholischen Bischöfe Simbabwes forderten eine neue Verfassung für das Land, die freie Wahlen erlaube. Die erste Verhaftung Tsvnagirais war international mit Entrüstung aufgenommen worden, Mugabe zeigt sich seit Jahren gegenüber Kritik aus dem Ausland immun.

Die Verhaftung Tsvangirais erhöhte den Druck auf die 14 Staats- und Regierungschefs der SADC, die in der tansanischen Küstenmetropole Daressalam zu einem Krisengipfel zusammenkamen, um über die Lage in Simbabwe zu beraten. Während westliche Staaten das Vorgehen der Regierung Simbabwes gegen die Opposition scharf kritisierten, hatten die SADC-Mitglieder deutlich zurückhaltender reagiert. Aus tansanischen Kreisen verlautete, die Teilnehmer des SADC-Gipfels wollten nun versuchen, Mugabe zu Verhandlungen mit der oppositionellen MDC zu bewegen. (apa/red)