Empörung von

Berufung von Wiesinger
"einfach nur grauslich"

Scharfe Kritik an Maler im Landeskulturbeirat OÖ

Kdolsky
© Bild: APa/Pfarrhofer

Der umstrittene Maler Odin Wiesinger wurde gestern von der FPÖ in den Landeskulturbeirat Oberösterreich berufen. Eine „Provokation“ finden Rot und Grün. Und auch Ex-Ministerin und ÖVP-Mitglied Andrea Kdolsky meldete sich dazu zu Wort und fand sehr harte Worte: Es sei "einfach nur grauslich" und "pure Provokation". Der Maler selbst fordert, dass die FPÖ für ihn das Wort ergreift, "wie sie es für Andreas Gabalier getan haben."

Andrea Kdolsky, Mitglied des FPÖ-Koalitionspartners ÖVP und einstige Gesundheitsministerin sieht die Ernennung des Malers als „pure Provokation“. Sie postete einen Kommentar auf ihrer Facebook-Seite, in dem sie schreibt, es ginge nicht um Kritik an Regierungsentscheidungen oder Grundsatzfragen über Staatsführung, sondern „um Menschenwürde, es geht um Moral und Ethik, es geht um Wertschätzung und es geht darum auf das Land aufzupassen.“

»Keine gegenseitige Akzeptanz innerhalb einer Koalition sondern stille Zustimmung zur Diskreditierung von Frauen«

Die Ernennung sei nicht der „fast zur Gewohnheit werdende tägliche Ausrutscher“, sondern „einfach nur mehr grauslich.“ „Das ist keine Frage der Interpretation von Kunst, das ist pure Provokation“, so Kdolsky weiter. Es sei keine „gegenseitige Akzeptanz innerhalb einer Koalition sondern stille Zustimmung zur Diskreditierung von Frauen ("... dummes, hässliches Stück Fleisch"). Wieviel Abschaum wird hier noch hervorgeholt? Und vor allem was muss geschehen, dass Manche endlich aufwachen?“

Sie will mit ihrem Post an „alle Denkenden“ appellieren, und vor allem an „die Frauen in meiner Partei ÖVP“, nicht zuzulassen, dass jemand, der Frauen in dieser Form beschimpfe, in ein wesentliches und ehrbares Amt komme.

Innenminister Kickl kennt sich nicht aus

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) will sich in der Debatte um den umstrittenen Maler Odin Wiesinger, der für die FPÖ in der kommenden Funktionsperiode in Oberösterreichs Landeskulturbeirat sitzt, nicht einmischen. "Ich bin kein Experte für bildende Künste. Das maße ich mir nicht an", sagte Kickl am Rande des Ministerrats.

"Es gibt aber auch viele, die nichts mit den Werken von Hermann Nitsch anfangen können", so Kickl. Der Aktionskünstler und Maler Nitsch ist im Unterstützungskomitee für die Grüne EU-Kandidatin Sarah Wiener.

Hofer verteidigt Lieblingsmaler

Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) hat seinen Lieblingskünstler Odin Wiesinger wie von diesem selbst gewünscht vor der öffentlichen Kritik in Schutz genommen. Es sei klug, sich von einem Menschen selbst ein Bild zu machen. Er würde daher jedem ein persönliches Gespräch mit Wiesinger und ein Besuch in dessen Atelier empfehlen, sagte Hofer im Pressefoyer nach dem Ministerrat.

Auf geschmackslose Postings des Künstlers im Internat angesprochen, meinte Hofer, dass er so eine Wortwahl nicht rechtfertigen würde, aber "im Laufe des Lebens fallen Sätze, die man später bereut". Ob Wiesinger als Kulturbeirat geeignet sei, könne er nicht beurteilen. "Das steht mir nicht zu", so Hofer.

SPÖ und Grüne: "Provokation"

Dass dieser Maler nun in Oberösterreichs Landeskulturbeirat sitzt, stößt bei den Grünen und der SPÖ auf Empörung. Beide Landesparteien sehen das als "Provokation" der mit der ÖVP regierenden Freiheitlichen. Sie fragten sich Montagvormittag, wie lange Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) dem noch zusehe und wann er die "Stopptaste" drücke.

"Kunst bleibt Kunst und diese hat kein Mensch einzuengen oder zu verbieten - ob Gabalier oder Wiesinger." Wer das versuche, habe in Österreichs Politik nichts verloren, kommentierte indes FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker den Protest von SPÖ und Grünen.

Armin Wolf: "Was alles möglich ist...."

Auch ORF-Moderator Armin Wolf äußerte sich zur Causa Wiesinger. Er schrieb auf Twitter: "Im Kulturbeirat der oö. Landesregierung sitzt nun also ein Mann, der auf Facebook über die Rektorin der Akademie der bildenden Künste schreibt: "Selten so ein hässliches und dummes Stück Fleisch gesehen!" Was alles möglich ist..."

Inzwischen gab auch ein Mitglied des Oberösterreichischen Landeskulturbeirats, Thomas Baum, seinen Austritt bekannt, denn "mit dieser fatalen Entscheidung ist mir eine weitere Teilnahme bis zur Beendigung der Funktionsperiode nicht mehr möglich", schrieb in seiner Erklärung auf Facebook.

Maler erwartet sich Verteidigung der FPÖ wie bei Gabalier

Der umstrittene Maler selbst, der für die FPÖ in der kommenden Funktionsperiode in Oberösterreichs Landeskulturbeirat sitzt, hat sich am Dienstag auf Facebook zum Wirbel um seine Nominierung zu Wort gemeldet. Grüne und SPÖ hatten die Ernennung des Innviertlers am Montag in der Landesregierung abgelehnt. "... ihr seid widerlich mit eurer Menschenjagd auf mich!", hält er beiden Parteien vor.

In einem langen Statement schreibt er unter anderem: "Denjenigen, die mir eine nähe [sic] zum Nationalsozialismus unterstellen sage ich folgendes: nichts liegt mir ferner als eine nähe zur sozialistischen Ideologie jedweder prägung! .... warum ich so empfinde, das beweist ihr gerad emit eurer medialen hetzjagd auf mich!" und weiter "ihr solltet euch schämen". Außerdem erwarte er sich "von meinen freunden in der FPÖ und diversen funktioniären", "daß sie für mich das wort ergreifen, so wie sie es für Andreas Gabalier getan haben!"

Gern gesehen und umstritten

Odin Wiesinger ist ein 1961 im Innviertel geborener Maler und Bildhauer und bei den Freiheitlichen ein gern gesehener Künstler. Er ist nicht nur mit Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ), sondern auch mit dem ehemaligen dritten Nationalratspräsidenten und ebenfalls schlagenden Burschenschafter Martin Graf befreundet. So haben einige von Wiesingers Werken - die er auch für das als rechtsextrem eingestufte und inzwischen eingestellte Blatt "Aula" malte - die Tradition der Studentenverbindungen zum Thema. Als Abschiedsgeschenk bekam Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) 2017 von seinem Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) einen Gutschein für ein Gemälde von dem strittigen Künstler überreicht.

Der Maler, der eigentlich Manfred mit Vornamen heißt, hat sich seinen "Couleurnamen" Odin (eine germanische Gottheit) von seiner Burschenschaft beibehalten. 2016 hatte er von "Info-Direkt" den Auftrag erhalten, für die aktuelle Ausgabe zu dem in Linz stattfindenden Kongress "Verteidiger Europas" das Titelbild zu gestalten. Sein Werk "Junger Verteidiger Europas" sollte laut dem Magazin bei dem rechten Treffen versteigert werden. Laut Wiesinger sei der Jüngling mit einem Holzschwert die bildhafte Darstellung des Sprichwortes: "Was du liebst, musst du verteidigen; und wäre deine Waffe aus Holz."