Kaviar, Porsche und "chronische Geilheit":
Monsieur Strauss-Kahns sonderbare Welt

IWF-Boss schlittert in heikles Vergewaltigungsdrama Präsidentschaftskandidatur für 2012 ist damit dahin

Kaviar, Porsche und "chronische Geilheit":
Monsieur Strauss-Kahns sonderbare Welt © Bild: APA/EPA/DOLEGA

Sie nannten ihn ehrfürchtig "DSK". "Kaviar-Sozialist", Charmeur der alten Schule, Weltwirtschaftsmanager - Dominique Strauss-Kahn vereinte alles in einer Person. Jetzt muss sich der französische Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen versuchter Vergewaltigung eines Stubenmädchens verantworten. Seine Präsidentschaftskandidatur für 2012 ist damit passé.

Für seine politischen Gegner ist die aktuelle Affäre um "DSK" natürlich ein gefundenes Fressen. "Er leidet an einer sexuellen Pathologie, die mit jener Berlusconis verglichen werden kann", unterstellt ihm Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National, quasi eine chronische Geilheit. Und: "Jeder in Frankreich hat davon gewusst". Auch im Lager der Linken löste die Nachricht von der Festnahme Strauss-Kahns ein Erdbeben aus. Sozialisten-Chefin Martine Aubry sagte, die Nachricht habe sie wie ein "Donnerschlag" getroffen.

"Abenteuer einer Nacht" mit Ungarin
Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass der umtriebige Monsieur Kahn in den Sog einer Sex-Affäre gerät. Im Jahr 2008 wird eine Affäre Strauss-Kahns mit einer ungarischen IWF-Mitarbeiterin bekannt. Strauss-Kahn hätte für die Geliebte interveniert, hieß es damals, der Vorwurf des Amtsmissbrauchs stand im Raum. Eine Untersuchung des Aufsichtsrats spricht den IWF-Boss allerdings später frei, man belässt es bei einer öffentlichen Ermahnung. Die Affäre kündigte, damit war die Sache vom Tisch. Strauss-Kahns Gattin, die beliebte TV-Talkerin Anne Sinclair, ertrug die Demütigung mit Würde: Sie wolle das "Abenteuer einer Nacht" vergessen, schrieb sie damals in ihrem Blog.

Wie schon 1999, als ihr Gatte wegen Korruptionsvorwürfen zum Rücktritt als "Superminister" für Wirtschaft und Finanzen gezwungen wurde, kämpft die 62-Jährige auch nach dem aktuellen Vorfall wie eine Löwin für ihren Mann. Ein wenig fühlt man sich an Ruth Elsner erinnert , wenn man Sinclairs Statements dieser Tage liest: "Ich glaube keine Sekunde lang den Anschuldigungen, die gegen meinen Mann erhoben werden."

"Kaviar-Sozialist" als "Anwalt des kleinen Manns"
In Frankreich gilt Strauss-Kahn als Paradebeispiel für einen "Kaviar-Sozialisten": Seinen Hang zum Luxus, den er stets offen zur Schau stellt, hinderte ihn nicht daran, in die Rolle des "Anwalts des kleinen Manns" zu schlüpfen. Sein Charme, seine Schlitzohrigkeit, die sonore Stimme und seine Ehe mit der beliebten Journalistin Sinclaire machten ihn zum Polit-Star. Kürzlich erntete der Vater vierer Kinder und mehrfacher Großvater aber Kritik, als er mit seiner Frau in Paris mit einem noblen Porsche vorfuhr.

Aber der "Kaviar-Sozialist" ist das nicht anders gewohnt. Geboren wurde Strauss-Kahn am 25. April 1949 im schicken Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine, seine Familie ist jüdisch-marokkanischer Herkunft. Zunächst als Jurist und Wirtschaftswissenschaftler tätig, wird der passionierte Schachspieler 1986 zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Elf Jahre später ernennt ihn Präsident Jacques Chirac zum Finanzminister. International wird Strauss-Kahn für die Vorbereitungen auf die Einführung des Euro in Frankreich großes Lob zuteil.

2004 zieht Strauss-Kahn wieder in die Chef-Etage der französischen Sozialisten ein. Drei Jahre später geht er gegen Segolene Royal ins Rennen um eine Präsidentschaftskandidatur - und verliert. Stattdessen wird Strauss-Kahn am 28. September 2007 Nachfolger des scheidenden IWF-Direktors Rodrigo de Rato - auf Wunsch des frisch ins Amt gehobenen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Hoffnungsträger für 2012
Bis zuletzt galt Strauss-Kahn als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Sarkozys. Erst am Samstag bescheinigte das Meinungsforschungsinstitut Ifop dem Sozialisten wieder einen satten Vorsprung vor der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen und dem konservativen Amtsinhaber. Tags darauf fand sich der linke Hoffnungsträger für 2012 in einer New Yorker Arrestzelle wieder. Seitdem haben auch die Verschwörungstheoretiker wieder Hochsaison . Nicolas Sarkozy hingegen lacht sich heimlich ins Fäustchen: Ein Konkurrent weniger.

Dass Strauss-Kahn kandidieren würde, war unter seinen Anhängern immer klar. Die Frage war nur noch, wann er seine Kandidatur bekanntgeben würde. Diese Frage dürfte sich nun erledigt haben. Der wohl mächtigste Finanzboss der Welt stolperte in einer New Yorker Luxus-Suite über seine eigene Geilheit - auf ein Stubenmädchen.

(jt/apa)

Kommentare

Notgeil ? Wenn das Hirn erstmal in die untere Körperhälfte rutscht dann ist es mit somancher Karriere schon vorbei gewesen. Oder aber solchen Typen ist die Machts bereits so zu Kopf gestiegen dass sie sich über alle Gesetze und Regeln hinwegsetzen (siehe auch Berlusconi). Und das ist noch gefährlicher.

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Es könnte ja auch eine bedauerliche Verwechslung sein Vielleicht hat er für 13:00 ein Callgirl bestellt. Als das Zimmermädchen rein kam, dachter er, dies sei das Callgirl.

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Re: Es könnte ja auch eine bedauerliche Verwechslung sein vl. hat er das callgirl ja sogar im zimmermädchen-look geordert :D

Weltwirtschaftskrise? Und da spricht man immer von einer Weltwirtschaftskrise.

Stimmt: Aber nur für uns kleinen Bürger.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
http://jachwe.wordpress.com

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