Kaum jemand zweifelt noch an 23. Titel für Austria: "Für uns ist es jetzt eins vor zwölf"

Nur noch 2 Runden: 4 Punkte Vorsprung auf Bullen Veilchen rechnen Samstag vs. Tirol mit vollem Haus

Eine Version aus Karton haben die Spieler der Wiener Austria bereits am Sonntag von ihren Fans in Graz überreicht bekommen, den Gewinn des echten Meistertellers können die Violetten aber erst am Samstag im Heimspiel gegen Wacker Tirol fixieren. In Wien-Favoriten ist man trotz aller Vorsicht bereits in freudiger Erwartung. "Das war ein großer Schritt vorwärts, für uns ist es jetzt eins vor zwölf", meinte Trainer Frenkie Schinkels nach dem 3:1-Auswärtssieg gegen Sturm Graz, durch den man zwei Runden vor Schluss vier Punkte Vorsprung auf Salzburg hat.

Sollten die Austrianer ihren 23. Meistertitel (zuletzt 2003) einfahren, dann wird Schinkels seine Truppe auf eine Spritztour mit seinem Wohnwagen einladen. "Denn ein Holländer ohne Wohnwagen ist wie ein Österreicher, der nicht Skifahren kann", scherzte Schinkels, der sich bei Wacker für die Leistung beim 3:2 gegen die Salzburger bedankte. "Kompliment und danke an Tirol, aber das sollte gleichzeitig eine Warnung für uns sein", so der 43-Jährige über den Samstag-Gegner.

Am Samstag volles Haus erwartet
Für die programmierte Meisterparty gegen Wacker erwartet die Austria ein volles Haus, also knapp 12.000 Zuschauer. Die Bundesliga wird aller Voraussicht nach den begehrten Meisterteller mit ins Horr-Stadion bringen. Das Match der 35. Runde ist übrigens ein "Toto-Fan-Spiel", gegen Vorweis einer Toto-Quittung bekommt man eine Eintrittskarte gratis. Allerdings nur so lange der Vorrat reicht, 600 Tickets stehen für diese Aktion zur Verfügung.

Aus Salzburg gab es bereits am Sonntagabend die ersten Gratulationen Richtung Wien. "Der Kuchen ist gegessen, man kann der Austria schon gratulieren. Sie waren über die gesamte Saison gesehen konstanter und sind verdient Meister", meinte Salzburgs Shooting-Star Marc Janko. Und auch Trainer Kurt Jara hatte nach dem 2:3 seiner Mannen am Samstag in Tirol erklärt: "Wenn die Austria das Spiel gegen Sturm gewinnt, dann sind sie Meister."

Die Matchwinner der Austria waren die Torschützen Roland Linz (2) und Libor Sionko. Der Tscheche gehört seit einigen Wochen wieder zum Stammpersonal und strotzt seitdem vor Selbstvertrauen und Spielfreude. Dennoch wird der Vielleicht-WM-Teilnehmer Österreich mit Saisonende so gut wie sicher verlassen, denn die Vertragsverhandlungen in Wien sind bereits gescheitert. "Es ist noch nichts fix, ich habe mehrere Angebote", so Sionko, an dem u.a. die Glasgow Rangers dran sein sollen.

Linz neuer Führender der Torschützenliste
Und Linz, der nach seinem Doppelpack die Torschützenliste anführt, bestach durch seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. "Der Strafraum ist sein Wohnzimmer, er ist nicht umsonst einer der besten österreichischen Stürmer", lobte Schinkels seinen Goalgetter.

Tormann Joey Didulica war nicht einmal eine Woche nach seiner Verurteilung vor Gericht die Verunsicherung in der Anfangsphase deutlich anzusehen. Umso erleichterter wirkte der Kroate nach Schlusspfiff. "Das war eine sehr schwierige Woche für mich. Ich bin ein Fußballer und kein Krimineller. Ich danke Gott, dass das alles vorbei ist und wir gewonnen haben. Der Titel ist jetzt nur noch ein Stück entfernt."

Kartnig: "Frank Stronach wird uns helfen"
Die Sturm-Fans machten ihrem Ärger über die schlechte wirtschaftliche Lage ihres Klubs u.a. mit einem Plakat gegen Boss Hannes Kartnig Luft. Doch Kartnig, der im Falle der Unterstützung durch Frank Stronach einmal mehr "von Hilfe und keinem Sponsoring" sprach, beruhigte: "Frank Stronach wird uns helfen, er hat sein Statement abgegeben und hat seine Gründe dafür. Die Gelder sind gesichert. Durch Firmen und meine Wenigkeit. Wenn ich das sage, dann stimmt das."

Stellvertretend für alle Spieler meinte Kapitän Klaus Salmutter zum Lizenztheater: "Ich muss sagen, in diesem Fall ist Unwissen ein Segen für mich. Es hat keinen Sinn, dass ich mich damit beschäftige, denn ich kann es ohnehin nicht beeinflussen."

Sturms Mittelfeldmann Christoph Leitgeb könnte kommende Saison bei der Austria kicken, Schinkels bekräftigte am Sonntag sein Interesse am 21-Jährigen und hofft auf die Kooperation zwischen Stronach und Kartnig. "Man hat heute wieder gesehen, dass er ein Topspieler und ein Riesentalent ist."
(apa/red)