Kauft Magna DaimlerChrysler? Stronach-
Konzern sondiert bereits für Übernahme

Autozulieferer will angeblich eigene Autos bauen

Kauft Magna DaimlerChrysler? Stronach-
Konzern sondiert bereits für Übernahme

Kanadas größter Autoteile-Hersteller Magna will bald eigene Autos bauen. Jedenfalls signalisiert der Zulieferer nachhaltiges Interesse an der Übernahme der verlustreichen US-Tochter des deutschen Automobilkonzerns DaimlerChrysler. Vertreter der Magna International Inc. wollen die Zentrale der Chrysler Corporation in Auburn Hills (Michigan) besuchen, um Auskünfte über die Geschäftsstrategie des strauchelnden US-Autobauers einzuholen. Die Finanzinvestoren Blackstone, Cerberus und Ripplewood sowie der US-Autobauer General Motors wurden auch bereits als Interessenten genannt.

Wie die Börsenzeitung "The Wall Street Journal" berichtet, soll der Magna-Besuch bei Chrysler "sehr bald" stattfinden. Das Blatt beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Autozulieferer, der Chrysler zu seinen wichtigsten Kunden zählt, hat Brancheninformationen zufolge Ambitionen, Autos komplett in Eigenregie herzustellen. Magnas österreichische Tochtergesellschaft Magna Steyr produziert bereits für BMW, DaimlerChrysler und General Motors (GM).

Magna erzeugt - beispielsweise in Graz - selbst Autos, bisher aber nur im Auftrag von Originalherstellern (OEM). Die so genannte Vorwärtsintegration ist von Magna bisher aber mit Hinweis auf Geschäftsmodell und Kunden abgelehnt worden. Das Hauptargument in diesem Zusammenhang: Wenn Magna mit einer eigenen Marke produzierte, würde man den angestammten Abnehmern in deren (Endkunden-)Markt Konkurrenz machen.

Prüfung der Bücher
Wie berichtet prüft Magna aber angeblich bereits intensiv die Bücher der defizitären Chrysler. Zudem habe es laut US-Analyst Brett Hoselton von KeyBank Capital bereits ein Treffen von Magna-Managern und der US-Autobauergewerkschaft UAW gegeben. Magna habe auch alle Chrysler-Werke besucht, schrieb der Analyst unter Berufung auf mit der Situation vertraute Kreise in einer Mitteilung an die Investmentkunden.

Der Analyst bewertet eine Übernahme von Chrysler durch Magna als "risikoreich". Er rechne mit dem Widerstand der Investoren beider Konzerne. "Das Resultat eines solchen Zusammenschlusses ist ein margenschwaches Unternehmen", so der Analyst.

Bisher wollte Magna im Gespräch mit Investoren zu Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Chrysler keine Stellung nehmen. Man sei nicht zur Fremdfinanzierung einer Übernahme bereit, sagte Magnas Finanzdirektor Vince Galifi. "Wenn wir etwas kaufen, wollen wir in bar dafür bezahlen," sagte er.

Am 14. Februar hatte DaimlerChrysler Chef Dieter Zetsche bekannt gegeben, das Unternehmen prüfe alle Optionen. Auch ein Verkauf der US-Dependance werde erwogen. Nach Zetsches Ankündigung wurden bereits die beiden Finanzinvestoren Blackstone Group und Cerberus Capital Management LP am Chrysler-Firmensitz vorstellig. Auch der US-Beteiligungsgesellschaft Ripplewood und dem größten amerikanische Autobauer GM wird Interesse an Chrysler nachgesagt. GM-Chef Rick Wagoner hat derlei Ambitionen jedoch laut Tageszeitung "Financial Times Deutschland" am Donnerstag dementiert. GM denke nicht über eine Ausweitung der Produktionskapazitäten nach.

Chrysler-Verkauf keineswegs sicher
Der Chrysler-Verkauf ist keineswegs sicher. Auf dem Genfer Autosalon sagte Zetsche diese Woche, die Sanierung brauche Zeit. Und in Detroit sagte der Präsident der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaften Ron Gettelfinger, er werde alles daran setzen, damit Chrysler bei DaimlerChrysler bleibt.

Die Gewerkschaft hat sich bisher geweigert, dem verlustreichen Autobauer Chrysler dieselben Zugeständnisse zu machen, die GM und Ford mit ihr ausgehandelt haben. Dies war mit ein Grund für Zetsches Erklärung, alle Optionen seien offen. Gettelfingers jüngste Aussagen lassen Kompromissbereitschaft erkennen.

(apa/red)