Katharina Straßer im intimen Interview:
"Baby Doll ist kindlich und extrem sexy"

Über ihre heiße Rolle im Williams-Stück "Baby Doll" "Es fällt mir schwer auf der Bühne sexy zu sein"

Bald feiert Katharina Straßer in der deutssprachigen Erstaufführung des Tennessee-Williams-Stück „Baby Doll“ Premiere im Wiener Volkstheater. Im Interview plaudert sie offen über ihre Rolle, und wie viel von ihr drinnen steckt.

NEWS : Katharina Straßer, Sie feiern am Freitag mit dem Tennessee-Williams-Stück „Baby Doll“ Premiere. Die Figur der „Baby Doll“ ist eine sexy Südstaaten-Göre. Wieviel „Baby Doll“ steckt in Katharina Straßer?
Straßer : Viel. Ich versuche mich bei meinen Rollen nicht total zu verstellen und lege viel von meiner eigenen Persönlichkeit hinein. Wenn ich eine neue Rolle einstudiere suche ich zuerst nach Wesenszügen, die in mir sind und versuche diese dann nach außen zu kehren. „Baby Doll“ ist kindlich verspielt, sie verkleidet sich dauernd uns braucht den großen Auftritt. Das kenne ich auch von mir...

NEWS : Haben Sie bisher unbekannte Seiten Ihres Charakters entdeckt?
Straßer : Das passiert mir öfter. Gerade Proben sind etwas sehr intimes. Da kann es vorkommen, dass man Dinge über sich selbst erfährt, die einem vorher nicht bewusst waren. Ich liebe es viel über mich zu lernen. Jede neue Produktion, jede neue Rolle bereichert mein Wesen.

NEWS : Was haben Sie bei der aktuellen Produktion für sich entdeckt?
Straßer : Das Spielen mit Männern. Sich naiv geben, unschuldig, um das als Mittel zu nutzen seine Ziele zu erreichen. „Baby Doll“ ist kindlich und durch ihre Körperlichkeit doch extrem sexy...

NEWS : Ein spezieller Südstaatentypus...
Straßer : Ja, ähnlich wie Britney Spears oder Jessica Simpson, Frauen die paradoxerweise behaupten, sie seien Jungfrauen und gleichzeitig Videos drehen, wo sie sich halbnackt an Stangen räkeln. Mädchen, die nackt herumlaufen, das Zuschauen gestatten aber den Sex verwehren.

NEWS : Typisch Amerikanisch?
Straßer : Bei uns gibt es das in dieser Extremität gar nicht. Ich weiß schon, warum diese Frauen das machen, denn sie haben alle Freiheiten ohne dabei ihre Integrität zu verlieren. Sexuell gehen die an die äußersten Grenzen, außer...

NEWS : No penetration...
Straßer : Genau. Aber sonst machen sie alles. Heavy Petting und Oralsex gelten bei vielen amerikanischen Jugendlichen nicht als sexuelle Handlungen. Deswegen wurde Bill Clinton auch freigesprochen, weil er hat sich ja nur einen blasen lassen. Das ist doch total absurd. Eine Scheinwelt.

NEWS : Wobei entsprechen Sie überhaupt nicht der Figur „Baby Doll“?
Straßer : Sie ist lethargisch, faul, lässt sich treiben. Sie macht nichts aus ihrem Leben. So bin ich überhaupt nicht veranlagt. Mit 19 Jahren stand ich schon voll im Berufsleben und ich werden mich sicher niemals in die Abhängigkeit eines Mannes begeben.

NEWS : Sie haben für Ihr Alter eine beachtliche Karriere hingelegt. Machen Sie sich selbst Druck immer noch eins d’raufzusetzen?
Straßer : Ja, absolut. Ich mach mir selbst am allermeisten Druck, um mich selbst immer wieder aufs Neue zu übertreffen. Das mache ich nicht für die anderen, sondern für mich. Ich möchte mich selbst immer wieder überraschen und meine Grenzen ausloten, sie sprengen und Neues erleben. Der Druck steigert sich natürlich, denn je mehr man geleistet hat, desto größer ist die Erwartungshaltung. Ich möchte nicht, dass die Leute plötzlich sagen: „Aber diesmal war sie nicht so gut.“

NEWS : Angst davor, dass Ihr Typ plötzlich nicht mehr gefragt ist?
Straßer : Jeder Beruf birgt die Gefahr, dass man nicht mehr gebraucht wird. Aber natürlich, gerade dadurch, dass es jetzt so gut läuft, stelle ich mir die auch die Frage, wann kommt die Zeit und der Tag, an dem ich auf die Fresse falle. Und er wird kommen. Je lieber ich diesen Job habe und je mehr er mir ans Herz wächst, desto größer wird die Angst, dass ich ihn verliere. Dass er mir genommen wird. Diese Angst ist jedoch eine grundsätzliche und keine Frage des Typs.

NEWS : Besteht nicht die Gefahr, in der öffentlichen Wahrnehmung auf ewig als die sexy Blondine kategorisiert zu werden?
Straßer : Ich denke, dass ich sehr wandlungsfähig bin und von meinem Naturell her bin ich überhaupt nicht sexy. Es fällt mir auf der Bühne irrsinnig schwer gezielt sexy zu sein. Darin bin ich echt schlecht. Privat trage ich zum Beispiel keinen Minirock, keine Hotpans, keine tief ausgeschnittenen Kleider. Ich bewundere Frauen, die das tun und die Aufmerksamkeit der Männer genießen können. Ich beobachte immer auf der Straße, wie die Männer sexy gekleidete Frauen angaffen. Mir persönlich ist das zuwider und peinlich. Ich halte das nicht aus und kann damit mich umgehen.

NEWS : Das nimmt man einer Blondine nicht leicht ab...
Straßer : Ich bin nicht absichtlich eine Blondine. Es passt mir halt. Jeder, der mich kennt weiß ohnehin, dass ich ein halber Bub bin. Wenn man mich vielleicht das erste Mal sieht, denkt man sich, ich bin eine Tussi. Vielleicht bin ich auch eine Tussi, aber eine mit der man Pferde stehlen kann.

Interview: Alfred Strauch