Katharina Lorenz und Sarah Viktoria Frick:
Ausnahmeschauspielerin und Theatergenie

2 junge Burgschauspielerinnen im NEWS-Porträt

Katharina Lorenz und Sarah Viktoria Frick:
Ausnahmeschauspielerin und Theatergenie © Bild: NEWS/Vukovits

Verfügten die beiden über die berufsobligate Grundausstattung – stahlverstärkte Ellenbogen mit ausfahrbarem vergiftetem Dorn –, es hätte in diesen Wochen nicht besser laufen können für die Burgschauspielerinnen Katharina Lorenz, 31, und Sarah Viktoria Frick, 27.

Drei Tage nach Matthias Hartmanns Amtsantritt hatten die beiden je eine Premiere hinter sich und waren von den Garstigkeiten, die den Einstand einer neuen Burgtheaterdirektion zu begleiten pflegen, glanzvoll ausgenommen. Und zwar national wie international: Mit Andacht hieb das Feuilleton auf die „Faust“- Inszenierung des Direktors, vor allem auf Titeldarsteller Tobias Moretti, ein. Nicht minder freudvoll wurde Dea Lohers „Adam Geist“ als Kindertheater und Sozialkitsch gegeißelt. Doch Katharina Lorenz, das fabulöse Gretchen, darf sich nun als „großartig und funkelnd“ („Süddeutsche“), „ein Ereignis“ („Kurier“), „hinreißend“ („Presse“) betrachten. Und Hausdebütantin Sarah Viktoria Frick, die im Loher-Vorkommnis mit rückstandsloser Verwandlungskunst einen sozial deformierten Volksschüler, einen Skinhead und eine wie aus Luft geformte, atemberaubende Engelsgestalt verkörpert, kann mit vergleichbaren Titulaturen erwidern: „Eine ganz große Schauspielernummer“ („Süddeutsche“) sei sie, „das Ereignis des Abends“ („Presse“), nochmals „hinreißend“ („Neue Zürcher“).

Hartmanns Trumpf
Klar, dass der Direktor auf Anfrage literarisch wird: „In meinem persönlichen wie in meinem künstlerischen Leben bin ich von Frauen abhängig. Mit Sarah Viktoria Frick hat Wien wieder ein junges Theatergenie. Das, was man hier liebt, eine Vollblutbegabung, die den Sprung von einem kleinen Theater im Ruhrgebiet zur größten Sprechbühne der Welt im Tanzschritt erledigt. Mit Katharina Lorenz haben wir eine Ausnahmeschauspielerin, die es wie keine andere schafft, sinnlich und romantisch zu sein und gleichzeitig eine hochmoderne junge Frau zu spielen, die ihren eigenen Kopf hat.“ Hartmanns nicht branchenselbstverständliches Gespür für bemerkenswerte Damen hat also die erfreulichsten Auswirkungen gezeitigt. Und doch ist die Irritation bei beiden nicht gering. Ganz ungewohnt ist das Über-die-Bande-Vernichten, das dem neuen Direktor schaden will, ohne es sich mit ihm zu verderben, und sich lieber gegen den populären Moretti richtet. Freilich ist Katharina Lorenz „glücklich, wie erlöst“. Aber: „Die Leute kommen zu mir und gratulieren, und ich kann mich gar nicht richtig freuen. Am Burgtheater zu spielen, „das ist wie bei einem feinen Essen. Man hat ein wenig Angst, dass man die Ellbogen auf den Tisch stützen oder etwas auf den Boden fallen lassen könnte. Ich schätze es sehr und finde es toll. Aber wenn das Theater hier heilig ist, dann ist es auch in Essen heilig.“ Die Proben für die zweite Wiener Produktion haben schon begonnen, „Eine Familie“ in der Regie des gefeierten Letten Alvis Hermanis. Katharina Lorenz verbleibt in der Königsklasse, sie wird Jan Bosses Desdemona neben Joachim Meyerhoff als Othello. „Ich habe jetzt meine eigene Wohnung und beginne mir die Stadt langsam zu erobern, finde meine eigenen Plätze und Orte“, beschreibt sie ein provisorisches Heimatgefühl. „Das ist schön. Gestern hab ich gleich um die Ecke von meiner Wohnung ein kleines japanisches Restaurant entdeckt – ohne Empfehlung! Ich hab mich noch nie irgendwo richtig zuhause gefühlt, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier schnell wieder weg muss.“ Damit wird es ohnehin nichts, denn die Umschlingungskräfte der Stadt arbeiten schon mit Macht. Vor kurzem, so erzählt sie, sei sie zum Prominentendiner in die Albertina eingeladen worden, mit Sitzkärtchen und Platz neben einem bestimmt wichtigen Unbekannten. „Es geht hier alles schneller als anderswo, man ist enger vernetzt. Interessant, aber doch eine fremde Welt.“ „Mich lädt niemand ein“, atmet Sarah Viktoria Frick auf. „Was müsste man denn da anziehen?“ Das Problem wird sich alsbald stellen.

(Heinz Sichrovsky)

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