Kartnig-Prozess in Graz fortgesetzt:
Wieder Zwisitgkeiten um Protokollierung

Steuerberater zu Haftung der Stadt Graz befragt 2006: Keine Bank für 1,2-Millionen-Kredit gefunden

Kartnig-Prozess in Graz fortgesetzt:
Wieder Zwisitgkeiten um Protokollierung © Bild: GEPA/Reichart

Am Grazer Straflandesgericht ist der Prozess gegen Hannes Kartnig und seine sieben Mitbeschuldigten aus dem Umfeld des Bundesligisten Sturm Graz fortgesetzt worden. Dem ehemaligen Präsidenten des Clubs wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie das Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Am elften Verhandlungstag war ein Steuerberater als Zeuge am Wort.

Im Mittelpunkt der Befragung stand jene Ausfallhaftung, die das Land Steiermark 2006 für den Verein beschlossen hatte. Es ging dabei um 1,2 Millionen Euro für einen Kredit, den der SK Sturm Graz bei einer Bank aufnehmen wollte. Das Land hatte zuvor einen Steuerberater beauftragt, die Finanzen des Vereins zu prüfen. Dieser gab als Zeuge nun an, es habe sich um "keine vertiefte Wirtschaftsprüfung" gehandelt. Wegen des "negativen Eigenkapitals" musste seitens des Clubs eine "positive Fortbestandsprognose" erstellt werden.

Nur wenige Tage nach dem Regierungsbeschluss erfolgte die Hausdurchsuchung bei Sturm. Daraufhin wurde die Ausfallhaftung ein zweites Mal von der Regierung beschlossen, diesmal aber mit Zusätzen. Doch unterschrieben wurde dieses Schriftstück nie, da keine Bank dem Verein einen Kredit geben wollte und somit die Ausfallhaftung hinfällig war.

Antrag auf Schriftführerin
Einen Teil der Zeit nahm auch an diesem Verhandlungstag wieder der Streit um die Protokollierung ein. Kartnig-Anwalt Richard Soyer beantragte eine Schriftführerin, da seiner Meinung nach Richter Karl Buchgraber nicht gleichzeitig das Protokoll diktieren und aufmerksam der Verhandlung folgen könne. Der Richter stimmte nach längerem Zögern zu, allerdings war erst für den nächsten Tag eine Schreibkraft verfügbar. Daraufhin Antrag auf Vertagung, Rüge der richterlichen Entscheidung und Verstimmtheit bei allen Beteiligten, also alles wie gehabt.

Der Richter zeigte sich dann bei der Protokollierung eher genervt und unterbrach den Zeugen immer wieder, weil er seiner Meinung nach keine vollständigen Sätze formulierte. "Sagen Sie's ohne Satz", lautete schließlich der Rat des Richters an den bereits etwas verwirrt wirkenden Zeugen. "Der Zeuge ist offenkundig gestresst, weil er ständig unterbrochen wird", warf daraufhin Soyer ein.

(apa/red)