X-Wagen von

Wiens erste fahrerlose U-Bahn

Neue Wiener U-Bahn-Züge, X-Wagen © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Schon seit Anfang 2019 werden die neuen Züge von Wiens erster fahrerlosen U-Bahn produziert. Nun haben die Wiener Linien den Fertigungsfortschritt der vollautomatisierten U-Bahn-Züge präsentiert.

Zum Einsatz sollen die neuen Garnituren bereits 2022 kommen, allerdings noch nicht vollautomatisch. Erst mit Fertigstellung der Linie U5 ab 2025 sollen dann auch die ersten fahrerlosen U-Bahn-Züge unterwegs sein. Der sogenannte "X-Wagen" wird von Siemens produziert und ist zusätzlich mit einem Fahrerstand ausgestattet. Dadurch kann er auf den anderen Linien - mit Ausnahme der U6 - ebenfalls eingesetzt werden, wie die Wiener Linien in einer Aussendung mitteilen. Laut Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer dauert es aber noch mindestens ein Jahr, bis der erste Zug überhaupt ausgeliefert wird. Bis dahin wird noch das gesamte Innenleben - also von der Elektrotechnik über die Bildschirme für die Fahrgastinfo bis zu Türen, Fensterscheiben und Bestuhlung - eingebaut. "Dann müssen Test- und Bewilligungsfahrten und Bremstests absolviert werden", bis schließlich die Behörde grünes Licht für den Passagierbetrieb gibt, wie Steinbauer mitteilte.

Fahrerlos ab 2025

Gänzlich ohne Fahrer werden die neuen Züge dann erst ab 2025 unterwegs sein, wenn die erste Ausbaustufe der U5 (Karlsplatz bis Frankhplatz) fertig ist. Jene Wiener, die beim Gedanken an eine völlig chauffeurlose Garnitur ein mulmiges Gefühl haben, beruhigte Steinbauer heute: "Die U-Bahn ist das erste Verkehrsmittel weltweit, bei dem der vollautomatische Betrieb voll funktioniert. Das ist kein technisches Neuland mehr", verwies er auf zahlreiche andere Städte wie Paris oder Barcelona, wo die selbstfahrende Metro seit Jahren eingesetzt wird: "Beim Pkw wird das noch ein bisschen dauern."

Neue Wiener U-Bahn-Züge, X-Wagen
© APA/ROLAND SCHLAGER

34 X-Wagen-Modelle mit einer Kapazität von je 928 Fahrgästen haben die Wiener Linien 2017 bei Siemens bestellt, die im Werk in Simmering gebaut und bis 2030 ausgeliefert werden. Dazu gibt es die Option auf elf weitere Züge. Im 550 Mio. Euro schweren Auftrag ist auch ein 24-jähriger Wartungsvertrag inkludiert.

Züge sollen umweltfreundlicher und langlebiger sein

Albrecht Neumann, Leiter der Schienenfahrzeug-Sparte bei Siemens, ging auf ein paar technische Finessen des "relativ aufwendigen Fahrzeugs" ein. So legt man bei Siemens großen Wert auf Leichtbauweise, denn "jede Tonne muss ständig beschleunigt und abgebremst werden". Außerdem ermöglicht ständige Datenübertragung der Züge an die Zentrale eine "vorausschauende Wartung", bei der das System bei auftretenden Mängeln selbstständig Alarm schlägt und dadurch routinemäßige und oft unnötige Checks eingespart werden können. Für die Fahrgäste interessant: Die Sitze im X-Wagen werden nicht mehr als Plastik, sondern aus Holz gefertigt. "Die sind umweltfreundlicher, langlebiger und leichter zu reinigen", versicherte Neumann.

Anders als Konkurrent Bombardier, der die neuen Flexity-Straßenbahnen baut und durch Probleme mit Zulieferern die vereinbarte Liefermenge dieses Jahr nicht erfüllen kann, gebe es bei den U-Bahnen keine diesbezüglichen Schwierigkeiten, versicherte Siemens-Spartenchef Neumann gegenüber der APA: "Es ist alles auf Schiene."

Neue Wiener U-Bahn-Züge, X-Wagen
© APA/ROLAND SCHLAGER

Öffi-Stadträtin Ulli Sima bezeichnete das U2/U5-Linienkreuz heute als "eines der größten Klimaschutzprojekte der Stadt". Allerdings ist dieses bisher nur in der ersten Ausbaustufe - also für die U2-Verlängerung bis Matzleinsdorfer Platz und die U5 bis Frankhplatz - finanziert. Für die zweite Etappe bis zum Wienerberg (U2) bzw. zum Elterleinplatz (U5) ist die Einigung auf eine schon traditionelle Kostenteilung zwischen Stadt und Bund noch ausständig. Gefragt nach dem Stand der Dinge, sagte Sima: "Ehrlich gesagt laufen die Gespräche derzeit gar nicht." Schon unter Türkis-Blau sei die Bereitschaft für eine 50:50-Finanzierung "überschaubar" gewesen.

Sie hoffe aber, dass man mit der künftigen Regierung schnell Nägel mit Köpfen machen könne, denn schließlich gelte es in Österreich Klimaschutzziele zu erfüllen. "Ich erwarte mir, dass es bald Zusagen gibt und dieses Herumgeeiere rund um die zweite Ausbaustufe ein Ende hat", so die Ressortchefin. Laut Wiener-Linien-Geschäftsführer Steinbauer sollte es im kommenden Jahr zu einem Deal kommen, um die entsprechenden Zeitpläne einhalten zu können.

Baustart für U2-Erweiterung und U5 im nächsten Jahr

Ausständig in Sachen U2/U5 sind außerdem noch die Auftragsvergaben für große Teile der Arbeiten. Die Wiener Linien haben die entsprechenden Ausschreibungspakete im vergangenen Jahr gestoppt bzw. neu aufgesetzt, da in der ersten Runde von den Firmen nicht akzeptable Angebote gelegt worden seien, wie es damals hieß. Die endgültigen Vergaben sollen nun im Frühjahr 2020 erfolgen, wie Steinbauer sagte.

Der Baustart ist ebenfalls für kommendes Jahr geplant. Derzeit würden die "Erstangebote" geprüft. Ob sie besser ausgefallen seien als beim ersten Durchlauf, könne man noch nicht beurteilen, denn "zahlenmäßige Angebote haben wir noch nicht am Tisch, sondern nur Bewerbungen", erklärte der Geschäftsführer. Geht alles nach Plan, soll es bei der Inbetriebnahme der ersten Teilstücke der U2 bzw. U5 in den Jahren 2027 bzw. 2025 bleiben. Das ist ein Jahr später als geplant. Steinbauer hatte die Verzögerung bereits im Vorjahr im Zusammenhang mit den Ausschreibungsproblemen angekündigt.

Kommentare