Karl-Heinz Grasser von

Die irren Deals des KHG

Russische Millionenschulden, ein afrikanischer Despot, ein erfolgloser Hypo-Deal.

Karl-Heinz Grasser - Die irren Deals des KHG © Bild: APA/Schlager

Swasiland. Im zweitkleinsten Land Afrikas, das zwischen Südafrika und Mosambik liegt, herrscht König Mswati III., 43, mit absoluter Gewalt über sein geknechtetes Volk. Das Attribut „Bananenrepublik“ wäre für die Mickymaus-Monarchie eine beschönigende Bezeichnung: Die Polizei setzt exzessive Gewalt ein, Folter steht an der Tagesordnung, Schulpflicht existiert keine, es gibt über 100.000 Aids-Waisen, mehr als zwei Drittel der Bevölkerung darben unter der Armutsgrenze, haben weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung.

„König“ Mswati III. wiederum pflegt einen opulenten Luxus-Lifestyle, den sich andere afrikanische Despoten nicht einmal erträumen können. Der Mann ist mit 13 Frauen verheiratet, einmal im Jahr tanzen bis zu 20.000 barbusige Jungfrauen vor ihm – aus denen er mitunter neue Gattinnen auswählt. Er lässt sich standesgemäß in Mercedes- und Maybach-Limousinen kutschieren. Mit über 200 Millionen Euro Privatvermögen gehört er zu den 15 reichsten Monarchen der Welt. Im Jahr 2009 machten fünf seiner Angetrauten internationale Schlagzeilen, weil sie bei einem kollektiven Kaufrausch schlappe sechs Millionen Dollar auf den Kopf hauten.

Nun findet sich der Name des obskuren Königs erstaunlicherweise in den Ermittlungsakten zum Buwog-Skandal wieder, wie NEWS ein Insider berichtet. Das Bindeglied zwischen Swasiland und Österreich heißt Karl-Heinz Grasser. Demnach war Grasser im Herbst 2010 offenbar in die Vorbereitung einer Präsentation für Mswati III. involviert. Diese Vorbereitung soll dabei über den Gründer der Firma C-Quadrat, Alexander Schütz, gelaufen sein. Grasser war bei dem Unternehmen von Mai 2007 bis Ende September 2010 Aufsichtsratsvorsitzender.

Es ist nur eines der seltsamen Geschäfte des Ex-Finanzministers, der nach seinem Ausscheiden aus der Politik eigentlich Investmentbanker in London werden wollte. Ein Plan, der bekanntermaßen schiefging – und Grasser offenbar dazu brachte, seine Fähigkeiten für skurrilere Deals einzusetzen. Auch abseits afrikanischer Despoten finden sich in den Akten zahlreiche hinterfragenswerte Aktivitäten Grassers. Die Palette reicht von Deals mit russischen Schuldenbergen über die Hypo Alpe Adria bis hin zum Kauf von Grassers Wörthersee-Villa.

Russland und die Karibik
Nach NEWS-Recherchen stießen die Ermittler etwa auf einen Vertrag zwischen Grassers Wiener Firma Valuecreation GmbH und der Briefkastenfirma Livina Holding Limited, die ihren Sitz auf der Insel Tortola auf den British Virgin Islands hat. Es geht dabei um die Einbringung von russischen Schulden in der Höhe von über 100 Millionen US-Dollar. Laut dem Vertrag soll Grassers Valuecreation von der Livina die Abwicklung von Zahlungsrückständen der russischen Firma Prodintorg übernommen haben, die dem Mailänder Nahrungsmittelriesen Progetto Grano S.p.A. 99.509.488,32 Dollar schuldet.

Hintergrund: Grasser Ex-Arbeitgeber, die Meinl Bank, hatte sich auf das Eintreiben von Zahlungsrückständen exsowjetischer Firmen spezialisiert – für die im besten Fall der russische Staat geradestehen muss. Prodintorg ist so eine exsowjetische Firma. Grasser wiederum brachte laut Insidern seine Kontakte zu Progetto Grano ein, die dem italienischen Großindustriellen Cavaliere Benito Benedini gehört. Im Duo mit der Meinl Bank – und auf dem Umweg über die Karibik – sollte Grasser also offenbar die Schuldeneintreibung begleiten.

Eine Ahnung davon, wie lukrativ das sein kann, gibt eine Vertragsänderung: Darin ersucht Grassers Valuecreation die Livina, den Zahlungsrückstand um rund fünf Millionen Dollar zu erhöhen – auf 104.218.886,10 US-Dollar. Um diesen Betrag wird derzeit in Moskau vor Gericht gerungen. Das Ziel: Der russische Staat soll für die Schulden einspringen, die russische Vneshekonombank, ehemals Außenhandelsbank der UdSSR, soll die Geldmittel in Eurobonds der russischen Föderation und in Bargeld umwandeln. Aufsichtsratsvorsitzender der heute staatlichen Vneshekonombank ist übrigens Wladimir Putin.

Zwischen Grassers Valuecreation und der Livina soll vereinbart worden sein, dass die Kosten und das Risiko des Geldtransfers bei der Livina liegen sollen. Bei erfolgreicher Transaktion solle die Livina dafür auch einen Betrag von 400.000 US-Dollar einbehalten dürfen. Wie hoch das Honorar für Karl-Heinz Grassers Valuecreation im Erfolgsfall wäre, ist hingegen nicht bekannt.

Hypo-Schloss am Wörthersee
Ein anderes Geschäft führte Karl-Heinz Grasser in seine Heimat Kärnten: Nach NEWS-Recherchen wurde aktenkundig, dass sich Grasser massiv (aber vergeblich) beim Weiterverkauf des Schlosshotels Velden engagiert hatte. Das Schlosshotel ist eine „Altlast“ der Hypo Alpe Adria Bank, die nach der Fast-Pleite von der Republik Österreich gerettet und verstaatlicht wurde. Das Hypo-Desaster kostet die heimischen Steuerzahler Milliarden, bis heute sind rund zehn Milliarden Euro an vergebenen Hypo-Krediten „notleidend“. Selbst die bayerischen Steuerzahler hat das Hypo-Debakel vorerst schon rund 3,7 Milliarden Euro gekostet.

Während Otto Normalverbraucher ungefragt zur Kasse gebeten wird, verdienten andere Millionen an der Hypo: beispielsweise heimische Geldaristokraten, die beim Hypo-Investor Tilo Berlin Genussscheine kauften.

Grasser ist in Sachen Hypo kein unbeschriebenes Blatt: So wurden etwa 500.000 Euro für einen derartigen Genussschein über die Schweizer Treuhandgesellschaft Ferint AG einbezahlt. Die E-Mail mit dem Zeichnungsschein für dieses lohnende Investment richtete Tilo Berlins Sekretärin allerdings an die Mail-Adresse des Grasser-Trauzeugen Walter Meischberger. Der Text der Mail lautete: „Sehr geehrter Herr Minister, im Auftrag von Herrn Dr. Berlin ubermittle ich Ihnen den Zeichnungsschein samt Genuss-Schein Bedingungen der 1. Tranche.“

Grasser – damals noch Finanzminister – bestritt immer, von dem Hypo-Genussschein profitiert zu haben: Das Geld sei von seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota gekommen. Doch der Staatsanwalt hegt den Verdacht, „dass der Hypo-Genussschein uber 500.000 Euro trotz des angeführten Treuhandverhältnisses zu Marina Giori-Lhota und Irma T. tatsächlich für Mag. Grasser gezeichnet und auch der Gewinn von diesem lukriert wurde“.

In einem diese Woche vom „Falter“ veröffentlichten Polizeibericht heißt es sogar, dass die Behauptung, das Geld stamme von Grassers Schwiegermutter, „widerlegt“ sei und bloß dazu diene, „die wirtschaftliche Berechtigung des Mag. Karl-Heinz Grasser geheim zu halten“. Es bestehe laut „Falter“ sogar der Verdacht, dass es sich bei dem Geld um „Schmiergeld“ handle.

Wie auch immer: Beim anstehenden Verkauf des Schlosshotels der Hypo soll sich Grasser wieder persönlich eingebracht haben. Grasser soll versucht haben, zwischen zwei Bietern für das Hotel zu vermitteln. Und zwar zwischen dem Immobilienentwickler Peter L., der für die Schweizer Hotelgruppe Kempinski aktiv wurde, und der italienischen Serramarina-Gruppe.

Das Ende der Geschichte ist zwischenzeitig bekannt: Weder Kempinski noch die Italiener kamen zum Zug – das Schlosshotel gehört heute dem Billa-Gründer und Immobilien-Tycoon Karl Wlaschek. Immerhin: Grassers Vertraute sollen laut den Ermittlungen bereits frühzeitig von Gerüchten erfahren haben, dass Wlaschek das Schlosshotel von der Hypo kaufen werde.

Der Wahlonkel und die Villa
Vierter dubioser Grasser-Deal in den Akten: der Kauf der Grasser-Villa am Wörthersee. Denn Gegenstand umfangreicher Ermittlungen wurde auch die SMW OG, deren Gesellschafter Grasser und sein „Wahlonkel“ Burkhard Graf sind – und über die die Villa am Wörthersee gekauft wurde.

Der springende Punkt dabei: Woher kam das Geld, und wie funktionierte die Finanzierung? Die, wie es scheint, simple Frage legt ein undurchsichtiges Geflecht von Firmen bloß. Vorweg: Die Silverland-Stiftung (Begünstigter: Grasser) hat die zypriotische Gesellschaft Levesque Holdings übernommen, die ihrerseits die „Gemain Ltd.“ übernahm. Die „Gemain Ltd.“ hat dann Burkhard Graf treuhändig damit beauftragt, gemeinsam mit Grasser die SMW OG zu gründen, damit diese die Liegenschaft in Maria Wörth, also die Grasser-Villa, übernimmt.

Kurzum: Der typisch österreichische Häuslbauer strukturiert seine Finanzierung einfacher – und transparenter.

Den Ermittlern ist dann aufgefallen, dass Grasser gegenüber Graf vor allem eines wichtig gewesen sei: immer klarzustellen, dass das Geld für die SMW OG ausschließlich aus Grassers Erträgen bei der Meinl International Power – und von nirgendwo sonst – stamme.

Wer sollte daran zweifeln?

Außerdem im aktuellen NEWS:

Staatsanwalt verdächtigt Ex-Porr-Boss Pöchhacker Grasser bestochen zu haben

Kommentare

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KHG Nennt mir einen Deal aus der Blau-Scharzen Regierungszeit wo KHG und Co. nicht ihre dreckigen Finger drin hatten.

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Das Verschulden von Schüssel Es gibt keinen Deal, wo die Ihre Finger nicht drinn hatten. Das Schlimme aber ist, dass Altkanzler Schüssel noch immer sagt, er habe n i e etwas von diesen Deals geahnt oder gewusst. Da gibt es nur zwei Antworten drauf: In jedem Betrieb gibt es so etwas wie eine "Dienstaufsicht". Entweder er hat diese Dienstaufsicht vernachlässigt, dann gehört er auch vor Gericht, oder er hat alles gewusst und nur so getan als hätte er n i c h t s gewusst um sein Zugpferd aus Wahlkampfzeiten nicht zu beschädigen und auch dann gehört er mit vor Gericht. Wollen wir wetten, dass er nie vor dem U-Ausschuss aussagen muss, weil dann seine "Ahnungslosigkeit vom Pilz auch ordentlich "zerpflückt" werden würde!

Swasiland Swasiland ist jetzt echt nicht der Renner! Obwohl der Harem, die Nobelkarossen und wahrscheinlich auch eigene Flieger, das wär schon was...? Haider hatte da schon größere Kaliber an der Angel gehabt, Saddam, Gaddaffi ... Aber die gibts ja nicht mehr! In der Not nimmt man eben einen König von Swasiland, klingt wie Silverland! Ist er noch in Österreich oder ist er schon Finanzminister in Swasiland? Mit Swasiland hat Österreich sicher kein Auslieferungsabkommen? Er ürde vom König einen Diplomatenpass bekommen. Dann könnte er ungestört seine "Geschäfte" weiter betreiben. In Österreich kann er sich nur noch in der Gesellschaft von seinesgleichen wie Mensdorff, Gorbach, Hochegger, Meischi .... sehen lassen. In Kitzbühl und Schladming (medial zumindest) hat man ihn nicht gesehen.

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