Kardinal Schönborn beruft Krisengipfel ein:
Auch Vatikan übt Druck in Causa Wagner aus

Designierter Linzer Weihbischof wird zurückgepfiffen Über Wagner wurde ein Interview-Verbot verhängt

Kardinal Schönborn beruft Krisengipfel ein:
Auch Vatikan übt Druck in Causa Wagner aus © Bild: APA/Badzic

Bei Österreichs Bischöfen brennt die Mitra nun offiziell. Nachdem die Berufung des erzkonservativen Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof seit Wochen Staub in der römisch-katholischen Kirche aufgewirbelt hat, beraumte Kardinal Christoph Schönborn kurzfristig eine Sondersitzung der Österreichischen Bischofskonferenz für Montag an. Wagner, der von seinen künftigen Amtskollegen bereits zur Mäßigung und Beendigung seines Konfrontationskurses vergattert worden war, soll dort aber nicht auftauchen.

Thema der Sitzung werde die "derzeitige Situation der Kirche in Österreich", heißt es offiziell. "Die Katholiken haben ein Recht darauf, dass wir unser Bestes geben, um die Krise zu überwinden", so der Kardinal, der wörtlich von "Schadensbegrenzung" sprach. Die derzeitigen Spannungen hätten Irritation und Resignation gebracht, es gehe vor allem auch um die Zukunft der Kirche in Österreich, so Schönborn.

Sonderberatung zur Krise
Nur die Diözesanbischöfe inklusive Militärdiözese sind zu der Sonderberatung zur Krise eingeladen, was Wagner als designierten Weihbischof ausschließt. Dieser soll erstmals bei der Frühjahrsvollversammlung in Innsbruck im März - noch vor seiner Weihe - seinen Kollegen in dieser Runde begegnen. Die Sondersitzung findet am Montag um 10 Uhr im Erzbischöflichen Palais in Wien statt.

Nur wenige Bischöfe meldeten sich am Freitag zur Krisensitzung zu Wort. Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari erwartet sich eine "sorgfältige Analyse mit Augenmaß". Probleme seien nicht kleinzureden, "sondern sollen klar benannt werden", hieß es. Es sei selbstverständlich, dass die Bischöfe beweglich auf andrängende Fragen reagieren und dazu auch außerordentliche Konferenzen halten. "Die Bischöfe werden gemeinsam Wege suchen, um das vielschichtige Netz der Seelsorge zu stärken und vor Beschädigungen von innen und von außen zu schützen.

Bekräftigung des Vatikanischen Konzils
In Salzburg geht man davon aus, dass die Bischofskonferenz eine Erklärung zur Bekräftigung des Zweiten Vatikanischen Konzils bringen wird. Angesichts des Wirbels um die Bestellung von Wagner solle man festhalten, dass es Aufgabe der Bischöfe und Weihbischöfe sei, "das Volk der Gläubigen zu einen und nicht zu spalten", hieß es dort. In anderen Diözesen wollte man erst einmal das Krisentreffen abwarten oder war vorerst nicht erreichbar.

Kritik musste Wagner bereits von seinen Kollegen einstecken, ließ Kapellari zum Abschluss seines Rom-Besuchs durchklingen. Wagner verbrachte - neben einer Reihe anderer Bischöfe - die vergangenen Tage in Rom, wo ihm offenbar aufgetragen wurde, seiner neuen Funktion als Pontifex, also Brückenbauer, nachzukommen. Zuvor war über ihn bereits eine Interview-Sperre verhängt worden. "Der Bischof soll, muss und wird um Vertrauen bitten", sagte der Vizepräsident der Bischofskonferenz und kritisierte auch die Interview-Serie Wagners und dessen umstrittene Aussagen.

Wagner habe "zugegeben nicht sehr geschickt argumentiert", so Kapellari weiter. "Er hat gezeigt, dass er eine Pfarre von mittlerer Größe zusammenhält, aber er hat gezeigt, dass er im Bewusstsein der halbsäkularen Gesellschaft nur oberflächlich daheim ist." Der Linzer Weihbischof müsse sich nun das Vertrauen seiner Diözese erarbeiten. "Das ist eine Vorgabe an Wagner, von Bischofskollegen, aber auch von hohen Stellen in Rom." Kritik übte Kapellari aber auch an den oberösterreichischen Dechanten, die in einer Abstimmung mit großer Mehrheit gegen Wagner rebellierten.
(apa/red)