Karadzic verteidigt seine Vergangenheit:
"Jugoslawien war beste Option für uns"

Ex-Serbenführer steht vor Kriegsverbrechertribunal Weiter Rätselraten um Karadzic' Versteckleben

Karadzic verteidigt seine Vergangenheit:
"Jugoslawien war beste Option für uns" © Bild: Reuters/Kooren

"Für uns war die Existenz Jugoslawiens ungeachtet seiner Größe die beste Option", erklärte der frühere bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic gegenüber der Belgrader Tageszeitung "Vecernje novosti" (Montag). Der ehemalige Präsident der bosnischen Republika Srpska ist der derzeit bekannteste Angeklagte des Haager UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY).

Auch die muslimische Partei der Demokratischen (SDA) hätte diesen Standpunkt bis Jänner 1991 vertreten, so Karadzic.

In dem ersten Gespräch mit einer serbischen Tageszeitung in den vergangenen 13 Jahren wiederholte Karadzic, der im Juli 2008 in Belgrad festgenommen und an das UNO-Kriegsverbrechertribunal überstellt wurde, dass ihm der ehemalige US-Balkanbeauftragte Richard Holbrooke Straffreiheit versprochen habe, wenn er sich von seinen öffentlichen Posten zurückziehe. Holbrooke hatte seit der Festnahme von Karadzic dessen Behauptungen wiederholt bestritten.

Rätsel um Karadzic' Versteckleben
Über die Zeit, in der er sich in Belgrad unter dem Namen Dragan Dabic versteckte und als Heilpraktiker tätig war, gab Karadzic keine Details bekannt. Er sagte lediglich, dass er sich nie habe ausweisen müssen. Der Haager Angeklagte bestätigte allerdings, dass er gut einen Monat vor der Festnahme das Gefühl gehabt habe, observiert zu werden. Die serbischen Behörden haben bis dato nicht enthüllt, wie Karadzic zu seiner falschen Identität gekommen war. Unbekannt ist auch, wie lange er sich in Serbien versteckt hatte. Jahrelang hatte man Karadzic in Bosnien, zeitweise in Montenegro vermutet.

Vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen hat sich der frühere Präsident der Republika Srpska in elf Punkten wegen Genozids, Anstiftung zum Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verteidigen. Der Ende Oktober begonnene Prozess soll am 1. März fortgesetzt werden. Karadzic weigerte sich, dem Prozessbeginn beizuwohnen, da er angeblich nicht genügend Zeit zur Vorbereitung der Verteidigung gehabt hatte. Das UNO-Tribunal bestellte unterdessen einen Pflichtverteidiger für den Angeklagten, sollte dieser sich auch im März weigern, im Gerichtssaal zu erscheinen. Das Recht, sich selbst zu verteidigen, wurde dem Angeklagten nicht entzogen.

(apa/red)