Kapitalspritze soll RBS wieder gesunden: Abschreibungen bereiten Bank Probleme

Größte Kapitalerhöhung in der Bankengeschichte Abschreibungen wurden durch Finanzkrise verursacht

Kapitalspritze soll RBS wieder gesunden: Abschreibungen bereiten Bank Probleme © Bild: EPA/Andy Rain

Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat nach weiteren Milliarden-Löchern wegen der Kreditkrise die Notbremse gezogen und eine für Europa beispiellose Kapitalerhöhung angekündigt. Für das laufende Jahr müssten Abschreibungen von bis zu 5,9 Mrd. Pfund (7,4 Mrd. Euro) befürchtet werde, teilte die zweitgrößte britische Bank mit.

Als Konsequenz plant RBS eine Kapitalerhöhung im Wert von zwölf Mrd. Pfund, die über die Ausgabe von Bezugsrechten umgesetzt werden soll. Damit handelt es sich um die größte Kapitalerhöhung dieser Art in der europäischen Bankengeschichte.

Ähnliche Schritte weiterer Banken dürften nach Ansicht von Analysten bald folgen. Zudem plant RBS den Verkauf seines Versicherungsgeschäfts oder die Trennung von Teilen davon, um an zusätzliches Geld zu gelangen, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Dadurch erhofft sich die Bank Kapitalzuflüsse von bis zu vier Mrd. Pfund. Die Kernkapitalquote (Tier 1) soll dadurch auf mehr als sechs Prozent steigen, womit RBS im europäischen Vergleich eine der stärksten Eigenkapitaldecken unter Banken hätte.

Bis vor kurzem noch hatte RBS anhaltende Spekulationen über Mrd.-Abschreibungen und eine deshalb notwendige Kapitalerhöhung zurückgewiesen. Am Montag dann gab die Bank in einer kurzen Mitteilung bekannt, dass sie tatsächlich eine Kapitalerhöhung anvisiere.

Verluste bis zu 5,9 Milliarden Pfund
Wegen Fehlinvestitionen in Ramschhypotheken und andere Anlageprodukte rechnet RBS mit einem Ausfall nach Steuern von 4,3 Mrd. Pfund in 2008, wie das Institut weiter mitteilte. Vor Steuern könnten sich die Abschreibungen auf bis zu 5,9 Mrd. Pfund belaufen. Bisher hatte die Bank wegen der Hypothekenkrise eine vergleichweise geringe Summe von drei Mrd. Euro im vergangenen Jahr abgeschrieben. RBS wird jedoch zusätzlich belastet durch die 71 Mrd. Euro teure Übernahme und Zerschlagung der niederländischen Bank ABN Amro, die von den Briten angeführt worden war.

Die Kapitalerhöhung stellt nun eine radikale Kehrtwende für die Bank dar und könnte nach Ansicht von Analysten auch das Ende für RBS-Chef Fred Goodwin bedeuten, der mit Widerstand der Aktionäre rechnen dürfte. Konkret bietet RBS elf neue Aktien für je 18 ausgeteilte Anteilsscheine zum Preis von 200 Pence je Papier, wie das Institut weiter mitteilte. Dies entspricht einem Abschlag von 46 Prozent auf den Schlusskurs von Montag.

Ausdrückliche Rückendeckung erhielt Bankenboss Goodwin vom Aufsichtsrat. Das Management um Goodwin habe ohne Zweifel das Zeug dazu, die Bank durch die derzeit schwierige Phase auf den Finanzmärkten zu steuern, sagte Kontrollgremiums-Chef Tom McKillop. Er räumte aber auch ein, dass RBS die Übernahme von ABN Amro zu einem "unglücklichen" Zeitpunkt eingeleitet und rückblickend einen "sehr hohen Preis" für den Rivalen gezahlt habe.

Analysten reagierten verhalten auf die Nachrichten. Immerhin sei wohl nicht mit weiteren Abschreibungen in dieser Größenordnung bei RBS zu rechnen, sagte Momoun Tazi von MF Global. Als weitere Kandidaten für Abschreibungen und möglicherweise auch Kapitalerhöhungen wurden Barclays und HBOS genannt. Auch der Markt zeigte sich wenig begeistert: An der Londoner Börse verloren RBS-Aktien mehr als drei Prozent an Wert auf etwa 360 Pence.

(apa/red)