Kapazitäten 'weitgehend erschöpft': Merkel lehnt Nahost-Einsatz der Bundeswehr ab

Besondere Verantwortung gegenüber Israel

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich ablehnend zu einem eventuellen Bundeswehr-Einsatz im Nahen Osten geäußert. "Als Deutsche sollten wir in dieser Region mit äußerster Vorsicht herangehen", sagte die Regierungschefin der Zeitung "Bild am Sonntag". Zuvor hatte der Zentralrat der Juden davor gewarnt, deutsche Soldaten an die Nordgrenze Israels zu entsenden. Er wisse nicht, wie die in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden "es finden würden, wenn deutsche Truppen gegen einen sein Land verteidigenden israelischen Soldaten vorgehen müssten", hatte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, erklärt.

Die Kapazitäten der Bundeswehr für Auslandseinsätze seien "weitgehend erschöpft", sagte die Kanzlerin. "Wir sind im Kongo, wir sind Haupttruppensteller auf dem Balkan, und wir haben unser größtes Kontingent in Afghanistan."

Der israelische Beschuss von UNO-Blauhelmsoldaten im Südlibanon sei ein "zutiefst tragischer" Vorfall, sagte Merkel laut "BamS": "Es ist richtig, dass sich der israelische Ministerpräsident dafür entschuldigt hat." Es sei "eine geschichtliche Verpflichtung deutscher Politik, unverbrüchlich für das Existenzrecht Israels einzutreten", unterstrich sie.

"Wir müssen uns immer klar machen, dass die derzeitige Krise von der (libanesischen Schiitenmiliz) Hisbollah ausgelöst worden ist. Die Hisbollah hat über Monate Israel mit Raketen beschossen, sie hat israelische Soldaten entführt." Merkel stellte Ausbildungshilfe für Polizei und Militär im Libanon zur "Stabilisierung des libanesischen Versöhnungsprozesses" in Aussicht.

Die Vorbereitungen für die Entsendung einer internationalen Stabilisierungstruppe in den Südlibanon laufen unterdessen auf Hochtouren.

(apa/red)