Kanu

"Danach suche ich mir eine Arbeit"

Robson hat sich die längste Kanufahrt der Welt vorgenommen. Der Trip dauert 5 Jahre.

Kanu - "Danach suche ich mir eine Arbeit" © Bild: APA

"Ich liebe das Abenteuer und die Herausforderung!" So klingt eine Frau, die keine Furcht kennt. Auf ihrem Wassertrip von Ulm nach Australien bereitet der 43-Jährigen bloß ein Streckenabschnitt Sorgen: der Teil, bei dem sie mit dem schmalen Kanu über das offene Meer muss.

Wer schon einmal die Attacke eines Krokodils im Kanu überlebt hat, den kann nichts Angst einjagen: nicht einmal mit dem schmalen Kanu 80 Kilometer lang über das offene Meer zu paddeln. "Für so eine Strecke brauche ich etwa 13 Stunden und gutes Wetter", sagte die Australierin.

Sandy Robson will in fünf Jahren von Ulm in ihre Heimat paddeln - rund 50.000 Kilometer. "Es ist die längste Kanuroute, die es auf der Welt gibt. Ich liebe das Abenteuer und die Herausforderung", sagt die 43-Jährige. Sie eifert dabei dem Deutschen Oskar Speck nach, der diese Tour bereits in den 1930er Jahren gemacht hat.

Vorgänger verbrachte sechs Jahre im Gefängnis
Oskar Speck hatte im Deutschland der Weltwirtschaftskrise 1932 keine Arbeit und wanderte aus - vielmehr er paddelte aus. Über Zypern gelangte er nach insgesamt 13 Jahren schließlich nach Australien. "Sechs Jahre verbrachte er auf seiner Reise in indischer Gefangenschaft, weil sie ihn dort für einen Spion der Nazis gehalten haben", erläuterte Max Scharnböck vom Deutschen Kanuverband. Speck hatte damals an seinem Boot eine Hakenkreuzfahne gehisst. Schwimmen konnte der Mann, der bis zu seinem Tod in Australien lebte, übrigens nie.

Nun eifert Sandy Robson dem Deutschen, der vor allem in der australischen Kajak-Szene eine Ikone ist, nach. Wie Speck will auch sie zunächst nach Zypern. Sechs Monate Zeit hat sie sich dafür eingeräumt. Ihren ersten Paddelschlag in Deutschland machte die 43-Jährige, die in ihrer Heimat Paddel- und Kajakkurse für Touristen organisiert, am 14. Mai in Ulm. Die Donau ging es hinunter bis nach Passau. Ab dem 25. Mai ist sie in Österreich unterwegs. Auf der Donau geht es bis Bulgarien weiter.

Die Route
Nach dem Vorbild von Oskar Speck plant sie dann über den Landweg zur mazedonischen Hauptstadt Skopje und zum Fluss Vadar überzusetzen. Anschließend geht es über Thessaloniki an die türkische Küste. Hier beginnt der gefährlichste Abschnitt der Reise nach Zypern - rund 80 Kilometer mit dem schmalen Kanu über das offene Meer. "Für so eine Strecke brauche ich etwa 13 Stunden und gutes Wetter", sagte die Australierin.

Den Großteil der Kosten trägt die 43-Jährige selbst, auch das Boot hat sie von ihrem Geld gekauft. Etwa 8.000 Euro hat sie für die Fahrt nach Zypern einkalkuliert. "Dann suche ich mir dort eine Arbeit, spare und es geht im Frühjahr 2012 hoffentlich weiter."

Der zweite große Abschnitt der Tour ist für Sandy Robson noch weit weg. Die Reise soll dann über Syrien zum Euphrat und Tigris bis in den Iran führen. "Vielleicht lässt es die politische Lage nicht zu, dass ich durch diese Länder komme. Ich habe auch noch keine Erlaubnis", erzählt sie. Zur Not packe sie ihr Kanu halt auf ein Autodach und versucht so nach Indien zu kommen. "Dort kommt dann der letzte Abschnitt: Über Indonesien in die Heimat."

(apa/red)