Economy Class

Kampfschauplatz Küniglberg

Julia Schnizlein © Bild: Ian Ehm

Der ORF-Chef muss eine Entscheidung treffen. Und dabei wird Alexander Wrabetz vermutlich jemanden vor den Kopf stoßen. Am Donnerstag soll er den Stiftungsräten erklären, wie der ORF künftig strukturell aufgestellt sein wird. In seinem Bewerbungskonzept für den ORF-Chefposten hatte Wrabetz ja angekündigt, für ORF 1 und 2 eigene Senderchefs zu installieren. Diese sogenannten Channelmanager hätten eigentlich schon im Jänner ihren Dienst antreten sollen. Schuld daran, dass es sie noch immer nicht gibt, ist ein erbitterter Machtkampf, der hinter den Kulissen tobt. Wie so oft im ORF geht es dabei um Einfluss, um Besitzstandswahrung und um Personalentscheidungen.

Kathrin Zechner, die seit Jänner nur mehr Programm- und nicht mehr Informationsdirektorin ist, fürchtet, zur Frühstücksdirektorin degradiert zu werden, wenn die künftigen Channelmanager nicht nur die Hoheit über die Information haben, sondern auch Personal und Budget bei ihnen angesiedelt sind. Gegen entsprechende Pläne läuft Zechner daher bei Politik und Stiftungsräten Sturm. Rückendeckung bekommt sie von einigen Redakteuren der Fernsehinformation. Ihnen geht es vor allem um ihre Autonomie bei ORF 2. Zechner ließ den Journalisten in den letzten Jahren weitgehend freie Hand. Ein Channelmanager namens Roland Brunhofer, Wrabetz' Favorit für den ORF-2-Posten, würde das wohl nicht tun. Erst unlängst hat der ehemalige Salzburger Landesdirektor Brunhofer einem Teil der Journalisten überbordende Eitelkeit unterstellt und gewettert, sie könnten sich "an der Zersetzung der Demokratien" mitschuldig machen. So etwas hören Redakteursvertreter nicht gern. Brunhofer werfen sie im Gegenzug mangelnde Infokompetenz und seine unverhohlene Sympathie für die Sozialdemokratie vor und warnen vor dem Ende der Unabhängigkeit. Als Protest gegen die Besetzung steht angeblich sogar die Androhung einer Social-Media-Kampagne im Raum.

Auch viele, die es sich im Lauf der Jahre im System ORF bequem gemacht haben, fürchten Brunhofer, der als Sanierer gilt und den Sender neu aufstellen will. Um den Aufstand zu befrieden, könnte Wrabetz in bewährter Manier einen Kompromiss anstreben und Channelmanager ohne Pouvoir installieren. Die wären dann nicht mehr als gut bezahlte Programmplaner, während Personal und Budget weiter bei Zechner bleiben. Strukturreform wäre das keine. Und es würde den ohnehin schwer manövrierbaren Medientanker ORF noch unlenkbarer machen.

Wrabetz muss mutig sein! Die Politik erwartet jedenfalls im April Lösungen.

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