Kampf gegen Hitze und Luftfeuchtigkeit:
Ausnahmesituationen beim GP von Malaysia

Malaysia-GP Kampf gegen Hitze und Luftfeuchtigkeit 22 Fahrer feiern Ostern in einem heißen Dampfbad

Kampf gegen Hitze und Luftfeuchtigkeit:
Ausnahmesituationen beim GP von Malaysia © Bild: AP/Multhaup

Der Grand Prix von Malaysia wird wohl wieder der "hitzigste" des Jahres. Zwar werden die Temperaturen nicht wie beim WM-Auftakt vor einer Woche in Australien auf bis zu 40 Grad klettern, zusammen mit der hohen Luftfeuchtigkeit kommt im Dschungel von Sepang auf Mensch und Motoren aber auf jeden Fall eine Extrem-Belastung zu. Weil wegen der europäischen TV-Zuseher erst um 15.00 Ortszeit gestartet wird, droht auch noch Regen, der hier meist am späteren Nachmittag einsetzt.

Technisch wäre es kein Problem, den 22 Piloten in ihren offenen Formel-1-Cockpits Kühlung zuzuführen. "Das würde aber alles auf Kosten des Gewichtes und der Aerodynamik gehen", weiß Fitnesscoach Jo Leberer, der früher Alain Prost, Gerhard Berger und Ayrton Senna betreut hat und sich heute um die BMW-Fahrer und damit auch den Vorarlberger Christian Klien kümmert. Als einzige Möglichkeit bleibt also die Fitness der Fahrer, die zudem während des ganzen Wochenendes extrem viel trinken.

Ein Rennen wie in Malaysia ist nicht wie vielfach geglaubt einem stundenlangen Training in der Sauna sondern vielmehr in einem Dampfbad gleichzusetzen. In einer Sauna hat es zwar Temperaturen bis 95 Grad, aber nur 5 bis 25 Prozent Luftfeuchte. Im Dampfbad beträgt die Temperatur zwischen 45 und maximal 50 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 100 Prozent. Als ziemlich ähnlich dem, was in Sepang auf die Fahrer zukommt.

"Verdienen genug, um das auszuhalten"
Die Belastung durch die hohen Temperaturen ist auch deshalb so extrem, weil die Fahrer in feuerfester Unterwäsche und Overall in ihre Schalensitze gegurtet werden und sich dort kaum bewegen können. Fast schon brutal wird es, wenn bei der Ankunft in den Boxen auch noch der Fahrtwind wegfällt. "Dann steht die Luft. Dann muss man die Hände, den Nacken kühlen und ihnen Luft auf die Füße blasen" , so Leberer. "Aber sie verdienen genug, um das auszuhalten", ergänzte der Salzburger Dungl-Schüler schmunzelnd.

Körperliche Fitness ist also Grundvoraussetzung, um ein Formel-1-Rennen unter Bedingungen knapp über dem Äquator wie in Malaysia durchstehen zu können. Der Herzschlag der Fahrer beschleunigt sich in Extremsituation auf über 180 Schläge/Minute. Hauptproblem bleibt aber die Hitze. "Aber gar nicht so sehr auf der Hautoberfläche, es geht vielmehr um die Körper-Kerntemperatur", erklärte Honda-Testfahrer Alex Wurz.

Wurz hat früher als Williams-Pilot an wissenschaftlichen Untersuchungen hinsichtlich Fahrer-Belastung teilgenommen. Der Niederösterreicher musste dabei u.a. einen Mini-Sensor schlucken, der dann aus dem Magen die Kerntemperatur "meldete". Ein Verfahren, das bei Kampfjet-Piloten angewendet wird. Der Sensor verlässt den Körper dann wieder auf natürlichem Weg.

(apa/red)