Kampf um Gaddafis Geburtsstadt Sirte: Rebellen stoßen auf erbitterten Widerstand

Armee hat Vordringen der Aufständischen gestoppt UN-Sicherheitsrat sucht bei Sanktionen Interpol-Hilfe

Libyens Armee hat das Vordringen der Rebellen in westliche Richtung vorerst aufgehalten. Wie ein Reporter der französischen Nachrichtenagentur AFP berichtete, gab es in der Stadt Bin Jawad heftige Gefechte. Die Aufständischen hatten am Sonntag Ras Lanuf und später Bin Jawad eingenommen, doch am Montag nahmen regierungstreue Einheiten die Aufständischen unter Feuer.

Sirte, die Geburtsstadt Muammar Gaddafis, war am Montag nach Korrespondentenberichten weiter unter Kontrolle loyaler Einheiten. Entgegen der Angaben der Aufständischen wurde die Stadt also nicht von ihnen eingenommen. Die Aufständischen hatten zuletzt - auch dank der militärischen Unterstützung des Westens - gleich mehrere Etappensiege erzielt.

"Es herrscht praktisch Bürgerkrieg"
Russland kritisierte erneut die westlichen Luftangriffe als "unerlaubte Militärintervention" kritisiert. Die Unterstützung der gegen Machthaber Muammar Gaddafi kämpfenden Rebellen sei ein Verstoß gegen die Resolution des UNO-Sicherheitsrates, sagte Außenminister Lawrow. Es herrsche "praktisch Bürgerkrieg" in dem nordafrikanischen Land. "Aber in dem UNO-Beschluss ist keine Rede davon, dass eine ausländische Koalition hier Partei ergreifen soll", betonte Lawrow. Er sprach sich erneut für eine Feuerpause aus.

BZÖ-Menschenrechtssprecher Grosz verlangte, dass jene europäischen Staaten "umgehend" für die Flüchtlingsströme aus Nordafrika Sorge tragen, "die diese auch durch ihren völker- und menschenrechtswidrigen Krieg gegen Libyen ausgelöst haben". Es sei "klar, dass Italien nicht in der Lage ist, diesen Flüchtlingsstrom zu bewältigen und es wäre auf widersinnig, diese Last Italien exklusiv umhängen" zu wollen, so Grosz.

Türkei will Kontrolle über Bengasi übernehmen
Die Türkei schlug vor, die Kontrolle über den Flughafen der Rebellenhochburg Bengasi zu übernehmen, um von dort aus humanitäre Hilfe zu koordinieren. Zudem will die türkische Regierung nach Berichten vom Wochenende eine baldige Waffenruhe in Libyen vermitteln.

Als erster Staat nach Frankreich und als erstes arabisches Land hat unterdessen das Golf-Emirat Katar am Montag den "Nationalrat" der Aufständischen in Benghazi als Regierung Libyens anerkannt.

Hilfe von Interpol
Bei der Durchsetzung der Sanktionen gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und sein Regime setzt der UN-Sicherheitsrat auch auf Interpol. Ein Vertreter der internationalen Polizeibehörde werde in Kürze nach New York eingeladen, um die Mitglieder des Sanktionsausschusses zu informieren, sagte der Chef des Gremiums, Portugals UN-Botschafter Jose Filipe Moraes Cabral, vor dem mächtigsten UN-Gremium. Dabei sollen alle Möglichkeiten ausgelotet werden, wie Sicherheitsrat und Interpol zusammenarbeiten können.

(apa/red)


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