"Kampf gegen Doping hat Sprung gemacht":
WADA-Präsident sieht Fortschritte seit 2004

IOC-Präsident Rogge erwartet '30-40 Doping-Fälle' Chinas Sportler mussten sich 4.500 Tests unterziehen

"Kampf gegen Doping hat Sprung gemacht":
WADA-Präsident sieht Fortschritte seit 2004 © Bild: AP/Augstein

Im Wettlauf mit den Sportbetrügern liegen die Fahnder nach Ansicht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gut im Rennen. "Die Betrüger haben eine gute Chance, ertappt zu werden", sagte WADA-Präsident John Fahey, einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking. "Der weltweite Kampf gegen Doping hat in den vergangenen vier Jahren einen großen Sprung nach vorn gemacht."

IOC-Präsident Jacques Rogge bekräftigte zudem, dass er "30 bis 40 Doping-Fälle" in Peking erwarte. Schließlich sei die Zahl der Kontrollen im Vergleich zu 2004 um 25 Prozent auf 4.500 Tests erhöht worden. "Wenn es weniger Fälle werden, wäre ich froh, weil wir dann einen abschreckenden Effekt erzielt hätten", meinte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Proben acht Jahre aufbewahrt
Potenzielle Betrüger, die den Doping-Analytikern in Peking entkommen können, müssen noch jahrelang weiter fürchten, nachträglich disqualifiziert zu werden. Das IOC lässt alle genommenen Urin- und Blutproben für acht Jahre einfrieren. "Wenn es später neue Untersuchungsmethoden geben sollte und etwas entdeckt wird, können wir die Medaillen auch rückwirkend noch wegnehmen", drohte Rogge, der eindeutig bekannte: "Ich hasse Doping."

Dagegen sorgte unmittelbar vor dem Olympia-Start eine im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie zur "Doping-Wissenschaft" für Aufsehen und Zweifel an der Korrektheit von Kontrollen. Sie basierten auf fehlerhaften Methoden und Statistiken, kritisierte US-Forscher Donald Berry. "Die Doping-Wissenschaft ist teilweise auf wissenschaftlichem Steinzeitniveau, aber wir haben nichts Besseres", entgegnete der deutsche Doping-Experte Fritz Sörgel, "deshalb muss man die Leute auf der wissenschaftlichen Basis von heute sperren".

"Die Ausstattung ist hypermodern"
Mutmaßungen, das Doping-Analyselabor in Peking wäre nicht mit den modernsten Gerätschaften ausgestattet, wies Fahey zurück: "Die Ausstattung ist hypermodern." Auch die Methoden, modifizierte verbotene Mittel zu entdecken, seien verbessert worden. "Wir sind viel smarter geworden", betonte der Australier. Offen ließ er jedoch, ob neben dem erstmals bei Olympia durchgeführten Test auf Wachstumshormon-Missbrauch auch nach der verbotenen Insulin-Einnahme gefahndet wird.

Zum Doping-Skandal um sieben russische Leichtathletinnen äußerte sich Jurist Fahey zurückhaltend. "Es ist ein laufendes Verfahren und ein Gebot der Fairness, dazu keinen Kommentar abzugeben", lehnte er eine Stellungnahme zu der Urin-Manipulations-Affäre in Russland ab. Die Russinnen wurden vom Weltverband (IAAF) wegen des mutmaßlichen Betrugs bei Doping-Tests suspendiert. Der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Arne Ljugqvist, hatte dagegen in diesem Fall kein Blatt vor den Mund genommen und von "systematischem Doping" gesprochen.

40 positive Doping-Tests kurz vor Olympia
In den Wochen vor den Peking-Spielen waren zudem mehr als 40 positive Doping-Tests aus aller Welt gemeldet worden, in die Olympia-Anwärter verstrickt waren. Dazu zählten Gewichtheber aus Griechenland und Bulgarien (je 11), die US-Schwimmerin Jessica Hardy, der Fechter Andrea Baldini und Straßenrad-Weltmeisterin Marta Bastianelli (beide Italien). Auch der dänische Mountainbiker Peter Riis Andersen, die rumänischen Mittelstreckenläuferinnen Liliana Popescu, Elena Antoci und Cristina Vasiloiu wurden bei Trainingskontrollen erwischt. Auch Sportler aus dem Gastgeberland China, wie die Geherin Song Hongjuan, die Schwimmerin Ouyang Kunpeng und Ringer Luo Meng blieben im Kontrollnetz hängen.

Die chinesischen Sportler waren vor ihrer Nominierung für die olympischen Heim-Spiele 4.500 Doping-Tests unterzogen worden. "Wir wollen, dass unsere Athleten an sauberen Spielen teilnehmen und zum Prestige unseres Landes beitragen", sagte Du Jijun, der Direktor der Nationalen Anti-Doping-Agentur (CHINADA). Darüber hinaus hat China die Anstrengungen im Doping-Kampf in den vergangenen Jahren verstärkt: Während 1990 nur 165 Tests im Riesenreich durchgeführt wurden, waren es 2007 immerhin 10.238. "Da sind wesentliche Fortschritte gemacht worden", urteilte Fahey.
(apa/red)