Kampf um Bint Jbeil: Die Hisbollah-
Hochburg ist nur noch ein Trümmerfeld

Letzte Zivilisten verlassen den umkämpften Ort

Bint Jbeil, in Friedenszeiten Heimat von 60.000 Menschen, zuletzt Wahrzeichen des Widerstands und Hochburg der radikal-islamischen Hisbollah-Bewegung, ist nur noch ein Trümmerfeld. Nach fast drei Wochen unerbittlich harter Kämpfe zwischen der Hisbollah und israelischen Truppen kommen die letzten 500 zivilen Einwohner, die zurückgeblieben waren, von Angst und Schrecken gezeichnet aus ihren Kellern. Die relative Ruhe der von Israel verkündeten Bombardierungspause nutzen sie, um aus der Stadt zu flüchten.

"Seitdem der Krieg begann, seit drei Wochen sind wir ohne Lebensmittel", sagt Fatima Daoui, die mit ihrem Mann Ali und ihren vier Kindern das Weite sucht. "Wir ernährten uns von Wasser und etwas Brot", erzählt sie. Seit Beginn der Angriffe hätten sie im Keller Schutz gesucht und haben "seitdem kein Sonnenlicht gesehen".

In Bint Jbeil ist Fatima Daoui geblieben, weil ihre Familie kein Geld hatte und keinen Ort, wohin sie gehen konnte. Jetzt ist das auch nicht anders, aber der Krieg sei nicht auszuhalten, und sie müsse an die Kinder denken. "Wir gehen nach Tyrus", sagt sie, "auch wenn wir auf der Straße schlafen müssen."

Drei Viertel aller Gebäude sind bombardiert, liegen in Trümmern. Die Projektilspuren an den Hausruinen künden davon, dass hier in den Straßen gekämpft wurde. Für die Israelis, die sich letzte Woche aus Bint Jbeil zurückzogen, ohne dass sie die Stadt einnehmen konnten, war es eine Niederlage. Es gab einen Tag, an dem acht ihrer Soldaten den Tod fanden.

Die Hisbollah-Kämpfer zeigen sich nicht. Nur ihre gelben Fahnen wehen auf der Israel zugewandten Seite der Stadt trotzig im Wind. Ihr Mythos lebt in den Erzählungen der in ihren dunklen Kellern eingeschlossenen Dorfbewohner auf. "Kein israelischer Panzer vermochte in die Stadt einzudringen", sagt Mehmed Ali, ein 85-jähriger schmaler, blasser, krebskranker Greis. "Die Hisbollah hat sie alle auf Distanz gehalten." Gegen die israelischen Fußsoldaten hätten die schiitischen Milizionäre von Haus zu Haus, Mann gegen Mann gekämpft. "Wir hörten die Israelis vor Angst schreien", fügt er hinzu.

Rot-Kreuz-Helfer stützen den alten Mann, der beim Verlassen der Stadt zum ersten Mal das volle Ausmaß der Kriegszerstörungen sehen kann. Beim Anblick der Ruine, die einst das dreistöckige Haus seines Bruders war, zittert er vor Schock. Mit Mehmed Ali gehen die letzten Zivilisten. Bint Jbeil, das Wahrzeichen, das Trümmerfeld, ist jetzt auch menschenleer.

(apa/dpa)