Kammerspiele von

Das ist Entertainment

Susanne Zobl über die Premiere von "La Cage aux Folles"

La Cage aux Folles © Bild: APA/Rita Newman

Mit Jerry Hermans Erfolgsmusical "La Cage aux Folles" verschafft Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger seinen Kammerspielen auch als Schauspieler einen fulminanten Start in die Saison. Michael Dangl brilliert in der Rolle der Dragqueen Zaza. Das ist Unterhaltung und Schauspielertheater auf höchstem Niveau.

Unvergesslich wird Karlheinz Hackl als Dragqueen Zaza bleiben. Sechzehn Jahre, von 1991 bis 2007, stand er in diesem Broadway-Hit, der 1978 mit Ugo Tognazzi und Michel Serrault verfilmt wurde, mit Unterbrechungen zuerst mit Frank Hoffmann, dann mit Kurt Schreibmayer als seinem Lebensgefährten Georges auf der Bühne der Volksoper. Ein Werk mit einer derart nachhaltigen, vor allem auch lokalen Aufführungsgeschichte auf die Bühne zu bringen, mag ein riskantes Unterfangen sein.

La Cage aux Folles
© APA/Rita Newman

In den Kammerspielen gelingt das unter der präzisen Regie Werner Sobotkas bestens. Die Geschichte des homosexuellen Paares Georges und Albin/Zaza erzählt er geradlinig auf Stephan Prattes' kühl-greller Bühne, die sich je nach Bedarf praktikabel in den Nachtklub "La Cage aux Folles", in die mit schwulen Accessoires ausgestattete Wohnung von Georges und Albin oder in ein Straßenlokal im Vollmondschein verwandeln. Und dort findet echtes Schauspielertheater mit, von Simon Eichberger gut choreographierten, Transvestiten-Tanznummern statt.

La Cage aux Folles
© APA/Rita Newman

Herbert Föttinger verleiht dem schwulen Nachtklubbesitzer Georges eine Art von Charme, der nicht nur auf das eigene Geschlecht wirken mag. Präzise, mit Schärfe zeigt er, dass er auch als Sänger bestehen kann. Lieder, die eigentlich mehr das Zeug zum sentimal-schwülstigen Schmachtfetzen haben, verwandelt er in Gesangs-Monologe. Das ist alles drin von Überzeugungskraft bis echter Wehmut. Michael Dangl verkörpert die Dragqueen Zaza mit Verve. Er spielt nicht nur einen Mann, der eine Frau spielt, er verwandelt sich auch in eine, wenn es die Szene verlangt. Auch die kleineren Rollen sind fabelhaft besetzt. Martin Niedermair als schwuler Butler ist ein Hammer. Niklas Abel gibt den Sohn von Georges als brav-biederen amerikanischen Schulabgänger, der sich eine bürgerliche Existenz aufbauen will. Alexandra Krismer und Peter Scholz gefallen als konservatives Paar. Susa Meyer, die vom Volkstheater an die Josefstadt gewechselt hat, Ljubisa Lupo Grujcic und Sarah Baum ergänzen je nach ihren Möglichkeiten.

So funktioniert Enterteinment, wenn man es ernst nimmt.

Kommentare