Leben von

Ungewünschter Kaiserschnitt:
Wenn aus Scham Stolz wird

Ein Foto eines Neugeborenen unter der Narbe seiner Mutter bewegt Millionen

Kaiserschnitt-Bild löst Kontroverse aus © Bild: Bulls | Ã Helen Carmina / SWNS.com

Fotografin Helen Aller hat schon oft Bilder von Müttern und ihren Neugeborenen gemacht. Doch mit den heftigen Reaktionen auf das Foto eines drei Tage alten Babys, das unter der Kaiserschnitt-Narbe seiner Mutter liegt, hat sie nicht gerechnet: "Meine Fotos sehen normalerweise vielleicht hundert Leute, aber dieses haben schon über 7,5 Millionen gesehen", sagt sie HuffPost UK Parents.

Zu dem Bild gehört eine herzergreifende Geschichte: Als Aller die darauf abgebildete Mutter vor einiger Zeit fotografierte, erzählte diese ihr, wie viel Angst sie zuvor vor dem Kaiserschnitt gehabt hatte. Es gab Komplikationen, die den chirurgischen Eingriff zur Geburt ihres Kindes erforderlich machten. Doch als sie es hinter sich gebracht hatte, rief sie die Fotografin an, damit sie genau diesen Moment festhalten konnte. Den Moment, der zugleich ihren schlimmsten Albtraum zeigte, als auch etwas, dass ihr und ihrem Kind das Leben gerettet hat. "Für mich ist es ein wunderschönes Bild, dass beides zeigt: Einen Kampf und etwas Wunderbares", so Aller.

Kaiserschnitt-Bild löst Kontroverse aus
© Bulls | Ã Helen Carmina / SWNS.com

www.helencarminaphotography.com

Stolz statt Scham

Nachdem sie das Bild auf Facebook gepostet hatte, erhielt Aller viele Erfahrungsberichte von Müttern. Viele schämten sich bis dato für ihre Narben, fühlten sich, als hätten sie ihren "Job" nicht richtig gemacht, weil sie keine natürliche Geburt gehabt hatten. "Ich war stolz ein Bild kreiert zu haben, dass es so vielen Menschen ermöglicht hat, sich zu öffnen und ihre Einstellung über etwas zu ändern, für das sie nur Stolz empfinden sollten."

Nur 1,5 Prozent aller werdenden Mütter wünschen sich von Anfang an einen geplanten Kaiserschnitt.

Mütter sprechen über ihren Kaiserschnitt

Für den Artikel "Kaiserschnitt-Babys" haben vier Österreicherinnen mit News (Oktober 2014) über ihren Kaiserschnitt gesprochen:

Kerstin Kienleitner mit Nikolaus: Vorzeitige Wehen. Kerstin Kienleitner hat sich eine natürliche Geburt gewünscht. Alles deutete darauf hin - bis zur 24. Schwangerschaftswoche. "Ich bekam vorzeitige Wehen, musste mich schonen. Fünf Wochen später haben die Ärzte festgestellt, dass mein Sohn durch meine Plazenta nicht gut genug versorgt wurde und noch dazu in Beckenendlage war, wodurch eine natürliche Geburt dann komplett ausgeschlossen wurde", erzählt sie. Nikolaus kam schließlich in der 37. Woche zur Welt, war 45 Zentimeter klein und wog nur zwei Kilo. "Ich hatte furchtbare Angst vor dem Kaiserschnitt, es war meine erste Operation überhaupt. Ich habe während des gesamten Eingriffs nur geweint. Vor allem, weil ich mir Sorgen um meinen Sohn machte", sagt Kienleitner. Der Kaiserschnitt verlief gut, es gab keine Komplikationen. "Nikolaus ist gesund und entwickelt sich hervorragend", so Mama Kerstin.

»Ich habe während des gesamten Eingriffs geweint.«

Daniela Behacker mit Leonie und Tobias: Geplanter Kaiserschnitt beim zweiten Kind. Daniela Behacker hat schon zwei Kaiserschnitte hinter sich. "Nach dem ersten musste ich mich vor anderen Müttern immer rechtfertigen. Dabei hatte ich sehr wohl eine Spontangeburt geplant“, so die zweifache Mutter. Erst vier Wochen vor dem Geburtstermin rieten ihr die Ärzte davon ab. Der Grund: Behacker hatte mit 19 Jahren eine Steißbein-Operation und es bestand die Gefahr, dass die Narbe bei einer natürlichen Geburt reißen könnte. "Das Risiko lag bei 80 Prozent, das war mir dann doch zu riskant." Auch das zweite Kind, Sohn Tobias, kam per Kaiserschnitt zur Welt. Probleme gab es keine. "Ich war nach wenigen Stunden fit und konnte beide Kinder voll stillen. Nach acht Wochen habe ich sogar wieder Sport gemacht", sagt sie. Den zweiten Kaiserschnitt sieht sie positiv: "Wir konnten alles besser planen. Auch die Großeltern waren bei der Geburt dabei."

»Ich musste mich für meinen Kaiserschnitt immer vor anderen Müttern rechtfertigen.«

Nicole Riedl mit Sohn Fabian: Keine Wehentätigkeit. Exakt am errechneten Geburtstermin hatte Nicole Riedl einen Blasensprung, aber die Wehen wollten nicht so wirklich einsetzen. Nach neun Stunden wurde schließlich die Geburt natürlich eingeleitet. Als sich sieben Stunden später immer noch kein Fortschritt abzeichnete, rieten die Ärzte zu einem Kaiserschnitt. "Mein Sohn war vom Geburtsverlauf noch nicht allzu gestresst, ich wollte einfach nur, dass er heil zur Welt kommt", sagt sie. Angst hatte sie in dem Moment keine. Schon am nächsten Tag ging es der frisch gebackenen Mutter wieder besser. "Ich hatte zwar nicht die von mir erhoffte Spontangeburt, trotz Kaiserschnitt aber alle hormonellen Reaktionen, die natürlich Gebärende auch haben. Ich bin einfach nur froh, dass es meinem Sohn gut geht“, sagt sie.

»Ich wollte einfach nur, dass es meinem Sohn gut geht.«

Mona Bayr, mit Tochter Bella: Mit der Rettung ins Krankenhaus. Drei Wochen vor dem Geburtstermin hatte Mona Bayr einen Blasensprung und wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht. Dort stellten die Ärzte fest, dass die Herztöne ihrer Tochter während den Wehen schwächer wurden, was bedeutet, dass das Kind einem enormen Stress ausgesetzt war. Sofort wurde Bayr in den OP gebracht, zwanzig Minuten später war ihre Tochter auf der Welt. "Es ging alles so schnell, ich hatte keine Zeit, über den Kaiserschnitt nachzudenken“, sagt Bayr. Auch während des Eingriffs herrschte keine Hektik, sie hatte stets das Gefühl, dass alles in Ordnung war. Vom Blasensprung bis zur Geburt vergingen knapp drei Stunden. Dass es höchste Zeit war, Bella zu holen, haben die Ärzte dann auch im Nachhinein am Fruchtwasser festgestellt, das bereits grün war.

»Die Herztöne meiner Tochter wurden während der Geburt immer schwächer.«

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