Kahr will weiterhin Wohnressort behalten: KP nach jahrelangem Höhenflug fast halbiert

Kaltenegger zeigte sich am Wahlabend nicht zufrieden Stadträtin seit 2005 mit dem Landesrat verglichen

Kahr will weiterhin Wohnressort behalten: KP nach jahrelangem Höhenflug fast halbiert © Bild: Reuters/Neubauer

Nach dem Höhenflug bei der Gemeinderatswahl 2003 kam nun am Sonntag für die in der Steiermark erfolgsgewöhnte KPÖ die Ernüchterung: Verlust der Position der drittstärksten Partei im Grazer Gemeinderat, Absturz von 20,8 Prozent um 9,33 Prozentpunkte auf 11,42 Prozent, Verlust von sechs Mandaten und einem Stadtsenatssitz. Spitzenkandidatin Elke Kahr gilt ebenso wie ihr Vorgänger im Wohnungsressort, der in den Landtag gewechselte Ernest Kaltenegger, als persönlich integer, engagiert und in Wohnfragen kompetent: Das Erbe Kalteneggers war jedoch von der 46-jährigen in einem lange Zeit thematisch lauen und dafür dann zuletzt stark polemischen Wahlkampf nicht zu verteidigen.

Nicht zufrieden hatte sich am Wahlabend Ernest Kaltenegger, nicht zur Wahl stehende Galionsfigur der Kommunisten, gezeigt: "Das Ergebnis war allerdings zu erwarten, da wir in den vergangenen Jahren viele Erfolge hatten." Man werde sich auch in Zukunft engagiert für jene einsetzen, die man auch bisher vertreten habe, Arbeitende, sozial Schwache, Menschen mit Wohnproblemen. Spitzenkandidatin und Wohnungsstadträtin Elke Kahr sah sich mit Kaltenegger einer Meinung: "Die KPÖ steht für Wohnungspolitik. Das Wohnressort steht nicht zur Disposition." Bei der KPÖ dürfte man mit einem kräftigen Minus gerechnet haben - Kahr und andere Spitzenfunktionäre zeigten sich nicht so betrübt wie die gedemütigten Sozialdemokraten.

Porträt: Elke Kahr
Die im Alter von drei Jahren adoptierte Grazerin Kahr war als Sekretärin in einer Bank beschäftigt, machte nebenbei die Abendhandelsakademie und ist seit 25 Jahren Parteimitglied. Die Grazerin lebt seit 1988 in einer Lebensgemeinschaft mit KPÖ-Landesparteivorsitzendem Franz-Stephan Parteder und hat einen 17-jährigen Sohn. In den Gemeinderat zog Kahr 1993 ein, 1998 übernahm sie die Führung im KPÖ-Klub. In den Jahren 2003 bis 2004 bekleidete sie den Posten einer stellvertretenden Bundesvorsitzenden der KPÖ.

Kahrs eigentliche Leibthemen Soziales, Frauen, Kinder und Jugendliche sowie Bürger-, Sozial- und Friedensinitiativen waren nach dem Abgang Kalteneggers durch die Wohnagenden ergänzt worden. Die Stadträtin wurde seit 2005 immer noch am sehr präsenten Ernest Kaltenegger gemessen, der ja auch fallweise als Wahlhelfer fungierte. Das Konzept aus dessen Ära wurde beibehalten: "Tag der offenen Konten", an dem die aus den Gehältern finanzierten Projekte präsentiert werden oder eine Kampagne für kleine Leute wie der Kampf gegen das sprunghafte Ansteigen der Zahl von Glücksspielautomaten ("Tagtäglich zerbricht eine Familie an der Spielsucht").

(apa)