"Kärnten ist nicht die Cote d'Azur": Wenig Begeisterung in Treibach über Kurgast Elsner

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"Kärnten ist nicht die Cote d'Azur": Wenig Begeisterung in Treibach über Kurgast Elsner

Der bevorstehende Aufenthalt von Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner im Kur- und Rehabilitationszentrum Treibach-Althofen hat in Kärnten alles andere als Begeisterung ausgelöst. "Die Großen gehen auf Kur, die Kleinen in den Häfen", lautet der Tenor. Auch von den politischen Parteien gibt es durchwegs Ablehnung, nur die Grünen wollen keine Verquickung zwischen Gesundheits- und Rechtssystem herstellen.

Den Menschen stößt vor allem der Umstand auf, dass der Staat, also der Steuerzahler, für Elsners Aufenthalt in einem der luxuriösesten Reha-Zentren Österreichs aufkommen muss. Die wöchentlichen Kosten werden sich dem Vernehmen nach auf 2.000 bis 3.500 Euro belaufen. "Elsner hat sicher genügend Geld beiseite geschafft, um selbst dafür aufkommen zu können", meinte ein Klagenfurter Hausbesorger zur APA.

SPÖ-Landespolitiker: "Eine Sauerei!"
Auf die Barrikaden steigt die Politik. Es sei eine "Sauerei", wenn der Staat für die Kosten des Rehab-Aufenthaltes von Elsner aufkomme, kritisierte SPÖ-Landesgeschäftsführer Gerald Passegger. "Ein einfacher Arbeiter, der nicht zusatzversichert ist, wird nicht im Privatsanatorium behandelt, der Millionär Elsner hingegen schon", zeigte sich der SPÖ-Mann empört und verlangt, "dass jeder Cent der Behandlungskosten von Herrn Elsner im Regress zurückgefordert wird und es keine Sonderbehandlung für ihn gibt".

In dasselbe Horn stößt ÖVP-Landesgeschäftsführer Siegfried Torta: "Es kann und darf nicht sein, dass die Rehabkosten für den Luxusaufenthalt in der Privatklinik, ebenso wie die Bewachungskosten, den Steuerzahlern in Rechnung gestellt werden." Kärnten sei schließlich nicht die Cote d'Azur und ein Rehabaufenthalt müsse nicht unbedingt in einer Privatklinik stattfinden. Torta: "Selbstverständlich müssen die Kosten für diesen Aufenthalt von Elsner selbst bezahlt werden."

Der geschäftsführende Kärntner BZÖ-Chef Stefan Petzner sieht die Sache aus zwei Blickwinkeln. Einerseits sei es "skandalös, einen der Verursacher des größten Wirtschaftskriminalfalles auf Staatskosten nach Kärnten zur Erholung zu schicken". Auf der anderen Seite sei die Gratis-Werbung für Treibach und in der Folge für ganz Kärnten nicht zu verachten. "Wir sollten uns überlegen, gemeinsam mit Elsner eine große Werbekampagne zu starten", meinte Petzner am Mittwoch lachend zur APA.

Grüne wollen Gesundheits- und Rechtssystem nicht mischen
Ernst reagierte hingegen Grünen-Landeschef Rolf Holub. "Auch ein schuldiger Mensch kann krank sein", meinte er auf die Frage, was er von Elsners Kuraufenthalt halte. Und Holub im Gespräch mit der APA weiter: "Das Eine ist das Gesundheitssystem, das andere das Rechtssystem."

Elsner wird vermutlich Anfang kommender Woche seinen Aufenthalt im Treibacher Kurhaus antreten und dort ein luxuriös ausgestattetes Zimmer beziehen, allerdings rund um die Uhr unter Bewachung stehen. Die im Eigentum der Humanomed-Gruppe stehende Klinik wirbt bereits auf ihrer Homepage mit dem illustren Kurgast.

(apa/red)