Kämpfer für Legalisierung der Sterbehilfe: Unheilbar kranker Italiener gestorben

Arzt gesteht: "Ich habe die Geräte abgeschaltet" Welby litt seit Jahren an unheilbarer Muskeldystrophie

Kämpfer für Legalisierung der Sterbehilfe: Unheilbar kranker Italiener gestorben

Der unheilbar kranke Italiener Piergiorgio Welby, der monatelang um das Recht auf Sterbehilfe gekämpft hatte, ist gestorben. Das berichtete der Chef der Radikalen Partei, Marco Pannella, der ebenfalls seit Jahrzehnten für die Legalisierung der Euthanasie in Italien eintritt. Welby, der seit 27 Jahren an progressiver Muskeldystrophie (Muskelschwund) litt und seit fast zehn Jahren nur noch durch künstliche Beatmung am Leben erhalten worden war, wurde angeblich Sterbehilfe geleistet - das behauptet nun zumindest der Anästhesist Mario Riccio.

Der an einem Krankenhaus in Verona tätige Mediziner behauptete bei einer Pressekonferenz der Radikalen Partei in der Abgeordnetenkammer, er habe Welby das Beatmungsgerät abgeschaltet, das den 60-jährigen Patienten am Leben hielt. "Ich habe Welbys Willen erfüllt zu sterben", sagte der Arzt. Riccio, ein angesehener Anästhesie-Arzt, betonte, er habe Welby außerdem die notwendigen Medikamente für einen schmerzlosen Tod gegeben. "Er ist innerhalb einer halben Stunde, kurz vor Mitternacht gestorben", berichtete der Arzt. Welby starb in der römischen Wohnung, in der ihn seine Frau Mina und andere Angehörige betreuten.

Ärzten drohen in solchen Fällen bis zu 15 Jahre Haft wegen Totschlag bzw. Mord, da in Italien sowohl aktive als auch passive Sterbehilfe verboten sind. Nur bei gehirntoten Patienten ist die passive Euthanasie erlaubt.

"Vor seinem Tod hat mir Welby für unseren Einsatz zur Legalisierung der Euthanasie gedankt. Wir werden ihn immer für seine Kraft, seine Liebe für die Freiheit und sein ziviles Engagement erinnern", sagte Pannella.

Nach Welbys Tod tobt nun in Italien eine heftige politische Debatte. Die konservativen Oppositionsparteien forderten die Verhaftung des Arztes Riccio. "Wir stehen vor einem Mord, der nicht unbestraft bleiben darf, nur weil der Mandant die Radikale Partei ist", kommentierte ein Spitzenpolitiker der christdemokratischen UDC, Luca Volonte'. Parlamentarier der Forza Italia um Oppositionschef Silvio Berlusconi sprachen gar von einer "barbarischen Instrumentalisierung" von Welbys Leid zu politischen Zwecken.

Welby hatte im vergangenen September eine heftige Debatte ausgelöst, als er in einem Brief den italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano um die "Gnade der Sterbehilfe" bat. "Ich bin ein Gefangener meines eigenen Körpers", hatte der Römer schottischer Abstammung betont. Zur Unterstützung für Welbys Forderung hatte die Radikale Partei am vergangenen Samstag zu Mahnwachen für den Kranken in 50 verschiedenen Städten aufgerufen. Mehrere hundert Menschen nahmen an den Solidaritätskundgebungen teil. Europaministerin Emma Bonino war bereits Anfang Dezember in einen zweitägigen Hungerstreik getreten, um Welby in seinem Kampf zu helfen.

Wegen der Causa Welby will sich nun auch das Parlament um das Thema Sterbehilfe kümmern. Die Gesundheitskommission des Senats konzentriert sich auf einen Gesetzesentwurf der Parteien der Mitte-Links-Regierungskoalition, derzufolge die Italiener das Recht haben sollen, mit einer Patientenverfügung bekannt zu geben, ob sie im Fall einer Krankheit im Endstadium eine Zwangsbehandlung ablehnen oder nicht. In der Verfügung können nur gewisse medizinische Maßnahmen abgelehnt werden. Mit dem Gesetzesentwurf sollen auch die Strafen für Angehörige abgeschafft werden, wenn sie aktive Sterbehilfe leisten. "Bald wird der Entwurf vom Senat überprüft", sagte der Präsident der Gesundheitskommission des Senats, Ignazio Marino.(apa/red)