Kämpfe weiten sich aus: Sri Lanka
droht nun Rückfall in den Bürgerkrieg

Norwegen startet neuen Vermittlungsversuch

Nach Jahren der relativen Ruhe sind in Sir Lanka wieder Bürgerkriegs-ähnliche Kämpfe voll entbrannt. Die Gefechte zwischen Tamilen-Rebellen und Regierungstruppen im Nordosten des Inselstaats weiteten sich am Mittwoch aus. Erstmals seit Beginn der Gefechte vor einer Woche drangen Kämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) auf bisher vom Militär kontrolliertes Gebiet vor. Nach Regierungsangaben sind mindestens 52 Tamilen-Rebellen und zwei Soldaten getötet worden.

Mehr als 80 weitere Kämpfer der LTTE und 14 andere Soldaten seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Colombo mit. Bodentruppen hätten Rebellenangriffe auf vier Armeecamps abgewehrt und seien dabei von Kampfhubschraubern und Jagdbombern unterstützt worden. Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet meldete dagegen, die Rebellen hätten die vier Camps in der Region Trincomalee gestürmt. Vier Soldaten seien getötet worden. Die LTTE teilte mit, sie habe keine Verluste gehabt.

Nach Angaben des Ministeriums versenkten Marine und Luftwaffe vier Boote der LTTE mit Selbstmordattentätern, die den Marinestützpunkt Trincomalee angreifen wollten. Tamilnet berichtete, die Armee versuche weiterhin, im Kampfgebiet um Mavilaru zu einer von der LTTE geschlossenen Schleuse eines Wasserreservoirs vorzudringen. Der Vorstoß sei abgewehrt worden. Die Schließung der Schleuse hat die schwersten Gefechte seit der Anfang 2002 zwischen den Befreiungstigern und der Regierung vereinbarten Waffenruhe nach sich gezogen. Seit Ende vergangener Woche sind Dutzende Menschen getötet worden. Rund 15.000 singhalesische Siedler sind von dem Wasser abhängig.

Tamilnet berichtete weiter, die Luftwaffe habe die Bombardements auf LTTE-kontrolliertes Gebiet fortgesetzt. LTTE-Kämpfer seien in den Ort Muttur nahe Trincomalee vorgestoßen. Durch Granatenbeschuss durch die Armee sei ein acht Jahre alter tamilischer Bub getötet worden. Ein Militärsprecher sagte, die Armee habe den Ort weitgehend wieder zurückerobert. Der tamilische Dienst der britischen BBC berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, tausende Moslems in dem vornehmlich moslemischen Muttur hätten in Moscheen und Schulen Schutz vor den Kämpfen gesucht.

Polizeiangaben zufolge drangen die Rebellen in Teile von Muttur ein, überrannten einen Polizeiposten und schossen von Gebäuden in der Stadt auf die Soldaten. "Alle Schulen sind geschlossen", sagte H.N. Gunasinghe, ein Bauer in einem Dorf südlich des Kampfgebiets. "Wir trauen uns nicht, Wasser holen zu gehen." Nahe einem Krankenhaus explodierten von Rebellen abgefeuerte Granaten und beschädigten das Gebäude. Im Distrikt Mannar im Nordwesten der Insel starb ein Soldat durch eine Mine, ein weiterer wurde nach Militärangaben vermutlich durch Rebellenbeschuss verletzt.

EU-Kommission besorgt
Die EU-Kommission zeigte sich über die anhaltende Blockade der Wasserversorgung für zehntausende Familien besorgt. "Es kann keine Rechtfertigung für Aktionen wie diese geben", erklärte Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in Brüssel. "Ich rufe beide Parteien dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren." Norwegen, das im Jahr 2002 den Waffenstillstand vermittelt hatte, teilte unterdessen mit, dass die srilankesische Regierung Verhandlungsbereitschaft signalisiert habe. Der Sondergesandte Jon Hanssen-Bauer kündigte für Donnerstag eine Vermittlungsreise nach Sri Lanka an.

Die Gewalt in Sri Lanka ist in den vergangenen Monaten eskaliert. Seit Dezember des vergangenen Jahres starben mehr als 800 Menschen bei Kämpfen und Anschlägen. Vor dem Waffenstillstand 2002 hatten zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg rund 69.000 Menschen das Leben gekostet. Die LTTE fordert weitgehende Autonomie des Nordens und Ostens der Insel, wo Tamilen die Bevölkerungsmehrheit stellen. Rund drei Viertel der etwa 20 Millionen Bewohner Sri Lankas sind Singhalesen. Sie bekennen sich überwiegend zum Buddhismus, während Tamilen vorwiegend Hindus sind.

(apa/red)