Kachelmann-Prozess von

Heute fällt das Urteil

Hat der Wettermoderator seine Ex-Geliebte vergewaltigt oder doch nicht?

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    Jörg Kachelmann wurde vor Gericht freigesprochen und beteuert nun: "Es gab keine Gewalt in meinem Leben".

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    Das Landgericht Mannheim hat Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Eine langjährige Geliebte hatte den Wettermoderator beschuldigt, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt.

Monatelang hat der Prozess um den Wettermoderator Jörg Kachelmann gedauert, heute soll endlich das Urteil gefällt werden. Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung musste er sich vor Gericht verantworten. Dazu kam heraus, dass der TV-Moderator gleich mehrere Geliebte gleichzeitig hatte. Kürzlich hat er eine von ihnen geheiratet. Ob die Ex-Freundin den bekannten Fernsehmoderator zu Recht oder zu Unrecht belastet, wird sich noch weisen. Ihre Angaben sollen glaubhaft aber widersprüchlich sein.

Die Verteidigung sieht im Kachelmann-Prozess keine Beweise gegen den Wettermoderator. Aus "Rache und Hass" habe die Ex-Freundin Jörg Kachelmann bewusst zu Unrecht belastet, sagte Verteidigerin Andrea Combe in ihrem Plädoyer. Die Frau habe sich von dem Gedanken leiten lassen: "Du hast mich vernichtet, dann vernichte ich dich auch." Die Nebenklägerin verfolgte das Plädoyer im Gerichtssaal. Immer wieder schüttelte sie bei den Ausführungen still den Kopf.

Combe versuchte in ihrem Plädoyer, systematisch jeden Verdacht gegen den Schweizer Moderator zu zerstreuen. Weder die Spuren auf dem Messer, mit dem Kachelmann seine Ex-Geliebte bedroht haben soll, noch die Verletzungen der Frau sind nach ihrer Ansicht geeignet, die Schuld des 52-Jährigen zu beweisen. "Es gibt keine Spuren an dem Messer, die die Version der Nebenklägerin bestätigen", sagte Combe vor dem Landgericht Mannheim.

Fehlende DNA-Spuren
Auf dem Messerrücken gibt es in der Tat keine DNA-Spuren des angeblichen Opfers. Das Argument der Staatsanwaltschaft, diese seien zufällig oder bewusst abgewischt worden, widerspreche jeder wissenschaftlichen Erkenntnis, sagte die Anwältin. DNA-Spuren ließen sich nicht einfach wegwischen. "Das Messer ist als Tatwerkzeug eindeutig auszuschließen."

Hämatome selbst zugefügt?
Die Verteidigung geht auch davon aus, dass sich die 38-Jährige die Hämatome an ihren Oberschenkeln selbst zugefügt haben könnte. Das Argument der Staatsanwaltschaft, es gebe eine natürliche Grenze, sich selbst Schmerzen zuzufügen, ist aus Sicht der Verteidigung nicht stichhaltig. "Wer dazu bereit ist, eine Belastung wie im vorliegenden Verfahren über sich ergehen zu lassen, ist mit Sicherheit auch dazu bereit, sich physisch erhebliche Schmerzen beizufügen", sagte Combe.

Dass die Frau zu angeblichen Vergewaltigung selbst nur wenige Angaben machen konnte, zu dem Streit- und Trennungespräch zuvor aber schon, erklärte die Staatsanwaltschaft mit der Todesangst der 38-Jährigen und verwies dazu auf ein Gutachten der Aussagepsychologin Luise Greuel. Demnach habe die Frau wegen des Messers am Hals Todesängste ausgestanden. Weil sich deshalb ihre Wahrnehmung auf das Messer konzentrierte, könne sie sich an die anderen Ereignisse und Details der Tat nicht gut erinnern.

Die Pflichtverteidigerin versuchte auch, die Persönlichkeit der ehemaligen Geliebten zu sezieren. Diese hatte eingestehen müssen, dass sie hinsichtlich der Vorgeschichte der angeblichen Tat in ihren ersten Vernehmungen gelogen hatte. Dies, sagte Combe, zeige die "Kaltschnäuzigkeit" und das "schauspielerische Talent" der Frau.

Hinweise über eine Nebenbuhlerin
Laut Staatsanwaltschaft hatte sich die Moderatorin nach elfjähriger Beziehung vor dem Treffen mit Kachelmann durchgerungen, ihn mit Hinweisen über eine Nebenbuhlerin zu konfrontieren. Kachelmann habe dies zuerst bestritten, dann aber eingeräumt, seit längerem Parallelbeziehungen zu unterhalten. Die Frau habe dann mit "Entsetzen, Wut, Ekel und Hass" reagiert und die Beziehung für beendet erklärt.

Die 38-Jährige hatte unter anderem später eingeräumt, dass sie bereits länger Kontakt zu einer Ex-Geliebten Kachelmanns hatte, als zunächst behauptet. "Das Verhalten der Zeugin zeigt deutlich, dass sie Lügen erfinden und aufrechterhalten kann."

Glaubhafte Schilderungen
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist die Schilderung der Frau dennoch glaubhaft, was den Tatvorwurf anbelangt. Die Anklage hatte vergangene Woche vier Jahre und drei Monate Haft für den Wettermoderator gefordert. Der 52-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Das Landgericht will sein Urteil heute verkünden.

Freispruch oder vier Jahre und drei Monate Haft?
Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge bewertete die Tat im Rahmen des Vorwurfs der besonders schweren Vergewaltigung als "minderschweren Fall". Da Kachelmann zudem durch die Medien belästigt und diffamiert worden sei, sein Privatleben in großem Umfang öffentlich wurde und er auch beruflich Schaden erlitten habe, sei eine Strafe von nur vier Jahren und drei Monaten angemessen. Der Anwalt des als Nebenklägerin auftretenden mutmaßlichen Opfers schloss sich der Forderung an. Die Verteidigung forderte einen Freispruch. Außerdem solle Jörg Kachelmann für die Untersuchungshaft sowie Durchsuchungen und Beschlagnahmen entschädigt werden, beantragte Verteidiger Johann Schwenn.