Justiz hat Defizite bei komplexen Fällen:
Ex-Europol-Direktor Ratzel im NEWS-Talk

Führender Experte bei Organisierter Kriminalität Österreich spielt dabei eine "interessante Rolle"

Justiz hat Defizite bei komplexen Fällen:
Ex-Europol-Direktor Ratzel im NEWS-Talk © Bild: APA/EPA

Das Nachrichtenmagazin NEWS veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe ein Interview mit dem langjährigen Europol-Direktor Max-Peter Ratzel, der als einer der führenden Experten in Sachen Organisierte Kriminalität (OK) in Europa gilt.

Ratzel ist der Ansicht, dass Finanzermittlungen bei der Bekämpfung der OK entscheidend seien. In diesem Zusammenhang spiele Österreich "aufgrund seiner geographischen Situation" eine "interessante Rolle". Ratzel: "Österreich ist am Bankensektor sehr stark am Balkan und in Osteuropa engagiert. Da gab es sehr interessante Kontoverbindungen, die zum Geldtransfer genutzt wurden."

Das Bankgeheimnis sei bei Ermittlungen dann ein Problem, "wenn es umfassend gilt und umfassend eingehalten wird."

Zum Fall des Kasachen Rakhat Aliev, der auch im neuen Buch des Mafia-Aufdeckers Jürgen Roth beschrieben wird, sagt Ratzel: "In diesem Fall gibt es konkrete, millionenschwere Geldbewegungen, in verschiedenen Quellen ist von bis zu 100 Millionen Euro zu lesen. Denen sollte die Justiz nachgehen, um bestehende oder frühere Netzwerke von Organisierter Kriminalität aufzudecken."

Den Eindruck, dass die Justiz mitunter aufgrund des langen Arms der OK nicht ermittle, teilt Ratzel nicht. Aber: "Viele in der Justiz tun sich schwer damit, international verzweigte, komplexe Fälle akribisch durchzuermitteln und anklagereif zu gestalten."

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