Jungwirth-Prozess von

Stoss fordert Millionen

ÖOC-Präsident ortet "eindeutige Worte" und will jetzt Millionen einfordern

Jungwirth-Prozess - Stoss fordert Millionen © Bild: GEPA/Walgram

ÖOC-Präsident Karl Stoss hat mit Genugtuung auf den Schuldspruch gegen Heinz Jungwirth reagiert und angekündigt, die gesamte Schadenssumme von 3,3 Millionen Euro einfordern zu wollen. Es sei zwar noch keine Rechtskraft gegeben, dennoch habe das Gericht "eindeutige Worte gesprochen, da spreche ich meine Hochachtung aus, das hätte ich nicht erwartet", sagte der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) in London in einem ORF-Interview.

Der seit Herbst 2009 amtierende Stoss sieht die Rolle des ÖOC bei der Aufklärung der Vorfälle bestätigt. "Wir konnten viel beitragen. Wir haben von der ersten Minute an alles daran gesetzt, dass es aufgearbeitet wird. Wir werden in der Aufarbeitung bestätigt", betonte Stoss und kündigte die Rückforderung der vom Gericht zuerkannten 1,5 Millionen und auch des Restbetrages an.

Zunächst hofft Stoss, dass die 1,5 Millionen vom ehemaligen ÖOC-Generalsekretär Jungwirth eingetrieben werden können. "Wir müssen erst die Rechtskräftigkeit abwarten und dann schauen, wie wir zu diesem Geld kommen und was noch vorhanden und verwertbar ist. Wir werden mit aller Kraft und Vehemenz versuchen, es einzufordern", bekräftigte der ÖOC-Chef. Für den Rest werde man sich überlegen, welche Möglichkeiten bestehen, auch dieses Geld zurückzubekommen.

Widerwärtige Mentalität
Zu der vom Richter bei Jungwirth erkannten "widerwärtigen altösterreichischen Funktionärsmentalität" wollte sich Stoss nicht dezitiert äußern. Es seien aber "in allen Gesellschaftsformen schwarze Schafe" zu finden, bemerkte der Vorarlberger.

Auch die Rolle seines Amtsvorgängers Leo Wallner, gegen den die Staatsanwaltschaft weiterhin ermittelt, könne er nicht beurteilen. Alle Vorgänge seien vor seiner Zeit passiert. Dass Ex-ÖOC-Chef Wallner weiterhin im Internationale Olympischen Komitee (IOC) sitze, sei alleinige Angelegenheit des IOC. "Darauf haben wir keinen Einfluss. Wichtig ist, dass Österreich im IOC vertreten ist, man kann aber darüber diskutieren, wer oder was zweckmäßig ist", meinte Stoss.

Unglücklicher Zeitpunkt
Dass das Urteil gegen Jungwirth ausgerechnet während der Olympischen Spiele gefällt wurde, bezeichnete er als nicht glücklich. Die Gerichte würden sich eben nicht am Olympia-Zeitplan orientieren, erinnerte Stoss. "Die sportlichen Ereignisse werden durch negative Begleiterscheinungen überlagert. Ich hoffe, dass das bald aus den Schlagzeilen verschwindet".

Darabos sieht wichtigen Schritt
Sportminister Darabos meldete sich per Aussendung zu Wort: "Ein erster wichtiger Schritt für die Aufarbeitung der skandalösen Malversationen im ÖOC. Es war das Bohren harter Bretter, die Aufräumarbeiten im ÖOC in Gang zu bringen. Nach wie vor liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns, den einst so guten Ruf des ÖOC wiederherzustellen. Selbstbereicherung und Freunderlwirtschaft haben nirgendwo etwas verloren und schon gar nicht im ÖOC", so der SPÖ-Politiker.