Junge Mutter angezeigt: Neuer Verdachts-
Fall von Kindes-Drama in Oberösterreich

Urgroßvater des Buben alamierte Linzer Behörden Sozialreferentin: Nehmen das "sehr, sehr ernst"

Nach dem Bekanntwerden des Falls dreier von ihrer Mutter abgeschirmten Mädchen werden jetzt zunehmend weitere Verdachtsfälle von angeblich vernachlässigten Kindern an die Medien herangetragen. In Linz wurde eine Anzeige gegen die 20-jährige Mutter eines dreijährigen Buben bekannt.

Der Urgroßvater des Kindes hatte den Fall ins Rollen gebracht. Man nehme das Ganze "sehr, sehr ernst", betonte Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer. Mit der Affäre um drei angeblich von ihrer Mutter in Oberösterreich abgeschirmte Kinder sei der Fall aber nicht vergleichbar.

Der Urgroßvater hatte keinen Kontakt mehr zu der jungen Frau gehabt und ihre Wohnung aus Sorge mit einem Zweitschlüssel aufgesperrt. Dort fand er die drei Haustiere der 20-Jährigen: zwei abgemagerte Katzen und einen Hund. Die Räume waren mit Kot übersät. Von der Mutter und ihrem Kind fehlte jede Spur. Der Mann alarmierte die Polizei und erstattete Anzeige wegen Tierquälerei. Auch das Jugendamt wurde eingeschaltet.

Gericht muss über Fall entscheiden
Wie sich herausstellte, hatte die 20-jährige gemeinsam mit ihrem Kind seit zwei Wochen bei einer Bekannten gelebt und sich nicht mehr um die Wohnung und die Tiere gekümmert. Der Bub wurde der Mutter gegen ihren Willen abgenommen und der Urgroßmutter übergeben. Nun hat das Gericht über den Fall zu entscheiden.

Holzhammer erklärte, dass die seit kurzem arbeitslose Frau seit zwei Jahren unter Beobachtung des Jugendamtes gestanden sei. Von einem Alkohol- oder Drogenproblem sei nichts bekannt. Bis Ende 2006 habe der Bub eine Krabbelstube besucht, seit Jahresbeginn einen Kindergarten. Die 20-Jährige habe mit ihrem Sohn auch die Mutterberatung in Anspruch genommen. Holzhammer sprach von einem "Grenzfall": Vor dem 31. Jänner habe eine Sozialarbeiterin die Wohnung zuletzt besichtigt und von einem "akzeptablen Zustand" berichtet. Für vergangenen Montag wäre ein weiterer Termin vereinbart gewesen, es habe laut Holzhammer aber auch unangemeldete Besuche gegeben.

Die Frau könnte mit der Betreuung und Erziehung des Buben überfordert gewesen sein, sagte die Sozialreferentin. Man werde das genau prüfen. Der Gesundheitszustand des Kindes sei in Ordnung, es sei sowohl körperlich als auch sprachlich normal entwickelt. Von Seiten der Behörde habe es "kein Versäumnis" gegeben, betonte Holzhammer.

Auch die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten über drei Mädchen, die laut einem Anrufer im Bezirk Rohrbach unter katastrophalen Verhältnissen aufwachsen sollen. Sie sind unter Aufsicht der Behörde. Einen Grund, den Eltern die Kinder wegzunehmen, gebe es jedoch nicht.

Jährlich rund 5.000 Anzeigen
Bei der Jugendwohlfahrt in Oberösterreich gibt es jährlich rund 5.000 Anzeigen, hieß es aus dem Büro von Soziallandesrat Josef Ackerl. Diese Zahl habe sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch erhöht und sei seit zwei Jahren konstant geblieben. Als Grund nannte das Büro Ackerl die gestiegene Bereitschaft, Beobachtungen den Behörden zu melden.

Die Fälle würden generell immer komplexer, erklärte der Leiter des Instituts für Familien- und Jugendberatung in Linz, Harald Karlinger. Lücken werde es immer geben. In Linz befanden sich per Ende 2006 rund 300 Kinder in Fremdbetreuung. Etwas mehr als die Hälfte war in Einrichtungen untergebracht, der Rest bei Pflegefamilien.

(apa/red)