Junge Garde: Hubert Neuper bewundert Youngsters wie Gregor Schlierenzauer

"Ein Ausnahmetalent, wie es alle 10 Jahre erscheint" Neuper Österreichs bisher jüngster Gesamtsieger

Während tausende Skisprung-Fans am Fuß der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen ihren Idolen Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer zujubeln und den Ort mit Glühweindunst einnebeln, sitzt Österreichs bisher jüngster Gesamtsieger der Vierschanzen-Tournee zu Hause in Bad Mitterndorf vor dem TV-Gerät. Hubert Neuper, der die Tournee 1979/80 im Alter von 19 Jahren und 99 Tagen erstmals gewann und seinen Titel im Jahr darauf erfolgreich verteidigte, kümmert sich lieber um seine Ski-Schule. "Ich war so lange auf der Tournee unterwegs, da geht mir wirklich nichts ab."

Die Euphorie um das 17-jährige ÖSV-Wunderkind Gregor Schlierenzauer, der dieser Saison bisher gemeinsam mit dem 21-jährigen norwegischen Tournee- und Weltcup-Leader Anders Jacobsen und dem 22-jährigen finnischen "Newcomer" Arttu Lappi seinen Stempel aufdrückte, verfolgt Neuper dennoch mit Interesse. "Gregor ist ein Ausnahmetalent, wie es vielleicht alle zehn Jahre auf dem Springerhimmel erscheint. Ein Phänomen, das plötzlich da und dann fast unbesiegbar ist. Man kann ihn mit Matti Nykänen, Jens Weißflog oder Andi Goldberger vergleichen."

Schlierenzauer erinnert den mittlerweile 46-Jährigen, der hinter Toni Nieminen (1992 mit 16 Jahren) und Primoz Peterka (1997 mit 17) noch immer der drittjüngste Tournee-Sieger ist, auch an den "jungen" Neuper. "Für mich war es damals ähnlich. Ich war in der Öffentlichkeit völlig unbekannt und bin dann in so ein Leben eingetaucht", so Neuper, der bei seinem ersten Triumph 1979/80 nach Tagessiegen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck den Grand Slam in Bischofshofen verpasste.

Der Olympia-Silbermedaillengewinner von Lake Placid 1980 (Großschanze) und Sieger von acht Weltcup-Springen weiß daher: "Im Prinzip ist das für einen so jungen Springer kein Problem, die Konzentration ist auf das Wesentliche gerichtet, der Rest ist dir ziemlich wurscht. Kompliziert wird es erst später, wenn sich das Ego entwickelt und man denkt: 'Eigentlich bin ich schon ein klasser Bursch'."

Produkt guter Nachwuchs-Arbeit
Im Gegensatz zu Jacobsen, der in Norwegen eher zufällig entdeckt wurde, sind Morgenstern, Schlierenzauer, Mario Innauer und Co. laut Neuper "das Ergebnis einer sehr guten Arbeit im ÖSV. In Österreich wird von unten bis ganz oben gut gearbeitet", betont der heutige Sportmanager, gelernte Flugzeugpilot und Leiter seiner Ski-Schule, der seine Skisprung-Karriere im Jänner 1985 mit dem Dreikönigs-Springen beendete und von 1997 bis 2000 als Geschäftsführer der Österreichischen Sporthilfe tätig war.

Neuper, der in dieser Funktion die World Sports Awards ins Leben rief und heute Geschäftsführer der Neuper Group GmbH ist, plant neben dem jährlichen Skiflug-Weltcup schon wieder die nächste Veranstaltung am Kulm. "Wir bereiten einen Speed-Ski-Weltcup-Bewerb vor und werden damit sehr bald an die Öffentlichkeit gehen", erklärte der zweifache Familienvater. Mit der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen hat sich Neuper übrigens 1982 "versöhnt", als er hier seinen letzten Tagessieg auf der Tournee feierte.

(apa/red)