jugendstil

Es ist dem aufblühenden Industriezweig des Schleifens von Edel- und Kompositionssteinen in Nordböhmen zu verdanken, dass im tschechischen Turnov (Turnau) im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Fachschule für Schmuck und Edelsteine ins Leben gerufen wurde.

Dort entstanden außergewöhnliche Schmuckstücke, die von 1. April bis 10 Mai unter dem Titel "Vom Jugendstil zum Art Deco" im Wagner:Werk Museum Postsparkasse in Wien zu sehen sind. Gezeigt werden nicht nur fein gearbeitete Broschen, Ketten oder Pokale, sondern auch die dazugehörigen Entwürfe.

Schule mit großen Ambitionen
1884 wurde in Turnau im Zuge von Neugründungen von Fachschulen vom Kultus- und Unterrichtsministeriums der k.u.k. Monarchie die Fachschule für das Schleifen und Fassen von Edelsteinen ins Leben gerufen. Schon 1904 war die Schule mit künstlerischen Arbeiten zur Weltausstellung nach St. Lois in die Vereinigten Staaten eingeladen. Jene Granatbrosche im Stil des französischen floralen Jugendstils, die in St. Lois mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet wurde, ist auch in Wien zu sehen. Ausgestellt sind auch Pokale aus dem Jahr 1901, die aus Rauchquarz, Gold, Email und Edelsteinen gefertigt wurden. Auch kunstvolle Kämme aus Gold, Perlmutt, Saphiren und böhmischen Granaten haben ihren Weg nach Wien gefunden.

Schmucke Stücke
Angesichts des Ägypten-Hypes rund um die "Tutanchamun"-Ausstellung des Kunsthistorischen Museums sticht auch eine Schmuckserie hervor, die mit ägyptischen Motiven spielt: Neben einer aus Gold, Nephrit, Opal, Lapislazuli und Email gefertigten Nadel mit Skarabäus sind auch eine Brosche und eine Kette mit Pharaonenköpfen zu sehen.

Pariser Einfluss
Bis in die 40er Jahre reichen die Exponate der Ausstellung, die auch zahlreiche silberne Dosen, Kerzenleuchter oder einen Handspiegel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs versammelt. Während die Schularbeiten aus den Anfangsjahren noch im Zeichen der Stilkopien des Historismus standen, wurde bereits 1901 der Jugendstil vorherrschend. Die Orientierung am französischen Art Nouveau verdankt die Schule dem Direktor Josef Masek, der zur Pariser Weltausstellung reiste, wo die mitreisenden Professoren vor allem von Arbeiten Rene Laliques beeindruckt waren, heißt es im Begleittext.

Wiener Tradition
Aber auch der Einfluss aus Wien war groß - allerdings zeichnete sich die Schule dadurch aus, dass sie sich von vorn herein als tschechische Schule sah, was sich nicht nur bei der Vergabe der Lehrstellen zeigte, sondern auch die Schülerstruktur beeinflusste und die Orientierung an der Tradition des nationalen Kunsthandwerks betonte. Für den Ruf der Schule zeichneten unter anderem Künstler wie Frantisek Kulhanek und Josef Varcl verantwortlich. (apa/red)