Jubiläum: 125 Jahre Festnetz in Österreich:
Telefonie begann mit nur 154 Teilnehmern

Fünf Jahre nach Bells Erfindung kamen Telefone Erste Telefonzentrale in Wien war "sehr bescheiden"

Jubiläum: 125 Jahre Festnetz in Österreich:
Telefonie begann mit nur 154 Teilnehmern © Bild: Telekom

Fünf Jahre nachdem Alexander Graham Bell seine Erfindung zum Patent angemeldet hatte, wurden in Wien schon die ersten Telefongespräche geführt. Das k. k. Handelsministerium erteilte der "Wiener Privat Telegraphen Gesellschaft" im Herbst 1881 die Bewilligung zum Betrieb einer Telefonanlage, bereits im Dezember wurde die erste Vermittlungszentrale in der Friedrichstraße eröffnet. Die Telekom Austria zeigt zum 125. Geburtstag eine Ausstellung zur Geschichte des Festnetzes.

"Sehr bescheiden" war die erste Telefonzentrale in Wien, erzählte Mirko Herzog vom Wiener Technischen Museum. An Vermittlungstischen saßen die allbekannten "Fräuleins vom Amt", um Telefonate zum richtigen Bestimmungsort weiterzuleiten bzw. zu "stöpseln". Dass hier vor allem Frauen beschäftigt waren, hatte zwei Gründe: Die höheren Frequenzen einer Frauenstimme waren bei schlechter Leitungsqualität besser zu verstehen als die tieferen Männerstimmen. "Außerdem hatten vor allem die Töchter aus hohem Hause die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten, natürlich zu einem sehr geringen Lohn", so Herzog.

Anfangs nur für exklusive Klientel
Für 500 Anschlüsse war die Zentrale vom Telegrafenmechaniker und Unternehmer Otto Schäffler konzipiert, stolze 154 Teilnehmer zählte das Wiener Netz zu Beginn. "Es waren meist Leute des öffentlichen Lebens wie Journalisten und Bankiers, die sich das leisten konnten", weiß Herzog. Geplaudert wurde aber nicht, in erster Linie war das Telefon zur schnellen mündlichen Übermittlung von Telegrammen gedacht, deswegen auch sein damaliger Zweitname, "sprechender Telegraf".

Trotz Hürden ein Erfolg
Trotz dieses exklusiven Vergnügens - je weiter der Apparat von der Zentrale entfernt, desto teurer - war die Entwicklung des Telefonnetzes nicht mehr aufzuhalten. Zwischen 1882 und 1884 stieg die Teilnehmerzahl von 450 auf 700, über eine Million Gespräche wurden geführt. Laut Herzog kam jeder Teilnehmer in dieser Zeit auf vier Telefonate pro Tag. Einfach gestaltete es sich aber nicht, die ersten hölzernen Apparate mit Hör- und Sprechschläuchen waren meist an der Wand befestigt. Durch eine Kurbel wurde ein Generator im Apparat aktiviert, der erzeugte elektronischen Impuls ging direkt an die Telefonzentrale. Am Vermittlungsschrank löste sich daraufhin eine Klappe, die der Telefonistin den Wunsch nach Verbindung signalisierte.

Gestern, heute und morgen
Die Geschichte des Festnetzes wird von der Telekom Austria in einer Ausstellung in vier Zeitzonen veranschaulicht: Die ersten Zwei beschäftigen sich mit den ersten Wandapparaten von 1881 bis 1927, sowie mit der Etablierung des Telefons zum Massenkommunikationsmittel bis zum Jahr 1972. Der Abschnitt bis 1992 steht unter dem Aufbau des neuen Telefonsystems in Österreich und den Anfängen des Internets. Auch die Zukunft der Telekommunikation soll die Ausstellung in der Telekom-Unternehmenszentrale näher beleuchten. So können Besucher auf der "WikiMap" des Ars Electronica Center, einem interaktiven, virtuellen Stadtplan, wie auf einer Pinnwand Bilder, Texte und Klänge für bestimmte Orte anbringen.

Event-Tipp:
Die Jubiläumsausstellung "125 Jahre Festnetz - Net works for me" ist von 10. bis 12. November in der Unternehmenszentrale der Telekom Austria, Lassallestraße 9, 1020 Wien zu besichtigen. Öffnungszeiten: jeweils 10.00 bis 17.00 Uhr, Eintritt frei.

(apa/red)