"Jörgi, Jörgi" schallt es laut: Ungläubigkeit, Glückseligkeit und Euphorie in BZÖ-Zentrale

Zukunftsakademie: Begeisterte orange Anhänger Blauer Erfolg: Genugtuung über Signale von der FPÖ

"Jörgi, Jörgi" schallt es laut: Ungläubigkeit, Glückseligkeit und Euphorie in BZÖ-Zentrale © Bild: APA/Hochmuth

Von Ungläubigkeit über Glückseligkeit bis zu grenzenloser Euphorie hat am Wahlsonntag in der BZÖ-Wahlzentrale das Stimmungsbarometer ausgeschlagen. Zeigte man sich beim Eintrudeln der ersten Zahlen noch vorsichtig, brachte die Hochrechnung um 17 Uhr die überfüllte Zukunftsakademie in der Wiener Innenstadt zum Kochen. Mit "Jörgi, Jörgi"-Chören wurde dem Spitzenkandidaten Jörg Haider, der sich gar nicht unter seinen Getreuen befand, gehuldigt.

Als etwas zu klein hatte sich gegen Abend die "Zukunftsakademie", die Kaderschmiede des Bündnisses, erwiesen. Trudelten gegen Nachmittag die orangen Wahlkämpfer und Funktionäre nur spärlich ein, wurde gegen 17 Uhr schon ordentlich gedrängt. Viel Parteiprominenz war nicht anwesend, neben den beiden Generalsekretären Stefan Petzner und Martin Strutz kamen noch Klubchef Peter Westenthaler und der Wiener Spitzenkandidat Herbert Scheibner.

Als gegen 14 Uhr die ersten Zahlen über die Computerbildschirme eintrudelten, war noch Ungläubigkeit der Marke "Das gibt es nicht" vorherrschend. Nach und nach manifestierte sich aber der Gedanke, dass das BZÖ zweistellig in den Nationalrat einziehen könnte. Als die orange Säule bei der ORF-Übertragung der Hochrechnung immer weiter wuchs, hielt sich der Jubel im knapp 40 Grad heißen Raum kaum in Grenzen. Bei der SPÖ gab es "Uuhs", der ÖVP "Oohs", bei der blauen Säule war ein verhaltenes Murren zu vernehmen.

Zur Stärkung gab es Bodenständiges: Frankfurter und Bier wurden verdrückt, Brötchen und Torten ergänzten das Angebot. Größtes Medieninteresse - auch internationales - gab es für den früheren Parteichef Westenthaler, der mit Petzner gemeinsam die Berichterstattung verfolgte. Als berichtet wurde, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Höheres beansprucht, entfuhr Petzner: "Strache will Kanzler werden, ich glaub auch." Als aber aus Richtung FPÖ Signale kamen, niemanden auszugrenzen, machte sich Genugtuung breit.

Ausklang im "Stylez"
Im Wiener Lokal "Stylez" hat das BZÖ den Wahlsonntag ausklingen lassen. Haider kam nach der Elefantenrunde im Fernsehen zu seiner Fanschar. Diese begrüßte ihren Parteichef wieder einmal mit "Jörgi, Jörgi, Jörgi", bis dahin verlief die Feier eher ruhig. Haider rief seine Gefolgsleute auf, den Abend gemütlich zu begehen. "Nicht übertrieben, sondern in der nötigen Gelassenheit."

Zum Lied "The Final Countdown" schritt Haider in Popstar-Manier durch die wartende Menschenmenge. Der BZÖ-Spitzenkandidat bedankte sich nochmals bei seinem Wahlkampfleiter Stefan Petzner, der dafür gesorgt hatte, dass das BZÖ im Wahlkampf "sehr sympathisch aufgetreten" sei. Man habe eine bunte Liste an bewährten Mitstreitern und neuen Gesichtern zusammenstellen können. Nun sei die Zeit gekommen, weitere Schritte zu setzen.

Kritik übte Haider nach der Diskussion der Spitzenkandidaten im ORF nur an SPÖ-Chef Werner Faymann. "Er glaubt noch immer, er hat die absolute Mehrheit." Zuversichtlich blickt man beim BZÖ jetzt in die Zukunft. "Ich hoffe, dass wir mit der neuen Konstellation auf Dauer unsere politische Existenz in der österreichischen Parteienlandschaft gut abgesichert haben."

(apa/red)