Jörg Haiders Tod lässt viele Fragen offen:
Vor Unfall kehrte er noch in Szene-Lokal ein

1,8 Promille: Vor Heimfahrt in Klagenfurt getrunken?<br>Landeshauptmann lehnte eine Mitfahrgelegenheit ab Staatsanwaltschaft: Stand nicht unter Drogeneinfluss

Jörg Haiders Tod lässt viele Fragen offen:
Vor Unfall kehrte er noch in Szene-Lokal ein © Bild: APA/Telsing

Jörg Haider raste stark alkoholisiert in den Tod. Zum Unfallzeitpunkt hatte der am 11. Oktober verstorbene Landeshauptmann 1,8 Promille Alkohol im Blut. Offen ist, wann und wo Haider so viel Alkohol konsumierte. Vor seinem tödlichen Crash kehrte der BZÖ-Chef noch in einem Klagenfurter Innenstadtlokal ein und war nicht wie ursprünglich behauptet von Velden direkt heim gefahren.

Fakt ist: Haider hatte am 10. Oktober einen dichtgedrängten Terminkalender. Am Gedenktag der Kärntner Volksabstimmung von 1920 nahm der Partei-Chef am Vormittag an zwei Feiern teil, überreichte zu Mittag Preise an die Sieger des Bundesjungmaurer-Wettbewerbs und absolvierte am frühen Nachmittag einen Medientermin mit der "Kleinen Zeitung". Um 21.45 Uhr tauchte Haider bei einer Party in der Veldener Nobeldiskothek "Le Cabaret" auf.

Bei der Veranstaltung, eine Präsentation des Magazins "Blitzlicht-Revue", soll Haider mehrerer Zeugenaussagen zufolge keinen Alkohol konsumiert haben. Veranstalter Egon Rutter erklärte, dass Haider höchstens einmal "an einem Glas Sekt genippt und angestoßen hatte".

Diese Aussage deckt sich mit der von Stefan Petzner. Dieser meinte gegenüber der "Kleinen Zeitung": "Zu dem Zeitpunkt war er in keiner Weise alkoholisiert, er war stocknüchtern und fahrtauglich." Bleibt die Frage, wo und wann der verstorbene Politiker einen Alkoholpegel von 1,8 Promille aufbauen konnte.

Besuch in Klagenfurter Lokal
Haider soll das Lokal "Le Cabaret" gegen 23.00 Uhr verlassen haben, um nach Klagenfurt zu fahren. Wie die "Neue Kärntner Tageszeitung" berichtet, habe er sich ab etwa 0.15 Uhr in einem einschlägig bekannten Lokal - dem "Stadtkrämer" - aufgehalten. Ursprünglich hatte es geheißen, Haider hätte sich nach seinem Termin in Velden direkt auf den Weg nach Hause gemacht. Wie viel Alkohol er in Klagenfurt trank ist unklar.

Unter Berufung auf eine bei der Staatsanwaltschaft eingelangte E-Mail bestätigte unterdessen der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, dass Haider vor seinem Unfall in einem Szenelokal gewesen sei. Aus der Nachricht gehe hervor, dass ihm angeboten worden sei, ihn nach Hause zu bringen, was Haider jedoch abgelehnt habe.

Um 0.45 Uhr verließ er schließlich die Lokalität an der Bahnhofsstraße in Klagenfurt um danach Richtung Bärental zu fahren. In Lambichl verunglückte er um 1.15 Uhr.

Kein Drogeneinfluss
Der bisher nicht bekannte Besuch im "Stadtkrämer" könnte erklären, warum Haider 1,8 Promille im Blut hatte, obwohl er bei der Veranstaltung in Velden nicht getrunken haben soll. Fraglich bleibt, ob die Zeitspanne vom Verlassen der Veldener Diskothek bis zum Verlassen des "Stadtkrämer" ausreichte, um sich 1,8 Promille anzutrinken. Offen ist auch, was Haider veranlasste, beim "Stadtkrämer" einzukehren.

Petzner betont, er wisse, dass es eine "zeitliche Lücke" gebe, doch die betreffe die "Privatperson Haider". Der ehemalige Pressesprecher appellierte, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Petzner gab in einem Interview mit der ZiB2 an, er habe sich von Haider nach dessen Besuch im Veldener "Le Cabaret" getrennt. Er fuhr noch ein paar hundert Meter mit Haider mit und stieg dann aus dem Auto aus.

Fest steht: Haider stand bei seinem Unfall nicht unter Drogeneinfluss. "Im Vortestverfahren ist alles negativ, keine Drogen", so Kranz, im Ö1-Mittagsjournal.

(red)