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MUT wird belohnt!

Ein Leben lang der gleiche Arbeitsplatz: Dieser Berufsweg ist ein Auslaufmodell

Lehrlinge am Bau © Bild: Corbis/Ariel Skelley/Blend Images LLC

Früher entschied sich mit spätestens 14, was man später sein Lebtag lang tun würde. Die Zeiten haben sich geändert. Ein geradliniger Berufsweg von der Wiege bis zur Bahre ist ein Auslaufmodell. Brüche sind gewollt!

Kaum jemand kennt das nicht: Den Wunsch, aus dem täglichen Hamsterrad, dem 9 to 5 Job auszubrechen, dem langweiligen Alltag Adieu zu sagen und noch einmal von ganz vorne zu beginnen. Sich neuen Herausforderungen zu stellen und auszutesten, was das Leben noch so parat hält.

Klingt wunderbar, erfordert allerdings eine gewaltige Portion Mut. Was ist, wenn die monatlichen Kreditraten drohen, die Kinder versorgt und die Katze gefüttert werden will? Manche trauen sich trotzdem über diesen Schritt – aus Überzeugung, aus Notwendigkeit oder einfach, weil sie es wollen. Einige müssen aus naturgegebenen Umständen eine neue Richtung einschlagen. Prominente Beispiele dafür sind Spitzensportler, die einfach aus Alters- oder Gesundheitsgründen schon in jüngeren Jahren einen Plan B brauchen, um das weitere Leben zu finanzieren und zu gestalten.

Nicht immer verläuft der Berufsweg linear steil nach oben. Viele erfolgreiche Menschen weisen in ihrem Lebenslauf Brüche auf – gewollt oder ungewollt. Und – ehrlich betrachtet – wer hat schon mit 14, 15 Jahren so konkrete Vorstellungen, wie das weitere Leben verlaufen soll? Klar, „reich und berühmt werden“, „keine finanziellen Sorgen haben“ sind Ziele und Wünsche, die die meisten verfolgen. Nicht unmöglich, wenn man sich aus eigener Kraft darum bemüht. Wichtig ist allerdings vor allem, selbst in seinem Tun glücklich zu sein. Wenn das Veränderungen bedarf – nur Mut! Mit etwas Engagement, eisernem Willen und Durchsetzungsvermögen ist fast alles erreichbar.

Vom Tellerwäscher zum Millionär klingt beinahe genauso utopisch wie vom Steirerbuam zum Gouverneur von Kalifornien. Beides ist aber möglich – freilich gehören eine Portion Glück und die richtigen Menschen zur rechten Zeit auch dazu. Österreihs National-Arnie ist aber ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Karriere mit jeder Menge Brüche. Wer hätte gedacht, dass der 21-jährige Grazer Auswanderer zum Bodybuidling-Champion wird? Der für seinen Akzent Belächelte zum gefeierten Hollywood-Star? Und dass dieser, als ob das zusammen mit der Ehe mit einer Schönheit aus dem Kennedy-Clan nicht schon genug für ein einziges Leben wäre, noch in der US-Politik Karriere macht.

Aber man muss nicht immer gleich über den großen weiten Ozean blicken, um erfolgreiche Karrieren mit Brüchen zu finden. Der „American Dream“ ist auch hierzulande möglich. Es muss nicht immer der große Reichtum sein, auch Selbstverwirklichung und das Ausleben der eigenen Kreativität reicht für das persönliche Stück vom Glück. Gemäß dieser Devise hat auch Renate Gruber ihren Broterwerb als Grafikerin an den Nagel gehängt und sich den süßeren Seiten des Lebens gewidmet. Konkret: den Cupcakes. Mit den schmucken Törchen hat sie in Wien eine Marktnische geschlossen und die in den englischsprachigen Ländern bereits Kult gewordenen Kuchen im Land der Sachertorte etabliert.

Schuster, bleib bei deinen Leisten?
Nein, dachten sich Moriz und Mike. Die beiden ehemaligen Marketing-Berater haben den PC gegen die Nadel getauscht. Und fertigen jetzt als Gebrüder Stitch die ersten maßgeschneiderten, nachhaltigen Jeans des Landes. Das Know-how für eine gelungene Selbstinszenierung hatten sie bereits, das Handwerk eigneten sie sich in wenigen Monaten an. Heute sind sie ein Vorzeige-Beispiel für Start-ups. Und für Menschen, die sich getraut haben, etwas völlig Neues zu machen.

Raus aus dem Hamsterrad.
Warum tun sich Menschen, die in ihrem Job etabliert sind, das an? Im Fall von Claudia Rossbacher, Ex-Model, Ex-Werberin und nun erfolgreiche Krimiautorin (ihr Regionalkrimi „Steirer-blut“ wurde verfilmt und wird nächstes Jahr im ORF ausgestrahlt) ist klar: „Wäre ich in meinem alten Beruf geblieben, ich wäre auf ein Burnout zugesteuert.“ Im Laufe der Jahre kam die Begeisterung abhanden, das Gefühl, sich nicht mehr weiterentwickeln zu können, nahm Überhand. Ähnlich lautete die Begründung der Gebrüder Stitch. Zu wenig Spielraum, um die eigene Kreativität zu entfalten, war mit ein Grund für die Neuorientierung. „Jetzt können wir machen, worauf wir Lust haben“, so Moriz.

Leben nach dem Sport.
Das Leben als Spitzensportler hat naturgemäß ein Ablaufsdatum. Folgt nicht verletzungsbedingt – kaputte Knie oder Bänder. – das vorzeitige Aus, so ist spätestens mit Mitte 30 Schluss. Doch was anfangen mit dem Leben danach? Viele ehemalige Profisportler verdingen sich ihren Lebensunterhalt als Werbe-Testimonials. Es geht aber auch anders. Ein richtiger Durchstarter diesbezüglich ist Hartmut Weirather, genannt Harti. Der Abfahrtsweltmeister aus 1982 ist heute ein Big Player im weltweiten Sport-Marketing. Damals sprach er befreundete Reporter im Skizirkus an: „Da gibt’s einen talentierten Tiroler Autorennfahrer. Schreibt’s was über den, der wird was“. Sein Protegé hieß Gerhard Berger. So begann die zweite Karriere des Profisportlers. Schon früh entwickelte er einen Riecher für Erfolgreiche und fürs Geschäft. Harti suchte und fand potente Helmsponsoren für sich und seine Kollegen. Schon Jahre zuvor hatte der Bauernbub als unbekannter Nachwuchsläufer Wagemut abseits der Piste gezeigt. Als 13-Jähriger stellte er sich in der Skischule krank, fuhr per Autostop nach Kufstein zum Skifabrikanten Kneissl und legte dem mächtigen Fabrikanten seine Ziele vor. Heim fuhr er wieder per Autostop, allerdings mit 20.000 Schilling in der Tasche und fünf Paar Rennski. Heute ist Harti Weirather vielfacher Millionär, Eigentümer einer der weltweit erfolgreichsten Sport-Vermarktungsfirmen. Er verkauft das Kitzbüheler Hahnenkammrenen, erfand die lila Milka-Kuh und geht bei FC Barcelona und Real Madrid ein und aus. 2009 wurde er in Liechtenstein, dem Heimatland seiner Frau, zum „Unternehmer des Jahres“ gewählt. Heute ist Harti 55 und noch mittendrin. Kürzlich eröffnete er ein Office in Dubai. Dort, wo das Geld zu Hause ist.

Soldat und Banker.
Willibald Cernko zählt zu den Top-Bankern des Landes. Als Vorstandsvorsitzender der Bank Austria, Tochter der UniCredit, lenkt er das Geldinstitut durch wirtschaftlich schwierige Zeiten. Dafür sind starke Nerven gefragt, ein klarer Verstand und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Eine smarte Persönlichkeit, die weiß was sie will, ist in so einer Position gefragt. So eine ist Cernko. Was man nicht vermuten würde: Die Nr. 1 der Bank Austria hat als Jugendlicher die Schule geschmissen. Er brach das Gymnasium ab, ging arbeiten und blieb nach dem Grundwehrdienst einige Jahre beim Bundesheer, wo er auch am Golan stationiert war. Mit Mitte 20 holte der heute 57-Jährige die Matura nach, absolvierte die Exportakademie und begann bei einer Regionalbank. Von da an ging es steil bergauf.

Der gerade Weg führt nicht zwangsläufig ans gewünschte Ziel. Oft braucht es Umwege abseits der gesteckten Routen, um wunderbare Dinge zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. Und der Neustart muss nicht der einzige sein. „Sollte ich wieder das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten – ich würde noch einmal etwas Neues beginnen“, ist Autorin Claudia Rossbacher überzeugt.

Etwas differenzierter sieht es da Moriz von den Gebrüdern Stitch: „Hätten wir gewusst, wie kompliziert das alles ist, hätten wir wohl nie damit angefangen. Aber jetzt, da es funktioniert – ja klar, wir würden wieder mit unserer Idee an den Start gehen!“.

Bruch, nicht Abbruch.
Heute lesen sich Stellenausschreibungen oft wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau: Junge Bewerber (Junior-Position!) gesucht, Studium abgeschlossen, Minimum fünf Jahre Berufserfahrung und drei Sprachen fließend. Flexible Arbeitszeiten selbstverständlich, Eigeninitiative, Kreativität und soziale Intelligenz sowieso. Dabei zeigt der Mut zur Lücke im Lebenslauf und das Ergreifen der Chance einer Neuorientierung viel eher den Zeitgeist der heutigen Gesellschaft. Wer bis mindestens 65 Jahren im Berufsleben steht, wird bei ständig gleicher Tätigkeit höchstwahrscheinlich an Burn- oder Bore-out erkranken. Etwas Neues anzupacken, sich zu erproben und die geschützte Komfortzone zu verlassen ist nicht immer einfach – lohnt sich aber. Schon Henry Ford sagte: „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“

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