Jetzt meldet sich Pfarrer Friedl zu Wort:
"Arigona wollte niemanden erpressen!"

Betreuer hat keine Angst vor möglicher Haftstrafe Grüne werfen Minister Platter "üble Nachrede" vor<br>MITVOTEN: Sind Sie für Milde im Fall Arigona?

Jetzt meldet sich Pfarrer Friedl zu Wort:
"Arigona wollte niemanden erpressen!"

Pfarrer Friedl, der das Flüchtlingsmädchen Arigona zur Zeit betreut stellte nun dem ORF gegenüber klar, sie "wollte niemanden erpressen, nur mit ihrer Familie zuammen sein und hier bleiben." Dass ihm selbst eine Haftstrafe wegen Beihilfe zum unbefugten Aufenthalt drohen könne, schrecke ihn nicht. Zudem schilderte Friedl, wie Arigona zu ihm kam: Ein Kosovare habe ihn angesprochen, und in der Nacht auf Montag habe er sie auf einem Parkplatz nahe Wien übernommen. Unterdessen werfen die Grünen Innenminister Platter "üble Nachrede" im Fall Arigona vor.

Die Selbstmorddrohung der 15-Jährigen sei ohnehin "keine Erpressung", hieß es im Justizministerium auf Anfrage der APA. Es gebe ja "keinen Bereicherungsvorsatz", es sei "nicht um Geld gegangen". Erpressung sei das "falsche Wort", aber auch "Nötigung trifft nicht zu", betonte ein Sprecher des Ressorts.

Grüne werfen Platter "üble Nachrede" vor
Die Grünen werfen nun Innenminister Günther Platter (V) eine "üble Nachrede" gegen die von Arigona vor. Platter habe Arigona Erpressung vorgeworfen, weil sie mit Selbstmord gedroht habe, wenn sie abgeschoben werde. Der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser erklärte gegenüber der APA, das Mädchen habe keinen Straftatbestand betreffend Erpressung verwirklicht. "Es gibt einen anderen Straftatbestand, aber vom Minister, das ist üble Nachrede".

Treffen mit Landeshauptmann
Arigona Zogaj hat sich mit Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer sowie Josef Friedl, dem Pfarrer von Ungenach, zu einem halbstündigen Gespräch getroffen. Bei dem "vertraulichen" Gespräch habe man die Asylfrage nicht erörtert, doch wird das Mädchen ebenso wie seine Mutter vorläufig nicht in den Kosovo zurückgebracht. Pfarrer Friedl erklärte, der Wunsch Arigonas sei nun, hierzubleiben. Mit Pühringer und Innenminister Günther Platter sei akkordiert, dass das Mädchen in Ungenach in der Pfarre bleiben könne. Die nächsten zwei Monate werde nichts passieren.

Pühringer habe eine "Brücke" zwischen Arigona und der Verwaltung und Politik herstellen wollen. Er habe ihr persönliche Hilfe in einer schwierigen Situation angeboten, vor allem medizinische und psychologische. Es gehe darum, die Situation zu normalisieren und zu stabilisieren. Dazu seien jetzt mehrere Personen aus dem Büro des Landeshauptmannes im Einsatz. Das Mädchen halte sich nun in Oberösterreich auf, das Bindeglied sei der Geistliche. Pühringer betonte aber im Zusammenhang mit der jüngsten Entwicklung, er unterlaufe damit die Grundsatzlinie in der Asylfrage nicht.

Barmherzige Schwester zu Arigona
Eine andere Stimme aus der Kirche meldet sich nun in einem Gastkommentar in mehreren Zeitungen mit der Aufforderung an Arigona Zogaj zu Wort, dass das Mädchen doch in ihre Heimat Kosovo zurückkehren solle. Die Barmherzige Schwester des Vinzenz von Paul aus Klagenfurt, Johanna Schwab, versucht Arigona die Rückkehr schmackhaft zu machen: "Hab keine Angst, wage den Schritt in Deine Heimat. Du gehörst zu diesem hoffnungsvollen, wenn auch armen Land. Wenn Du willst, begleite ich Dich und Deine Mutter dorthin - Du wärst nicht der erste Mensch, der diesen schweren Schritt tat."

Platter "hocherfreut"
Seitens der ÖVP, die auf die Einhaltung der fremdengesetzlichen Bestimmungen pocht, rückte zuletzt die Suche nach einer "menschlichen und gerechten" Lösung in den Vordergrund. Platter kündigte an, bis zur Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs weder das Mädchen noch ihre Mutter abzuschieben. Er sei "hocherfreut", dass Arigona jetzt in Sicherheit sei. Seitens des VfGH wurde allerdings betont, dass man "in einer solchen Situation nicht auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs warten kann", denn dieser könne keine humanitäre Aufenthaltsbewilligung erteilen.

Anzeige gegen Arigona-Helfer - Staatsanwalt wartet ab
Die Staatsanwaltschaft Wels, bei der eine Anzeige gegen jene "unbekannten Täter" vorliegt, die Arigona bei ihrer Flucht unterstützen und mit ihr Kontakt haben, wartet noch ab. Das erklärte Staatsanwalt Manfred Holzinger auf die Frage, ob nun auch der Landeshauptmann und der Geistliche als "Täter" in Frage kämen.

So können Sie Arigona Ihre Unterstützung nahebringen!
Arigona Zogaj erhält Online-Unterstützung. Auf der Seite www.austria4arigona.at können Privatpersonen ihre Gefühle zur Causa zum Ausdruck bringen. (apa/red)