"Jetzt wollen wir in Graz gewinnen!": Ungarn-Coach will erfolgreiche Quali-Probe

Peter Boszik in Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters Ex-"Ungar" Matthäus: Defensive mögliche Schwäche

Nicht nur für Josef Hickersberger, sondern auch für seinen ungarischen Kollegen Peter Bozsik ist der Grazer Fußball-Vergleich in Graz das dritte Länderspiel als Teamchef. Während der Österreicher in seiner zweiten Ära (0:2 Kanada und 1:4 Kroatien) noch ohne Sieg dasteht, hat der 44-Jährige einen Erfolg (2:0 daheim Neuseeland) und eine Niederlage (1:3 in England) auf seinem Konto. Und er will mehr. "Jetzt wollen wir in Graz gewinnen", kündigte Bozsik an.

Das Match in Manchester stimmt den Sohn des ungarischen Rekord-Internationalen Jozsef Bozsik (101 Länderspiele) trotz des negativen Resultats zuversichtlich. "Jetzt wird es für uns wichtig sein, dass wir unser Spiel noch weiter stabilisieren und die Mannschaft noch mehr zusammengeschmiedet wird", sagt Bozsik jun., der aus dem ungarischen Teamcamp in Tata mit seinem "stärksten Kader" in Graz eintraf.

Ungarn hoffen auf erfolgreiche Quali-Generalprobe
Die Ungarn wollen in der steirischen Hauptstadt, wo Österreich seit 17 Jahren kein Länderspiel verloren hat, eine erfolgreiche Generalprobe für die EM-Qualifikation absolvieren. Diese beginnt für die Magyaren am 2. September in Budapest gegen Norwegen. Weitere Gruppen-Gegner auf dem Weg zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz sind Bosnien-Herzegowina, Moldawien, Titelverteidiger Griechenland und Malta.

"Keinen großen Stärkeunterschied"
Bozsik erwartet in Graz eine schwere Aufgabe. "Zwischen den beiden Teams gibt es keinen großen Stärkeunterschied. Ich hoffe auf eine gute Leistung und natürlich auf einen Sieg für uns", meinte der Hickersberger-Kollege, der die Nicht-Nominierung des Salzburg-Legionärs Laszlo Bodnar so begründete: "Wir haben im eigenen Land einige Spieler seiner Klasse, die erhalten von mir den Vorzug."

Die Aufstellung wird er erst am Spieltag bekannt geben, doch einen Mann nannte Bozsik schon als Fixstarter. Imre Szabics mit Grazer Vergangenheit wird den voraussichtlichen Ein-Mann-Sturm bilden. "Es ist schön wieder hier zu sein, hier habe ich schöne und erfolgreiche Sturm-Zeiten erlebt. Ich freue mich schon auf das Spiel und hoffe, wieder einen schönen Tag zu haben, obwohl beide Teams ziemlich gleich stark sind und die Tagesform mitspielen wird", sagte der Stürmer, der nach seinem Wechsel von Köln nach Mainz erst zweimal mit den Hessen trainiert hat.

Ex-"Ungar" Matthäus sieht in Defensive mögliche Schwäche
Lothar Matthäus, der Vorgänger von Bozsik, schätzt Österreich und Ungarn ebenfalls "in etwa gleich stark" ein. Über Schwächen oder Stärken sagt der Salzburg-Betreuer: "Ich glaube, die ungarische Defensive ist nicht wirklich schnell, allerdings hat das Team nun schon mehr Erfahrung als zu meiner Zeit." Der Deutsche hatte von Jänner 2004 bis Dezember 2005 "einige junge Spieler eingebaut, versucht, ein bisschen Euphorie zu entfachen" und dazu wären ihm auch "einige gute Resultate" gelungen.

Warum sein Nachfolger seinen Salzburger Bodnar nicht für Graz einberufen hat, weiß Matthäus nicht. "Das muss man den Teamchef fragen", meinte er. Zu Bozsik hat er keinen Kontakt, aber das ungarische Nationalteam verfolgt er sehr wohl. Als Grund für seinen Abschied aus Ungarn führte der DFB-Rekordteamspieler die damals unsichere Situation an der Verbandsspitze an.

Sein Nachfolger verdankt seinen Job aber nicht dem Umstand, dass er der Sohn des "berühmten" Vaters ist. Peter hat sich den Erfolg hart erarbeitet. Er hat zwar nie in der obersten ungarischen Liga gespielt. Die schmerzhafte Erfahrung, nie ein Top-Fußballer werden zu können, hatte aber auch ihr Gutes. "Nachdem ich diese Tatsache akzeptiert hatte, habe ich den Fußball wieder neu lieben gelernt und begonnen, als Trainer zu arbeiten."

Trainer führte Zalaegerszeg TE in CL-Quali
Noch vor seinem 40. Geburtstag heuerte Bozsik beim Erstligisten Vasas Budapest an und wurde 2001 Dritter. Nach diesem Erfolg wechselte er zu Zalaegerszeg TE, den er ein Jahr später als fünften Nicht-Budapest-Verein zum ersten Titel der Klubhistorie führte. In der Champions-League-Quali gab es dann einen 1:0-Heimsieg, aber auswärts ein 0:5. Ein weiteres Jahr später wurde Bozsik dann Sportdirektor im Verband und im März 2006 Teamchef.

"Ich will den Spielern wieder vermitteln, dass es eine Ehre ist, im Nationalteam zu spielen", betont Bozsik, dessen Assistent kein geringerer als der frühere Steyr-Legionär Lajos Detari ist. "Und ich möchte eine Mannschaft aufbauen, die das klassische ungarische Pass-Spiel beherrscht und die stark genug ist, in der Qualifikation zur EM zu bestehen." Bleibt zu hoffen, dass der Nachbar dies nicht schon am Mittwoch in Graz zeigt.

(apa/red)