"Jetzt will ich deinen Arsch sehen": Prozess um rassistische Amtshandlung der Polizei

Wien: Nigerianer musste sich komplett ausziehen Polizisten bestreiten Vorfall: reine Provokation

"Jetzt will ich deinen Arsch sehen": Prozess um rassistische Amtshandlung der Polizei © Bild: APA/Oczeret

Weil sie einen gebürtigen Nigerianer, der in einer Straßenbahn Opfer einer strafbaren Handlung geworden war, im Zuge seiner zeugenschaftlichen Einvernahme ohne rechtliche Grundlage auf Drogen inspiziert haben sollen, hatten sich am Donnerstag drei Polizisten im Wiener Straflandesgericht zu verantworten. Die Anklagebehörde legte den Beamten Amtsmissbrauch zur Last: James E., der seit neun Jahren in Österreich lebt, habe sich auf einem Wachzimmer in Wien-Neubau komplett nackt ausziehen und Kniebeugen machen müssen, ohne dass die dafür erforderliche Anordnung der Staatsanwaltschaft eingeholt worden wäre.

James E. war am 8. Jänner 2010 gemeinsam mit einem Landsmann in der Straßenbahn rassistisch beschimpft und mit einem Messer bedroht worden. Andere Fahrgäste verständigten per Mobiltelefon die Polizei, die am Urban-Loritz-Platz einschritt und den Sachverhalt zu klären versuchte. Die beiden Schwarzafrikaner wurden in ein nahe gelegenes Wachzimmer gebracht, wo sie als Zeugen befragt werden sollten.

Dort nahm ein 50-jähriger Abteilungsinspektor Marihuanageruch wahr. Außerdem erkannte er in James E. jenen Mann wieder, der - wie der Beamte nun Richterin Martina Spreitzer-Kropiunik darlegte - in einem einschlägig bekannten Szene-Lokal als DJ tätig war. Auch dessen auffällig nervöser Begleiter war ihm von diesem Lokal her bekannt. Folglich untersuchte er zunächst die Oberbekleidung des Begleiters und stellte in dessen Hosentasche ein Päckchen mit sechs Gramm Cannabis sicher.

Für die Polizisten lag der Verdacht nahe, dass auch James E. Suchtgift eingesteckt haben könnte. "Ich wollte auch bei ihm eine oberflächliche Personendurchsuchung machen. Ein ganz normaler Vorgang", gab der Abteilungsinspektor zu Protokoll. Der Mann habe auch gleich seine Winterjacke und die Schuhe abgestreift, er habe umgehend die Kleidungsstücke kontrolliert: "Ich hab nix' gefunden, für mich war das damit erledigt." James E. habe noch ein T-Shirt und die Unterhose angehabt: "Vor mir und in meinem Beisein hat er si sicher net nackert auszogen. Es hat a kaner von uns verlangt, es hat ja kan Grund dafür geben."

Führerschein reichte nicht
Der gebürtige Nigerianer behauptete demgegenüber, er wäre von der Polizei von Anfang an "wie ein Verbrecher" behandelt worden. Der Beamte, der ihn aufs Wachzimmer brachte, habe seinen österreichischen Führerschein nicht als Legitimationsnachweis gelten lassen, sondern befunden, dies wäre "kein Ausweis für Schwarze, weil Österreich keine Grenze mit Afrika hat".

Auf dem Kommissariat selbst habe man sich zunächst über ihn lustig gemacht. Nachdem der drittangeklagte Polizist, den James E. als korrekten Beamten beschrieb, mit ihm ein Protokoll über den Vorfall in der Straßenbahn angefertigt hatte, habe der Abteilungsinspektor den Raum betreten und festgestellt: "Jetzt will ich deinen Arsch sehen."

Er sei vorerst aufgefordert worden, seine Jacke auszuziehen. Dann hätte sich der Abteilungsinspektor an seiner weiteren Kleidung zu schaffen gemacht, ihm den Gürtel geöffnet und die Hosen hinabgelassen. Er habe sich dann nackt auf den Boden setzen müssen, sagte der Zeuge, seine Körperöffnungen wären auf Drogen untersucht worden. Der Zweitangeklagte soll sich dabei in rassistischer Weise über das Geschlechtsteil des Mannes geäußert haben.

Oder doch nur Provokation?
Der angeklagte Abteilungsinspektor bestritt das entschieden: "Das stimmt net! Warum sollt' i lügen? I mach' scho so lang mei G'schäft." Der Zweitangeklagte, der seit 25 Jahren Streifendienst versieht, räumte allerdings ein, den Schwarzafrikaner für kurze Zeit sehr wohl gänzlich nackt gesehen zu haben. Doch habe es sich dabei um eine "Provokation" des Mannes gehandelt, der bereits an der Straßenbahnhaltestelle "aggressiv" und "aufgebracht" gewesen sei: "Ich musste ihn abmahnen."

Auf der Wachstube habe man eine nach dem Sicherheitspolizeigesetz zulässige Durchsuchung durchführen wollen, betonte der Zweitangeklagte. Diese habe "zur Gefahrenabwehr" gedient, "der Herr war darüber natürlich nicht sehr erfreut". Dessen ungeachtet habe sich der Mann auszuziehen begonnen: "Ich persönlich hatte den Eindruck, dass es nicht seine erste Personenkontrolle gewesen ist. Er hat sein T-Shirt provokant auf den Tisch geworfen. Es hat ihn niemand aufgefordert, dass er sich komplett nackt auszieht." Trotzdem habe der Mann sogar noch für einen Augenblick seine Unterhose hinuntergeschoben.

Der drittangeklagte Beamte gab an, er habe von dem Ganzen wenig bis gar nichts mitbekommen, da er mit der Protokollierung der Zeugeneinvernahmen der beiden Nigerianer befasst gewesen sei.

Die Zeugenbefragung wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Das Gericht will dabei auch ein Audiofile abspielen - der gebürtige Nigerianer hatte mit seinem Mobiltelefon das Geschehen im Wachzimmer aufgezeichnet.

(apa/red)

Kommentare

Ein Hoch auf die Wiener Polizei! @1110_Wien Jeder Euro der in die Bildung investiert wird, ist ein Euro für die FPÖ!

Maika melden

Die Polizei ist immer schuld.... wenn bei dem Afrikaner Marihuanageruch wahrgenommen wurde, Cannabis sichergestellt wurde,
dann darf die Polizei trotzdem nicht nach Drogen suchen, sonst ist sie rassistisch. Wenn die beiden Afrikaner mit diesen Drogen dealen, unsere Kinder vor den Schulen abfangen um ihre Geschäfte zu machen, dann muß die Polizei das verhindern,
ja bitte wie jetzt, was jetzt????????

Wien_1190 melden

Re: Die Polizei ist immer schuld.... Die Polizisten sind sicher legitim vorgegangen, evtl. haben sich die beiden gedacht : Der Österreichische Staat ist so EU-Kontrolliert, schreien wir lieber mal Rassist dann haben wir Chancen ungeschoren weg-zu-kommen?! ;)

Glauben Sie alle wirklich das Drogendealer keinerlei Rechtliches Wissen haben!? ;)

Schönes Geschichterl Klingt wie ein tolles Geschichterl, es scheint in Österreich sehr einfach zu sein, kontrollierende Polizisten zu verungimpflichen. Ein Geschichterl gedrückt, ein Schwarzer im Spiel und schon ist Polizist schuldig. Kein Wunder das Österreich ein Paradies für alle Afrikaner ist. Wahrscheinlich bekommt der Arme auch viel Geld als Wiedergutmachung. Für die Polizei scheint zu gelten, Schwarze dürfen alles machen, sie brauchen nur die Rassismuskeule zu schwingen

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Gerade die blaue Partei muss natürlich wieder schreien. Parteitransfers, Parteineugründugnen, Club- und Parteiförderungen erschwindeln, aber wegen ein paar Peanuts für Bildung die Schnauze aufreißen!

Andererseits auch nachzuvollziehen: Jeder Euro, der in Bildung gesteckt wird ist ein Euro gegen die FPÖ...

Nebenbei: Gerade der Frontrottweiler Strache kann sich an politischer Integrität und Seriösität einiges von VdB abschauen... Auf der anderen Seite braucht eine dämliche Gruppe auch einen dämlichen Führer...

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Re: Gerade die blaue nein, keine Themenverfehlung... Dieser Post wurde unter dem Artikel über Van der Bellen verfasst...

Rassisten eben ... mehr kann ich dazu nicht sagen.

S/A/R melden

Polizist... abschieben und tschüß! Keine Toleranz für solche Typen!

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Re: Polizist... SOLLTE es wirklich so gewesen sein, sofortige Entlassung,
Wir dürfen aber nicht vergessen, dass noch keine Beweise vorliegen und eine Vorverurteilung in jedem Fall unklug ist.

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Re: Polizist... in den Steinbruch mit den Bullen....

günza melden

Re: Polizist... Disziplinarverfahren wenn es so war wäre ok, aber mehr auch nicht. Ich möchte nicht die Arbeit der Polizei machen müssen und jederzeit dann auch noch gut drauf sein und zu jederman freundlich. Das Problem liegt nicht darin, das die Polizisten Rassisten sind sondern viel mehr das leider immer wieder Schwarze mit Drogen zu tun haben. Und wenn meine Frau nicht mehr mit der Schnellbahn fahren will weil eben öffentlich dort mit Drogen gehandelt wird, dann müssen die Scchwarzen eben mit sowas leben.

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Re: Polizist... Was ist denn das bitte für ein schwachsinniges Argument? Erstens einma, wo finde ich diesen besagten freundlichen Polizisten?

Und du wirst ja nicht ernsthaft darlegen, dass die meisten Drogendealer in Österreich schwarzer Hautfarbe sind? Oder umgekehrt: dass die Mehrzahl der Afro-Österreicher mit Drogen dealt? Hast du dafür Zahlen oder ist es nur deine subjektive Sicht der Dinge?

Ich weiß nicht, in welcher Stadt du wohnst, aber ich bewege mich seit mehr als 10 Jahren nahezu täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Wien und ich wurde bislang nie Zeuge eines "öffentlichen Drogengeschäftes"...

Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, dass Schwarze mit Repressionen leben müssen, nur weil deine Frau sich in öffentlichen Verkehrsmitteln von ihnen bedroht fühlt...

Berndorferbaer melden

Re: In den Steinbruch mit den Bullen! @ maultier!
mit den bullen ab in den steinbruch, den drogendealern ein plastiktascherl mit der aufschrift, fixen und dealen ist in, bei abnahme größerer menge 10% rabatt.
werbung bringt\'s.
maultier, sei mir bitte jetzt nicht böse aber: wo haben sie dich ausgelassen. das kann doch nicht dein ernst sein?
ich wünsche dem drogendealer, alles gute und ein schönes wetter, wenn ich sehen würde, daß jemand versucht, meinen kindern vor der schule, drogen zu verkaufen. da könntest hier über mich posten, das mit sicherheit. noch etwas: um nicht als rassist da zu stehen, EGAL, OB SCHWARZ ODER WEISS !!!

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