Jetzt wieder 100.000 Gratisbücher verteilt:
"weiter leben" erinnert an Nazi-Verbrechen

Wie Außenstehende mit den Terror-Opfern umgingen Exemplare in Büchereien & Volkshochschule erhältlich

Jetzt wieder 100.000 Gratisbücher verteilt:
"weiter leben" erinnert an Nazi-Verbrechen

Ab sofort werden im Rahmen von "Eine Stadt. Ein Buch" wieder 100.000 Gratisbücher in ganz Wien verteilt. Die Wahl fiel diesmal auf Ruth Klügers Erinnerungsroman "weiter leben. Eine Jugend", in dem die geborene Wienerin ihre Kindheitserlebnisse im Konzentrationslager verarbeitet.

Als "kein typisches Holocaust-Buch" stellte Bürgermeister Michael Häupl das Werk vor und eröffnete damit offiziell die Aktion. Die Autorin selbst wird Donnerstag Abend in der Fernwärme Wien zu Gast sein.

Kein leichtes Buch
"Obwohl das Buch gemäß der amerikanischen Literaturtradition in einer leicht zu lesenden Sprache geschrieben ist, ist es trotzdem kein leichtes Buch", so der Bürgermeister, der auch als Schirmherr der Aktion fungiert. "weiter leben" beschreibe nicht nur die Schrecken des Konzentrationslagers, sondern stelle darüber hinaus die spannende Frage, wie Außenstehende mit Menschen umgehen, die den Terror des NS-Regimes erlebt haben. Das unterscheide Klügers Roman von anderer Holocaust-Literatur.

"Buch Wien" von 20. bis 23. November
Verteilt werden die 100.000 Gratisexemplare u.a. auf der "Buch Wien", die vom 20. bis 23. November im Messezentrum stattfindet. Ansonsten können sich Lesehungrige auch in Buchhandlungen, an den Volkshochschulen sowie in den Büchereien versorgen. Die Autorin selbst stellt am morgigen Donnerstagabend ihren Roman in der Fernwärme Wien vor. Darüber hinaus wird sie am 24. November, dem letzten Tag der Aktion, im Festsaal des Bundesrealgymnasiums 23 mit Schülern über ihr Werk diskutieren. Am Abend findet dann eine Gala im Rathaus statt, wo die Schriftstellerin geehrt wird. Die Laudatio wird Sigrid Löffler halten.

Vom Weiterleben danach
Klügers Erinnerungen erschienen erstmals 1991. Sie erzählen vom Grauen der Vernichtungslager und vom "weiter leben" danach. Vor kurzem ist unter dem Titel "unterwegs verloren" eine Fortsetzung erschienen. Geboren wurde die Autorin 1931 in der Bundeshauptstadt. Mit elf Jahren begann ihr Leidensweg: 1942 wurde sie nach Theresienstadt sowie nach Auschwitz und Groß-Rosen deportiert. Nach dem Krieg emigrierte sie in die USA und begann ihre Karriere als Literaturwissenschafterin. Erst kürzlich erhielt sie eine Gastprofessur in Tel Aviv.

Aktion läuft zum siebten Mal an
Die Aktion "Eine Stadt. Ein Buch" - laut Häupl eine "Weltsensation"- findet heuer zum bereits siebenten Mal statt. Seit 2001, als das Projekt mit Frederic Mortons "Ewigkeitsgasse" seinen Anfang nahm, wurden Werke von Imre Kertesz, Johannes Mario Simmel, John Irving, Toni Morrison und im Vorjahr - passend zur Fußball-Europameisterschaft - Nick Hornbys "Fever Pitch" verteilt. Für die Produktion der Gratisbücher zeichnet der Echo-Verlag verantwortlich. (apa/red)