Jerusalem und Rom: Feierlichkeiten zum Karfreitag unter Sicherheitsvorkehrungen

Leidensweg: Tausende Pilger bei Prozession in Israel Papst Benedikt XVI. kritisiert Leere und Falschheit

Jerusalem und Rom: Feierlichkeiten zum Karfreitag unter Sicherheitsvorkehrungen © Bild: Bild: REUTERS/Andrews

Tausende christliche Pilger aus aller Welt haben am Karfreitag in Jerusalem der Kreuzigung Christi vor rund 2000 Jahren gedacht. In der traditionellen Prozession schritten die Gläubigen in der Altstadt von Jerusalem den Leidensweg Jesu ab. Der Überlieferung zufolge ist Jesus mit dem Kreuz auf den Schultern die "Via Dolorosa" entlanggegangen, bevor er ans Kreuz geschlagen wurde und starb. Aus Furcht vor Anschlägen sind die israelischen Sicherheitskräfte nicht nur in Jerusalem, sondern landesweit in erhöhte Sicherheitsbereitschaft versetzt worden.

Der Tradition gemäß schulterten viele Pilger Holzkreuze und trugen sie vom Löwentor im Osten der ummauerten Altstadt über die 14 Stationen des Kreuzweges bis zur Grabeskirche. Die letzten fünf Stationen einschließlich der Kreuzigungsstätte Golgatha liegen innerhalb der Grabeskirche. Dort berührten Gläubige den Stein, auf dem der Leichnam Christi der Überlieferung zufolge gewaschen wurde, nachdem sie vom Kreuz genommen worden war.

Das Osterfest der westlichen Christen fällt in diesem Jahr mit dem jüdischen Fest Purim zusammen, bei dem die Rettung der Juden durch die Königin Esther gefeiert wird. Israel hat deswegen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und bis Sonntagabend die palästinensischen Gebiete abgeriegelt. In Jerusalem waren nach Polizeiangaben Tausende Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Ostkirche feiert den Karfreitag erst in einem Monat, am 25. April.

Gedanken zum Kreuzweg vom Kardinal von Hongkong
Die Meditationen und Gedanken zum diesjährigen Kreuzweg in Rom hat diesmal der Kardinal von Hongkong, Bischof Joseph Zen Ze-Kiun, geschrieben. In den Mittelpunkt wollte der chinesische Bischof die "Märtyrer des 21. Jahrhunderts" stellen. Die Kirche durchschreite derzeit dunkle Stunden der Verfolgung, und Gott werde stolz sein auf "die Märtyrer, die das höchste Zeugnis ihrer Liebe abgeben", hatte er im Voraus erklärt. "Der Heilige Vater wollte, dass die Stimme Chinas am Kolosseum ankommt, weil das wirklich ein Volk ist, das gelitten hat und leidet, viele wegen ihres Glaubens", sagte er zu seiner Wahl als Verfasser der Kreuzweg-Meditationen.

Der Papst, der im April 81 Jahre alt wird, wollte an den drei letzten Stationen das Kreuz selbst tragen, hatte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi mitgeteilt. Im vergangenen Jahr hatte er das Kreuz nur an zwei Stationen getragen. Nach dem Stress der Ostertage will er sich etwas in seiner Zweitresidenz Castel Gandolfo erholen.

Am Gründonnerstag hatte Benedikt die Osterfeiern mit der sogenannten Chrisam-Messe im Petersdom begonnen, in der er die heiligen Öle weihte, die unter anderem bei Taufe, Firmung, Priesterweihe und Krankensalbung verwendet werden. Am Abend wusch er bei der Abendmahlsmesse zwölf Männern die Füße, so wie Jesus vor dem Letzten Abendmahl seinen zwölf Aposteln die Füße gewaschen hatte."Der Gründonnerstag ruft uns dazu auf, uns nicht durch unsere Wut auf andere im Tiefsten unsere Seele vergiften zu lassen", betonte der Papst in der voll besetzten Lateranbasilika.

Zehntausende feierten in Rom
Trotz durchwachsener Wetterprognosen sind wieder Zehntausende von Gläubigen aus aller Welt zu den Osterfeiern nach Rom gekommen. Die Besucherzahl sei im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht rückläufig, hielten italienische Medien fest. Grund sei wahrscheinlich der frühe Termin der Ostertage. Aus Deutschland und Frankreich seien aber mehr Gläubige und Touristen angereist. Doch auch für den Ostersonntag mit dem päpstlichen Segen "Urbi et Orbi" auf dem Petersplatz sagen die Meteorologen eher unfreundliches Wetter in Rom voraus.

Auf der philippinischen Hauptinsel Luzon ließen sich heute wieder mehrere Menschen ans Kreuz nageln, um so den Tod Jesu Christi nachzuempfinden. Das traditionelle Kreuzigungsritual im Beisein von zahlreichen Schaulustigen und Touristen stößt bei der katholischen Kirche auf Kritik. Der Erzbischof von San Fernando, Paciano Aniceto, rief die Gläubigen dazu auf, die Passionszeit nicht zu einem "Zirkus" verkommen zu lassen. (APA/red)