Jeder Renner kriegt jetzt den Turbo Boost:
Zusätzlich Schub dank Rückgewinnung KERS

Bremsenergie wandert in zusätzlichen Elektromotor Extra-Schub soll noch mehr Überholmanöver bringen

Jeder Renner kriegt jetzt den Turbo Boost:
Zusätzlich Schub dank Rückgewinnung KERS © Bild: Reuters/Del Pozo

Der Traum vom Turbo-Boost wird in dieser Saison auch in der Formel 1 Wirklichkeit. 6,6 Sekunden pro Runde - 82 zusätzliche PS. Das neue Energie-Rückgewinnungssystem KERS (Kinetic Energy Recovery System) ist eine der großen Innovationen in der Königsklasse. Beim Bremsen freiwerdende Energie wird in Akkus oder einem Schwungrad gespeichert und kann dadurch zum Betrieb eines zusätzlichen Elektromotors verwendet werden.

Die Entwicklungskosten betragen pro Team bis zu 40 Millionen Euro. Das legitimieren die Automobilhersteller in Zeiten der Wirtschaftskrise mit einer Vorreiterrolle für den Straßenverkehr. KERS soll die Formel-1-Boliden aber nicht nur energieeffizienter und damit auf Dauer gesehen umweltfreundlicher machen, es soll auch die Zahl der Überholmanöver erhöhen. Dementsprechend großen Anklang findet das Hybridsystem bei den Piloten.

"Das Gaspedal hat in der Formel 1 ohnehin bereits eine enorme Wirkung. Aber mit KERS presst es dich noch viel mehr in den Sitz", verriet Weltmeister Lewis Hamilton. "Alles läuft ab wie im Zeitraffer - oder im Schnellvorlauf. Das ist ein Wahnsinnsgefühl." Durch die neue Aerodynamik und weniger Luftverwirbelungen ist es zudem viel besser möglich, nahe an den Vordermann heranzufahren. "Für die Zuschauer wird das großartig", meinte Hamilton.

Kehrseite der Medaille ist das Gewicht von KERS, dessen 30 kg im Umfeld des Motors verbaut werden müssen. Dementsprechend wird die Balance der Boliden schwierig. Immer mehr Piloten haben sich daher zuletzt ausgehungert, um mehr Ausgleichsgewichte an beliebigen Stellen anbringen zu können. Das Gesamtgewicht von Fahrer und Auto muss zumindest 605 kg betragen. Jedes weitere Kilo kostet Zeit - 0,03 Sekunden pro Runde, so die Rechnung.

Kurzschluss inkludiert
Zudem besteht die Gefahr eines Kurzschlusses mit den 400-Volt-Batterien, wie er im Vorjahr bei ersten BMW-Tests passiert war. Die Chassis bestehen aus Karbon, sind daher extrem leitfähig und stehen bei Defekten unter Strom. Durch die wenigen Erfahrungswerte ist das System überhaupt noch sehr fehleranfällig. Daher werden einige Teams - darunter auf Anraten des Österreichers Alexander Wurz auch Brawn GP - vorerst darauf verzichten.

2009 ist KERS noch nicht vorgeschrieben, die Einführung erfolgt in drei Etappen. Vorerst dürfen die Teams lediglich die durch Reibung beim Anbremsen von Kurven entstandene Energie speichern, ab 2011 soll auch das Kühlsystem eingebunden werden. Dadurch können bereits 136 PS an Mehrleistung erzielt werden. 2013 soll der KERS-Schub dann bereits 272 PS betragen - dank Energierückgewinnung aus dem Auspuff. Aber das ist vorerst noch Zukunftsmusik.
(apa/red)