Jeden Tag zwei Tote im Straßenverkehr:
Rückgängige Zahlen kein Grund zum Jubeln

Kommt Videoüberwachung bei den Schutzwegen? Motorradführerschein wird einer Refom unterzogen

Im Jahr 2009 ist durchschnittlich alle elf Minuten eine Person im Straßenverkehr verunglückt, täglich gab es beinahe zwei Tote. Wenig Grund zum Jubeln sah der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in der am Dienstag präsentierten Verkehrsunfallbilanz. Auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) ortete noch Handlungsbedarf. Beim ÖAMTC betonte man den immer größer werdenden Anteil an ausländischen Unfallopfern, der 2009 bei 16 Prozent lag. Der ARBÖ lobte den von der Bundesregierung eingeschlagenen Weg zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Mehr Schwung in die Verkehrsunfallbilanz könne durch die Umsetzung der 3. EU-Führerscheinrichtlinie kommen, war der Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), Othmar Thann, bei der Pressekonferenz anlässlich der Präsentation der Unfallbilanz überzeugt. Von der Richtlinie würden vordergründig Moped- und Motorradfahrer stark betroffen sein werden. Laut KfV stagniere die Zahl der Motorradunfälle seit Jahren auf hohem Niveau. Waren vor 20 Jahren hauptsächlich 18- bis 25-jährige Lenker in Unfälle involviert, sind es nun die 40- bis 49-jährigen. Die Ursache sieht man darin, dass die Lenker mit 18 Jahren den A-Führerschein gemacht haben, danach aber selten oder nie Motorrad gefahren sind, sich später aber - ohne Praxis - eine schwere Maschine zulegten.

Die EU-Richtlinie sieht hingegen einen verfeinerten, stufenweisen Zugang zum Lenken schwerer Motorräder mit insgesamt vier Führerscheinklassen vor: AM (Moped), A1 (bis 11 kW/14,96 PS), A2 (bis 35 kW/47,59 PS) und A (ab 35 kW/47,59 PS). Für den Umstieg zwischen den Klassen muss Fahrpraxis nachgewiesen und Schulungen oder Prüfungen absolviert werden. "In Zukunft wird der Weg zur schwersten Motorradklasse daher nur über entsprechende Fahrpraxis und Prüfungen führen - ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit", betonte Thann. 2011 wird der Mopedausweis zudem zum vollwertigen Mopedführerschein der Klasse AM, von der auch die Lenker von Mopedautos erfasst werden.

Videoüberwachte Schutzwege?
Ein Wermutstropfen bleibt für das KfV die Zahl der Fußgängerunfälle auf ungeregelten Schutzwegen und schlägt vor, an gefährlichen Stellen, wie vor Schulen und Seniorenwohnhäusern, die Videoüberwachung von Schutzwegen - vorerst als Pilotprojekt - zu überlegen.

Verkehrssicherheitsarbeit müsse schon bei der Vermeidung von Unfällen ansetzen. "Und dafür ist in den vergangenen zehn Jahren zu wenig gemacht worden", kritisierte der VCÖ. Kinder und Fußgänger haben laut dem Club ein zu hohes Unfallrisiko. Dies belege die Unfallstatistik, derzufolge die Zahl der tödlich verunglückten Kinder gestiegen und jene der tödlich verunglückten Fußgänger stagniert ist.

Der ÖAMTC strich den Rückgang der Unfalltoten auf Autobahnen hervor. Dort sei die Zahl der Todesopfer in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent gesunken. Gleichzeitig betonte man beim Club den steigenden Anteil von ausländischen Fahrern, die hierzulande tödlich verunglücken. Der Anteil lag im Jahr 2009 bei 16 Prozent, 2007 noch bei 13,3. Beim ARBÖ lobte man den unter Verkehrsministerin Doris Bures eingeschlagenen Weg zur mehr Sicherheit im Straßenverkehr. "Einsichtige Gesetze, sichtbare Polizeikontrollen an unfallträchtigen Stellen sowie permanente Bewusstseinsbildung - so lautet die richtige Formel zur Unfallreduktion," so der ARBÖ.

(apa/red)