Jazz Fest Wien von

Entspannte Reibeisendiva

Marianne Faithfull begeisterte mit ihrer lockeren Art das Wiener Publikum

Jazz Fest Wien - Entspannte Reibeisendiva © Bild: APA/Oczeret

Im hellholzigen Schulaulaambiente des Austria Center Vienna hat Reibeisendiva Marianne Faithfull mit einer charmant-unaufgeregten Performance das 21. Wiener Jazz Fest eröffnet.

Mit ihrem charakteristischen Timbre, gleich einer mit Schmirgelpapier aufgerauten Stimme eines Fernfahrers, zeigte sich Faithfull ungeachtet des widrigen Ambientes entspannt und konnte damit ihre Fangemeinde schlussendlich sogar von den Sitzen reißen.

Gelassene Faithfull
Im Wissen um die Unterstützung durch ihre vierköpfige Band ging Faithfull den Abend gelassen an, beim Singen meist mit einer Hand in der Hosentasche, zwischen den Nummern erfreut über den Applaus lachend wie eine Debütantin. Dabei erwies sich die in Paris lebende Britin als veritable Conferencieuse, die mit ihrer angeblich zu Hause vergessenen Haarbürste kokettierte und sich mit der Versicherung, schon weniger zu rauchen, eine Zigarette anzündete.

Brüchtige Stimme begeisterte
Wenn die 64-Jährige jedoch zu singen anhob, kamen aus dem Mund der einstigen Rolling-Stones-Muse nur brüchige Rudimente einer Stimme, die doch so unendlich mehr auszusagen vermag als viele geschulte Organe. So ergab sich ein virulenter Kontrast zwischen der Bühnenperson Faithfull und deren düster-melancholischen Liedern, die von Trennung, einsamen Tagen und vom Sterben handeln. Ältere Werke, beginnend beim 1964 erschienen "As Tears Go By", das mit dem heutigen Faithfull-Timbre vom leichten Sommerlied zur düsteren Ballade mutiert, standen da neben den neuesten Stücken der aktuellen Platte "Horses And High Heels", die von Nashvillesound durchdrungen sind. Das Publikum nahm die Faithfull-Performance ungeachtet des unpassenden Ambientes und eines steten Kampfes mit der Tonanlage jedenfalls begeistert auf.

Matt Dusk in Frank-Sinatra-Manier
Den eigentlichen Auftakt zum Jazz Fest machte genaugenommen allerdings nicht Faithfull, sondern ihr Vorsänger, der 32-jährige Crooner Matt Dusk. Der Kanadier präsentierte sich in bester Frank-Sinatra-Manier mit präzise geschnittenem Anzug und ebensolcher Frisur und bewies mit nasaler Stimmgewalt, dass sich eleganter Charme und schneller Rhythmus beim Swing nicht ausschließen müssen.

Nach dem gestrigen Auftakt werden sich in den kommenden Wochen bis zum 17. Juli nun zahlreiche große Namen des Jazz in Wien die Klinke in die Hand geben. Diven wie Liza Minelli und Cyndi Lauper oder renommierte Sänger wie Thomas Quasthoff werden an insgesamt elf Standorten in der Bundeshauptstadt zu hören sein, allen voran in der altehrwürdigen Staatsoper. In Summe sind 65 Konzerte programmiert, zu denen sich 362 Musiker aus 18 Ländern einfinden.

Die Highlights im Überblick:
01.07. Al Di Meola | Earl Klugh solo
02.07. Seal
03.07. Bryan Ferry
04.07. Madeleine Peyroux & Group | Till Brönner & Band
05.07. Omara Portuondo & Chucho Valdes
06.07. Thomas Quasthoff & Band
15.07. Cyndi Lauper
16.07. Black Country Communion
17.07. Liza Minnelli

Jazzfest Wien von 15. Juni bis 17. Juli 2011
Ticket und Infos unter: Jazzfest Wien 2011