Schadenersatzverfahren von

SP-Justizsprecher fordert U-Haft für Karl-Heinz Grasser

Hannes Jarolim sieht nach Krankmeldung Verdacht auf Fluchtgefahr

Karl-Heinz Grasser © Bild: APA/Hochmuth

Aufregung herrscht um die Krankmeldung von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, die zur Absage der für den gestrigen Montag und heutigen Dienstag geplanten Verhandlung am Handelsgericht Wien im von Grasser angestrengten Schadenersatzverfahren gegen seinen Steuerberater führte. SP-Justizsprecher Hannes Jarolim spricht nun davon, die Justiz solle die Verhängung der U-Haft für Grasser prüfen.

Die Zeitung "Heute" veröffentlichte ein Foto, das Grasser in einem Boot auf Capri zeigt und am Montag, einige Tage vor der Krankmeldung, von einem Urlauber gemacht worden sei.

Auch Grüne empört

"Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Grasser nicht ernsthaft an einer Beschleunigung der Verfahren interessiert ist, so wurde er jetzt erbracht", empört sich Jarolim im "Kurier" (Dienstagsausgabe). Nach Grassers Rückkehr müsse geprüft werden, "ob sich aus dem seltsamen Verhalten nicht langsam der Verdacht einer Fluchtgefahr abzeichnet". Und Jarolim weiter: "Wenn man vergleicht, wie schnell die Justiz in anderen Fällen U-Haft verhängt, drängt sich die Frage auf, ob alle Verdächtigen gleich behandelt werden." Empörung auch beim Grünen Justizsprecher Albert Steinhauser: "Die kolportierten Fotos sind Hinweise dafür, dass Grasser alles tut, um die Prozessdauer hinauszuzögern, um sich selbst später als Justizopfer darstellen zu können - immerhin beklagt er sich seit Jahren über die Dauer der Verfahren".

Grasser klagt Steuerberater auf 2,4 Mio. Euro

Das Verfahren am Handelsgericht betrifft eine Klage Grassers gegen seinen früheren Steuerberater Peter Haunold und dessen Kanzlei Deloitte. Grasser hat auf 2,4 Mio. Euro Schadenersatz geklagt, weil er sich falsch beraten sieht. Die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück. Für Montag war die Einvernahme Grassers geplant, am Dienstag sollte dann Haunold befragt werden. In den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Grasser betreffend der Buwog-Privatisierung und der Einmietung der Finanz in den Linzer Terminal Tower, wo Korruptionsverdacht geprüft wurde, liegt der Vorhabensbericht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nun bei der Oberstaatsanwaltschaft. Ob und wann es hier zu einem Strafprozess kommen könnte ist noch offen. Gegen Grasser und andere wird seit rund fünf Jahren von der Justiz ermittelt, bisher saß keiner der Verdächtigen in U-Haft.

Aufgrund der Krankmeldung von Grasser, der demnach an Lungenentzündung leidet, wurde das Schadenersatzverfahren vertagt. Grassers Anwalt Dieter Böhmdorfer hatte sich noch am Donnerstagnachmittag, also einen Tag vor der Krankmeldung seines Mandanten, in einer Aussendung zuversichtlich für die Einvernahme Grassers am Montag und des Beklagten am Dienstag gezeigt, denn diese würden die Klage stützen.

Nicht nur Grassers Anwalt Böhmdorfer verteidigt seinen Mandanten, auch Grassers Ehefrau Fiona ist empört. Die Lungenentzündung in Zweifel zu ziehen, sei "eine irrsinnige Frechheit". Grasser sei es schon vor zwei Wochen schlecht gegangen, so Fiona in "Österreich" (Sonntagsausgabe). Erst der zweite konsultierte Arzt habe die Krankheit erkannt. Ihr Mann müsse nächste Woche zum Lungenröntgen ins Spital nach Neapel.

Anwalt: Grasser muss nicht erscheinen

Böhmdorfer hat am Dienstag auch festgehalten, dass sein Mandant überhaupt nicht zum Zivilprozess ans Handelsgericht persönlich kommen musste. Sowohl für den Kläger, Grasser, als auch für den Beklagten, Grassers Steuerberater, bestehe im Zivilprozess keine Pflicht vor Gericht zu erscheinen. Deshalb habe er wegen Grassers Erkrankung auch "keinen ausdrücklichen Vertagungsantrag" gestellt. "Es wurde aber darauf hingewiesen, dass die nunmehr durch das Oberlandesgericht Wien festgestellte Verpflichtung von Deloitte, den in der Kanzlei von Deloitte geführten Handakt herauszugeben (in dem alle Gespräche mit dem Mandanten, alle Schriftsätze, alle Telefonate, die Honorarverrechnung, etc. Niederschlag gefunden haben) für die Planung des Gerichtes - neben der Erkrankung von Herrn Mag. Karl-Heinz Grasser - Grund für eine Vertagung sein könnte", heißt es in einer Stellungnahme Böhmdorfers.

Die Einvernahme von Haunold und Grasser (sofern sie vor Gericht erscheinen) werde laut Böhmdorfer anhand dieses Handaktes erfolgen müssen, denn so könne festgestellt werden, wann Grasser allenfalls welchen Auftrag erteilt oder nicht erteilt hat, und welche Schritte von Haunold selbst gesetzt wurden. Dadurch könne Haunolds Behauptung widerlegt werden, Grasser habe eigenmächtig ohne Information von Deloitte Firmengründungen und dergleichen durchgeführt.

Grasser angeblich bereits vor dem Foto in Behandlung

Böhmdorfer nimmt auch zu dem Foto von Grasser in einem Boot in Capri Stellung: Dieses stamme laut Anwalt offenkundig vom 7. Juli. Zuvor habe Grasser bereits am 1. und 2. Juli in Österreich ärztliche Hilfe wegen einer akuten Bronchitis in Anspruch genommen, worauf sich eine kurzfristige Besserung eingestellt habe.

"Leider musste Herr Mag. Karl-Heinz Grasser sich am 10. Juli 2014 wieder untersuchen lassen, weil er offensichtlich einen Rückfall erlitten hatte. Die ärztliche Hilfe in Italien wurde von dem langjährigen Hausarzt der Familie gewährt, der die Lungenentzündung festgestellt hat. Herr Mag. Karl-Heinz Grasser nimmt seit nunmehr 6 Tagen hochdosierte Antibiotika und wird am Donnerstag dieser Woche nach Neapel fahren, um ein Lungenröntgen durchführen zu lassen", heißt es in der Mitteilung.

Kommentare

Hat eigentlich irgendjemand von den Experten hier schon mitgekriegt, KHG ist nicht Beschuldigter sondern Kläger in dieser Causa und muss somit eigentlich nicht anwesend sein. Aber es tut doch gut wie ein Lemming hinter jedem Blödsinn herzuhetzen und nur intelligente Leser lassen sich medial manipulieren, ....so wie die Erde eine Scheibe ist.

Wenn, dann hätte man die U-Haft zu Beginn des Verfahrens verhängen müssen, weil da - wie wir alle hinterher wissen - Verdunkelungsgefahr bestanden hat. Das Verfahren sollte endlich vorwärts gehen. Steuerlich wird er eh nicht auskommen, da braucht es kein Verschulden. Strafrechtlich ziert er sich noch und klagt den Steuerberater? Fein wäre, wenn er auswandern würde, damit ich ihn nicht mehr sehe.

er gehört hinter gittern, er hat Millionen veruntreut und gestohlen. nur unsere Justiz ist korrupter als er.

günza melden

Sagenhaft was da so verzapft wird. Er ist doch noch nicht einmal angeklagt und soll in U-Haft genommen werden. Bin gespannt, was da überhaupt rauskommen wird. Das er etwas gedreht hat steht wohl außer Zweifel, aber ob es je bewiesen werden kann ist fraglich.

christian95 melden

Als ehemaliger ÖVP Finanzminíster wird er vor dem Gesetz "gleich" behandelt. Nur manche sind halt "gleicher" - viel gleicher sogar. Als FPKler (oder noch schlimmer FPÖler) wäre er so wie die Brüder Scheuch oder LH Dörfler längst vor den Richter.

Guten Morgen liebe Hassgemeinde!
Ich bin weder pro noch kontra Grasser, aber sehr für das Einsetzen von Intelligenz, wenn vorhanden. Sein Fernbleiben in einem von ihm selbst angestrebter Zivilprozess soll Grund für U-Haft sein??? Bitte gehts noch ein wenig dümmer? Kann wirklich jeder vertrottelte Ansatz hier zur Hetze führen?

Kluge Tatiktik von KHG und ist nur in Österreich möglich Jahrelange Untersuchungen verzögerungen der Verhandlungen und das alles zu lasten der Steuerzahler dafür dürfte Geld genug vorhanden sein......ein Normalbürger würde schon lange in Haft sein

Wenn man durch nichts anderes mehr Aufmerksamkeit erregen kann, bedient man sich eben dem medialen Strassenstrich.
Nur so kann man solch intelligenzbefreite Headliner bezeichen. Auch wenn sich KHG nicht besonders klug verhält, keine Frage, daraus dieses Konstrukt zu zaubern ist ein wenig billig.
Und wer fällt darauf rein??? Die Krone und Österreich Akademiker:-)

rrrudi05 melden

@Gabryele
weils fast überall auf diesem Planeten angenehmer ist. als in der Karlau oder in Stein an der Donau

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Ja genau, weil nach 8 Jahren Ermittlungsdauer auch ganz sicher Fluchtgefahr besteht und er sich dann wahrscheinlich auch das Gesicht operieren lässt, damit er auch unerkannt untertauchen kann.
Sorry, aber manche Parteien tun alles nur um mal wieder präsent zu sein. Und der einfach gestrickte Leser fällt darauf rein.

rrrudi05 melden

Das er selbst sein Gesicht noch im Spiegel ansehen kann zeugt schon von seinem Charakter. Ein paar Ecken auf dieser Erde gibts schon noch wo man für längere Zeit unerkannt untertauchen könnte.

DEN kriegen die nie - leider!
DER ist 100 x cleverer als alle anderen zusammen.

Der Anwalt von Grasser nämlich Herr Böhmdorfer (EX FPÖ Justizminister unter Mastermind Schüssel) sagte einmal über seinen FPÖ EX Chef > Das muss man sich vorstellen!! Und das als damaliger Justizminister > "Haider sei über jeden Verdacht erhaben" < ...........Der eigentliche Skandal aber ist: Dass alle Vorhabensberichte der Staatsanwälte jetzt an den jetzigen Justizminister der auch in Sachen Grasser als damaliger Anwalt voll involviert ist.........

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