Bond in Österreich von

Auftakt der Dreharbeiten
zu James Bond Film verzögert sich

Wind und Schneetreiben in Altaussee: "Drehen ist momentan nicht möglich"

Dreharbeiten zu James Bond Film in Altaussee © Bild: APA/Barbara Gindl

Der Beginn der Dreharbeiten zum aktuellen James-Bond-Film in Altaussee im obersteirischen Salzkammergut dürfte sich am Montag wetterbedingt verzögern. Der Ort zeigte sich tiefwinterlich, Schneetreiben und Wind behinderten am Vormittag die Filmcrew. An den Hängen um den See wurden in der Früh mehrere Lawinen abgesprengt, um den Zugang zur Seewiese zu ermöglichen.

"Drehen ist momentan nicht möglich. Wir haben extremen Wind auf der Seewiese, wo zentrale Aufnahmen stattfinden. Auch das Hin- und Herfahren mit den Booten ist schwierig", sagte Enrico Jakob von der CineStyria, der Filmförderungsstelle des Landes Steiermark: "Derzeit wird zugewartet." Mit Details zu dem zweitägigen Dreh hielten sich sowohl Jakob wie die Produktionsfirma bedeckt: Man wolle möglichst ungestört drehen und auch nichts vom Inhalt des Films verraten. Laut Jakob werden neben Bond-Darsteller Daniel Craig in Altaussee übrigens keine weiteren Stars erwartet.

Dreharbeiten zu James Bond Film in Altaussee
© APA/Barbara Gindl

Per Hubschrauber soll James Bond-Darsteller Daniel Craig Sonntagnachmittag im obersteirischen Altaussee angekommen sein. Ernst Kammerer, Chef des Tourismusverbandes Ausseerland, sagte, dass er gegen 14.00 Uhr in der "Seevilla" eingetroffen sei. Craig soll in Salzburg gelandet und mit dem Helikopter in die Steiermark geflogen worden sein. Kammerer glaube nicht, dass von Craig vor Drehbeginn viel zu sehen sein wird: "Der wird bei dem Wind schon wissen, wie er sich unauffällig unter die Leute mischen kann, wenn er die Seevilla verlassen möchte," meinte der Touristiker.

Was passiert in Obertilliach?

Während das Filmteam in Altaussee auf den Drehbeginn wartet, übt man sich in Obertilliach noch im Schweigen - auch als Wachmann mit der Lizenz zum Kettenrauchen. "Ich habe berufsbedingt Alzheimer." Der so von Vergesslichkeit Geplagte trägt eine weithin gelb leuchtende Jacke mit der Aufschrift "Security" und beschützt mit Kollegen einen Tiroler Stadl. Die Frage lautete schlicht: "Wo ist das James-Bond-Haus?" Die Filmcrew hat vor den Dreharbeiten zum nächsten 007-Abenteuer mit dem Titel "Spectre" in Obertilliach in Osttirol zwar viele Spuren gelegt. Große Zelte dienen als Lagerhallen, Container als Büros, zwei Hubschrauberlandeplätze sind angelegt. Aber das monatelange Schweigegelübde zeigt in dem 700-Seelen-Dorf immer noch Wirkung.

Dreharbeiten zu James Bond Film in Altaussee
© APA/Barbara Gindl

"Die geheimdienstliche Diskretion schwebt über allem", schmunzelt der 67-jährige Josef Lugger. Der Bauer, Wirt, Seilbahner und Musikant gehörte zu den fünf Leuten, die im März vom Interesse der 007-Produzenten aus England erfuhren. Obertilliach als Kulisse für wesentliche Szenen in einem globalen Blockbuster? "So eine Chance lässt man sich nicht entgehen", sagt Bürgermeister Matthias Scherer (44). Der ÖVP-Politiker und das Mini-Komitee sondierten die Stimmung im Dorf. Denn der PR-Coup bedeutet in der etwa dreiwöchigen heißen Drehphase ab Mitte Jänner auch Einschränkungen für Bewohner und Urlauber. Einige Tage ist unter anderem die Ski-Piste wegen des Topagenten gesperrt.

Dreharbeiten zu James Bond Film in Altaussee
© APA/Barbara Gindl

Doch die Vorteile scheinen alle überzeugt zu haben. "In der Region bleiben ungefähr vier Millionen Euro", sagt Scherer über das unerwartete Konjunkturprogramm. Handwerker und Bauern freuen sich über Zusatzaufträge und über zum Dreh verpachtete Grundstücke, die Hoteliers über eine hier 350 Mann starke Crew, die essen und schlafen will. Insgesamt seien in Österreich vom großen Filmteam - insgesamt 500 Leute - 30.000 Übernachtungen gebucht, sagt der Chef der Filmförder-Agentur Location Austria, Arie Bohrer.

Dreharbeiten zu James Bond Film in Altaussee
© APA/Barbara Gindl

Die Zimmerleute aus Obertilliach und Region haben ganze Arbeit geleistet. Schon im August haben sie auf einer Wiese am Rande des Dorfes mit dem Bau eines auf alt getrimmten Tiroler Stadls und mehrerer kleiner Heuhütten begonnen. Der Stadl, dessen Holz von einem alten Bauernhof in der Steiermark stammt, gilt als "James-Bond-Haus". "Hier wird es eine Verfolgungsjagd geben", erzählt Nachbar Emil Figl. Von der nahen Skipiste aus werde Bond wohl vor seinen Verfolgern in die Hütte fliehen, meint der 76-Jährige. In den engen Gassen des Dorfes werde das Katz-und-Maus-Spiel weitergehen.

Dreharbeiten zu James Bond Film in Altaussee
© APA/Barbara Gindl

Doch alles rund um die Handlung soll top secret sein. An - angeblich schon wieder veraltete - Details sind zum Leidwesen der Produzenten einige Hacker herangekommen. Superstar Craig wird wohl für vier, fünf Tage zum Dreh in Osttirol sein. Schlafen wird der 46-Jährige woanders, heißt es. Dass sich die Location-Scouts aus England für Obertilliach entschieden haben, ist für die Offiziellen gar nicht so überraschend. Der Ort sei schon öfter Kulisse für TV und Film gewesen, meint Scherer.

"Wir sind ein sehr seltenes Landschafts-Möbel", erklärt Lugger. Der Ort sei als altes Wehrdorf noch ganz kompakt, habe viele alte Holzhäuser, kaum eine Bausünde geschweige denn einen Hotelturm. Obendrein hatte der vergangene Rekordwinter mit seinen insgesamt neun Metern Schnee und tagelangen Stromausfällen im Rückblick auch etwas Gutes. Die wetteranfällige Hochspannungsleitung wurde auf einer Länge von zwei Kilometern unter die Erde verlegt. Die nun hindernisfreie Schneise habe die Filmemacher gefreut. Für die geplanten Actionszenen habe das "super gepasst", sagt Scherer.

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